Anna Maria Mühe: "Die große Liebe gibt es in vielen Formen"

Anna Maria Mühe ist heute Abend in dem gelungenen TV-Liebesfilm "Göttliche Funken" (30. Mai, 20.15 Uhr, ARD) zu sehen. Ein Gespräch über alte und große Lieben, Seitensprünge - und Kirche.

Vor dem Traualtar: Diana (Anna Maria Mühe, l.), Lily (Jeanette Hain) und Matthias (Devid Striesow)

Gute Nachrichten für den Freitagabend: Statt des üblichen Herzschmerzes zeigt die ARD heute Abend einen wirklich gelungenen und stark besetzten Liebesfilm. In "Göttliche Funken" (nein, der Titel ist nicht das beste an der Sache) werden Matthias (Devid Striesow) und Diana (Anna Maria Mühe) ausgerechnet von Matthias' Jugendliebe Lily (Jeanette Hain) getraut. Die wiederum hat schon vor Jahren einen ehemaligen Klassenkameraden (Barry Atsma) geheiratet. Erst glauben alle, die Situation im Griff zu haben, doch als Diana auf Dienstreise geht, können Matthias und Lily ihre (alten) Gefühle nicht länger unterdrücken. Es kommt zu einer Affäre - und nach dem Geständnis derselben zu einer überraschenden Reaktion der Betrogenen ...

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Interview mit Anna Maria Mühe

Anna Maria Mühe

BRIGITTE: Im Mittelpunkt des Films stehen zwei Paare: Auf der einen Seite Diana, die Sie spielen, und Matthias, auf der anderen Seite Lily und Jan. Was zeichnet deren Beziehungen jeweils aus?

Anna Maria Mühe: Bei Diana und Matthias sind es eine unglaubliche Lebenslust und ein guter Humor. Bis die Handlung einsetzt, hatten sie nie Probleme miteinander. Lily und Jan sind schon sehr lang zusammen, sie haben eine starke Basis, da herrscht großes Vertrauen.

Zwei Paare, die sich plötzlich über Kreuz füreinander interessieren - das ist ein dankbarer dramatischer Stoff. Ist Ihnen so etwas schon mal im wahren Leben passiert?

Nein, glücklicherweise nicht.

Und haben Sie schon mal eine Jugendliebe wiedergetroffen, so wie es Matthias im Film passiert?

Ja, getroffen schon, aber da ist nichts wieder hochgekommen.

Aber Sie konnten noch verstehen, dass da mal was war?

Es gab hier und da jemanden, da konnte ich sagen: Ja, das kann ich verstehen. Aber es gab auch die Fälle, wo ich dachte: Was war denn da los? (lacht)

Gibt es ein Erfolgsrezept für die Liebe?

Wenn es das gäbe, wären alle Beziehungen glücklich. Kommunikation und Vertrauen sind das A und O. Und man muss sich zwingen, nicht immer gleich nach dem ersten Impuls zu handeln.

Ist ein Seitensprung das Ende der Liebe?

Das kommt immer drauf an, wie die Basis ist. Auch was das für ein Seitensprung war - so pauschal gibt es darauf keine Antwort.

Sie haben "Göttliche Funken" mit Maria von Heland gedreht, der Regisseurin, die Sie damals für "Große Mädchen weinen nicht" entdeckt hat. Was hat die Anna von heute noch mit der Anna von damals zu tun?

Da gibt es schon noch viel, aber natürlich war das auch ein Sich-neu-entdecken-müssen. Ich bin eben nicht mehr die Fünfzehnjährige, die man an die Hand nehmen und der man den Film erklären muss. Diesmal war es eine Begegnung auf Augenhöhe, was sehr schön war und spannend.

Im Film fahren die beiden Paare gemeinsam zum Abi-Treffen, es ist der Auftakt zu einem turbulenten Abend. Bereuen Sie, dass es für Sie kein Abi-Treffen geben wird? Sie haben sich ja mit 16 für die Schauspielerei und gegen die Schule entschieden.

Zum Glück nicht. Weil ich so oft die Schule gewechselt habe, gab es für mich auch keine anderen Klassentreffen. Manchmal finde ich das ein bisschen schade, weil ich schon gern wüsste, was aus den Leuten geworden ist.

Haben Sie noch Freunde aus Schulzeiten?

Ich habe noch eine Schulfreundin in Berlin. Bei allen anderen hat es sich verlaufen, weil wir so viel umgezogen sind. Als Jugendlicher schreibt man sich ja auch nicht noch jahrelang Briefe hin und her. Und E-Mail und SMS waren damals noch nicht so an der Tagesordnung.

Es geht in dem Film auch darum, wie beliebt man zu Schulzeiten war. Wie war das bei Ihnen?

Als ich während der Schulzeit angefangen habe, als Schauspielerin zu arbeiten, hatte ich es nicht immer leicht. Für meine Mitschüler war es schwer zu verstehen, dass da jemand plötzlich im Filmgeschäft ist. Hinzu kam, dass direkt vor der Schule ein Plakat von "Große Mädchen weinen nicht" an der Litfaßsäule hing. Das war mir schon sehr unangenehm.

Haben Sie Neid gespürt?

Ja, ich habe aber versucht, mich davon zu lösen. Zum Glück sind mir Freunde geblieben, die gemerkt haben, dass ich mich nicht verändere, nur weil ich jetzt drehe, und nicht plötzlich denke, ich wäre was Besseres.

Die Pastorin, die Jeanette Hain in "Göttliche Funken" spielt, ist so sympathisch, dass man sofort denkt: Wenn alle so wären wie sie, wären die Kirchen nicht so leer. Können Sie etwas mit Kirche anfangen?

Ganz klar: Nein. Das hat natürlich mit meiner Herkunft zu tun. Als wir in Hamburg gewohnt haben, war ich allerdings auf einer sehr strengen katholischen Schule, weil die so einen guten Ruf hatte. Da habe ich auch mal bei einem Krippenspielen mitgemacht, wo ich das Schaf in der vierten Reihe von rechts spielen durfte, aber ansonsten habe ich mit Kirche nicht viel am Hut.

Sie glauben nicht an Gott?

Nein, ich glaube an Schicksal. Und an die große Liebe?

Unbedingt. Ich glaube, dass die große Liebe in verschiedenen Formen auftreten kann. Ich empfinde auch eine große Liebe zu meinen Freundinnen und zu meiner Tochter, aber natürlich glaube ich auch an die große Liebe in der Partnerschaft.

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