Eckart von Hirschhausen: "Mein Motto: Haha und Aha!"

Er ist Komiker - und Arzt. Kein Widerspruch, sagt Eckart von Hirschhausen: Er therapiert mit Humor statt mit Spritzen. Ein Gespräch über Glückstee, nachhaltige Komik, Pinguine und Giraffen.

BRIGITTE.de: In "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" geht es unter anderem um Allergien, Schnupfen, Kopfschmerzen. Klingt nicht gerade lustig...

Eckart von Hirschhausen: Als ehemaliger Arzt nehme ich die Welt aus dem Blickwinkel des Mediziners wahr - genau das ist mein Markenzeichen. Aber ich mache keine Witze über Krankheiten! Mir geht darum zu zeigen, was Medizin mit unserem Alltagsleben zu tun hat: Hilft Akupunktur am Auto? Und warum regt uns Glückstee so wahnsinnig auf?

BRIGITTE.de: Warum sollte uns Glückstee denn aufregen?

Eckart von Hirschhausen: Weil wir so wahnsinnig viel von ihm erwarten! Es geht dir schlecht, also nimmst du gleich drei Beutel auf die Tasse, wartest und denkst: "Gleich geht es mir wieder gut". Und was passiert? Nichts! Der Tee ist kaputt, den bring' ich zurück! Und ruckzuck bist du durch den Glückstee auf 180. Es gibt auch einen Tee, der "Momente der Stille" heißt. Dazu sage ich nur: zwei Teebeutel nass machen und in die Ohren stecken - dann hat man auch Momente der Stille!

BRIGITTE.de: Und was hat das mit Medizin in unserem Alltag zu tun?

Eckart von Hirschhausen: In meinem neuen Buch sind zwischen den Zeilen viele spannende Ergebnisse wissenschaftlicher Studien verarbeitet. Zum Beispiel, dass es die Suche nach einem Traumpartner sehr viel mit dem Geruch zu tun hat, oder dass Licht gegen Winterdepressionen hilft. Ich bezeichne mich selbst als nachhaltiger Komiker - mein Motto: Haha und Aha. Die Leute sollen unterhalten werden und dabei auch was lernen.

BRIGITTE.de: Sie sind also eigentlich nach wie vor Arzt, nur dass Sie mit Humor therapieren statt mit Pillen und Spritzen?

Eckart von Hirschhausen: Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber ich glaube das - ernsthaft! In meinem aktuellen Programm "Glücksbringer" erzähle ich vieles, was ich auch als Therapeut erzählt hätte. Nur mit dem Unterschied, dass ich es auf der Bühne vielen Leuten gleichzeitig erzähle. Ich habe das mal ausgerechnet: Sieben Jahre bräuchte ich für Einzelgespräche mit allen Zuhörern, wenn ich zum Beispiel in der Hamburger Musikhalle auftrete.

BRIGITTE.de: So wirksam wie ein Arztbesuch kann die Comedy-Gruppentherapie doch kaum sein.

Eckart von Hirschhausen: Klar sind Einzelgespräche beim Arzt effektiver. Aber Gesundheit entsteht nicht beim Arzt, sondern durch das, was wir jeden Tag tun und denken. Ich will den Leuten Anstöße geben: Beschäftigt euch mit eurem Körper und habt Spaß dabei! Und wenn ihr die Wahl habt: "Dran verzweifeln - oder drüber lachen", dann sage ich "Lacht drüber".

BRIGITTE.de: Dann sollte man die Eintrittskarten für Ihre Auftritte vielleicht von der Krankenkasse bezahlt bekommen...

Eckart von Hirschhausen: Das habe ich auch schon überlegt. Aber in Deutschland ist es ja weit verbreitet zu denken: "Was nix kostet, ist auch nix". Daher sollen die Leute ruhig was zahlen. Ich gebe von meinem Geld auch gern etwas ab, etwa an den Verein "Rote Nasen Deutschland", der Clowns in Krankenhäuser schickt, um dort Kinder und alte Menschen aufzuheitern.

BRIGITTE.de: Sie scheinen der Medizin immer noch sehr nahe zu stehen. Warum sind Sie eigentlich nicht Arzt geblieben?

Eckart von Hirschhausen: Ich bin immer noch Arzt! Nur bin ich jetzt in der Prophylaxe tätig. Der Arztberuf ist sehr beglückend, weil man vielen Menschen helfen kann: Nichts tut Menschen besser als etwas für andere zu tun. Ich habe allerdings festgestellt, dass ich im Krankenhaus meine spontanen und kreativen Fähigkeiten nicht wirklich ausleben kann. Da ging es mir ein bisschen wie dem Pinguin aus der Geschichte, die ich in meinem aktuellen Bühnenprogramm erzähle. Kennen Sie die?

BRIGITTE.de: Nein, leider nicht.

Eckart von Hirschhausen: Also, ich habe mal eine Kreuzfahrt gemacht, und da sah ich einen Pinguin auf einem Felsen sitzen. "Fehlkonstruktion", dachte ich mir. "Diese kleinen Flügel, und dann hat er auch keine Knie..." Und dann sprang der Pinguin ins Wasser und schwamm davon - und das kann er hervorragend! Genau so ist es mit uns Menschen: Über unseren Erfolg oder Misserfolg im Leben entscheidet eine Kombination unserer Fähigkeiten und unserer Umgebung. Du kannst aus einem Pinguin keine Giraffe machen - aber du kannst ihn ermutigen zu schwimmen.

Hirschhausen zum Hören: Das Pinguin-Prinzip

Dr. Eckart von Hirschhausen, 1967 in Frankfurt geboren, hat Medizin und Wissenschaftsjournalismus studiert und arbeitet seit über 15 Jahren als Kabarettist, Humortrainer und Autor. Mit seinem aktuellen Programm "Glücksbringer" ist Eckart von Hirschhausen derzeit auf Tour durch Deutschland. Sein neues Buch "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" (Rororo, 9,95 Euro) ist soeben erschienen. Mehr Infos und Tourdaten unter www.hirschhausen.com

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