Jasmin Tabatabai: "Ich würde mich heiraten"

Seit 20. Juli steht Multitalent Jasmin Tabatabai in Worms auf der Bühne. Dort spielt die Tochter eines Persers die deutscheste aller Bühnenfiguren: Kriemhild. Ein Gespräch über ihre Rolle, ihre Leidenschaft Musik und die große Liebe.

Jasmin Tabatabai als Kriemhild

BRIGITTE: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind gerade 40 geworden ...

Tabatabai: ... das ist das beste Alter! Ab 40 wird gerade für Frauen das Leben in fast jedem Bereich wesentlich interessanter.

BRIGITTE: Bei Schauspielerinnen geben die ersten Falten aber oft Anlass zur Panik.

Tabatabai: Bei mir nicht! Ich halte diesen Jugendkult für sehr ungesund. Ältere Gesichter sind oft wunderschön. Falten erzählen schließlich vom Leben, können deshalb sogar sexy sein. Ich fand es auf jeden Fall viel härter, 30 zu werden. In meinen Dreißigern war ich sehr auf der Suche, ziemlich unsicher und ziellos. Heute bin ich viel gelassener, ruhe viel mehr in mir selbst.

BRIGITTE: Wie kommt das?

Tabatabai: Man lernt sich einfach besser kennen mit den Jahren. Man weiß, was einem gut tut und was nicht. Ich fühle mich auch als Frau viel selbstsicherer als vor zehn Jahren. Damals hätte ich mich nie getraut, ein schönes Abendkleid anzuziehen und mich auf dem roten Teppich feiern zu lassen. Heute genieße ich solche Auftritte richtig.

BRIGITTE: Sie sind auch gerade wieder voll durchgestartet: mit zwei Kino-Erfolgen - "Fremde Haut" und "Vier Minuten" -, im Fernsehen neben Iris Berben in "Rosa Roth", und nun stehen Sie in Worms als Kriemhild auf der Bühne. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Engagement? Dass Sie als Halb-Iranerin gerade die deutscheste aller Bühnenfiguren spielen?

Tabatabai: Ich habe Dieter Wedel vor acht Jahren auf einem Casting für "Die Affäre Semmeling" kennen gelernt. Damals war ich ihm zu jung für die Rolle, um die es ging. Aber er sagte, er möchte unbedingt mal mit mir arbeiten. Ein paar Jahre später sah er mich in einer Talkshow wieder, in der ich mich mit dem Maler Markus Lüpertz angelegt habe. Der ging mir irre auf die Nerven, weil er so elitär und eitel daherredete. Ich gab ihm ständig Kontra. Wedel fand das wohl so amüsant, dass er mich am nächsten Tag anrief ...

BRIGITTE: ... um Sie als Kriemhild zu besetzen.

Tabatabai: Ich stand im Supermarkt, mein Handy klingelte, Herr Wedel war dran und fragte, ob ich Lust hätte, bei den Nibelungen-Festspielen mitzuwirken. Er sagte: Ihre Aufsässigkeit finde ich spannend für die Kriemhild. Mir fiel die Kinnlade runter. Es gibt ja drei urdeutsche Rollen: Gretchen, Käthchen und Kriemhild. Nie hätte ich geglaubt, dass mich mal jemand für eine dieser Figuren besetzen würde. Dass Dieter Wedel dazu den Mut hatte, hat mich beeindruckt und begeistert.

BRIGITTE: Was für eine Frau ist diese Kriemhild?

Tabatabai: Die Kriemhild ist unter Moritz Rinke, dem Dramaturgen des Stückes, mehr eine Ulrike Meinhof als ein naives Blondchen. Ein hochpolitischer Mensch, eine höhere Tochter, die die Weltrevolution plant und an die Macht will. Sie träumt davon, die Mauern niederzureißen und die Welt zu verbessern.

BRIGITTE: Sie selbst haben auch eine turbulente Zeit hinter sich: den Musiker Tico Zamora geheiratet, von Kreuzberg in ein Haus im Grünen gezogen, das Sie selbst sanieren. Sie haben vor vier Jahren eine Tochter bekommen - und sich vor knapp einem Jahr wieder von Ihrem Mann getrennt. Glauben Sie noch an die große Liebe?

Tabatabai: Natürlich! Ich habe jetzt bloß begriffen, wie unerlässlich wichtig Kommunikation ist. Trotz aller Beanspruchungen durch Kind, Haus und Beruf muss man sich austauschen, um sich nicht zu verlieren. Bei meiner nächsten Beziehung würde ich viel mehr reden.

BRIGITTE: Wären Sie gern Ihr eigener Mann?

Tabatabai: Was ist das denn für eine geile Frage?

BRIGITTE: Die zielt darauf, ob Sie sich für einen angenehmen Beziehungspartner halten.

Tabatabai: Ja, klar! Ich würde mich heiraten!

BRIGITTE: So? Warum denn?

Tabatabai: Ich glaube, man kann schon sehr gut mit mir auskommen. Wenn man den richtigen Schlüssel findet, bin ich ganz einfach. Wenn man mich falsch erwischt, bestimmte Dinge fehlinterpretiert oder verkennt, kann es allerdings auch ganz schön krachen.

BRIGITTE: Wie fühlen Sie sich als Single?

Tabatabai: Dieser Begriff passt nicht zu mir. Ich bin alleinerziehende Mutter und habe eine Familie, ein Netzwerk. Meine 21-jährige Nichte wohnt bei mir und passt auf Angelina auf, wenn ich arbeite. Dazu gibt's noch eine Kinderfrau, und auch mein Mann kommt regelmäßig vorbei. Ein Single ist jemand, der allein wohnt und allein ist. Das bin ich absolut nicht.

BRIGITTE: Was hat sich für Sie durch die Geburt Ihrer Tochter verändert?

Tabatabai: Alles! Ich habe mich in meinen Zwanzigern und Dreißigern richtig ausgetobt. Habe gearbeitet und alles Mögliche ausprobiert. Ich war die meiste Zeit Single, war frei und habe mich ausschließlich um mich selber gedreht. Und dann hatte ich plötzlich eine Riesensehnsucht danach, menschlich weiterzukommen - und dafür sind Kinder einfach ganz toll! Wenn man ein Kind hat, kann man sein Ego erst mal komplett in den Schrank packen. Du nimmst dich selbst nicht mehr so wichtig, und das ist sicher gut!

BRIGITTE: Sie sind auch als Sängerin äußerst erfolgreich. Im September erscheint Ihr zweites Album "I ran", mit dem Sie im Oktober dann auch auf Tournee gehen.

Tabatabai: Schauspielerei ist mein Beruf und meine Berufung. Musik ist meine Leidenschaft! Es macht mir einfach Spaß, Melodien zu finden und Texte zu schreiben. Mit einem Lied kann man in drei Minuten mehr sagen als in einem ganzen Roman. Ich sehe mich auch nicht als professionelle Vollblutmusikerin. Es gibt nichts Schlimmeres als Schauspieler, die plötzlich als Musiker ernst genommen werden wollen. Musik mache ich im Wesentlichen für mich selbst und freue mich, wenn meine Songs ein paar Menschen gefallen.

BRIGITTE: Was grob untertrieben ist: Die Musik zu "Bandits", die maßgeblich aus Ihrer Feder stammt, hat sich über 700 000-mal verkauft und gilt als erfolgreichster Soundtrack eines europäischen Spielfilms überhaupt. Auch Ihr letztes Album hat sich sehr gut verkauft. "I ran" klingt allerdings auffallend fröhlicher und positiver. Woran liegt's?

Tabatabai: Kind, Liebe, Heirat - in den Jahren, in denen ich die Songs geschrieben habe, ist viel Gutes passiert. Ein Album ist für mich immer auch ein Dokument der Gefühlswelt, in der ich mich gerade befinde. Eine Art musikalisches Tagebuch.

BRIGITTE: Musik, Film, Theater - haben Sie noch weitere Projekte im Kopf?

Tabatabai: Ich würde gern eine eigene Produktionsfirma gründen und gute Schauspielerfilme machen, mit tollen Frauenrollen. Die sind ja leider immer noch sehr selten im deutschen Kino. Ich möchte Filme machen, die packen und berühren - und keinen verquasten Kunstkram, den keiner versteht.

BRIGITTE: Und was wünschen Sie sich persönlich für Ihr neues Lebensjahrzehnt?

Tabatabai: Ich hätte gern noch mehr Kinder, am liebsten eine richtige Großfamilie. Ich würde gern ein bisschen mehr für meinen Körper tun und mit dem Scheiß-Rauchen aufhören. Und ansonsten will ich einfach glücklich sein. Happiness ist so ein schönes Wort, wissen Sie?

Die Nibelungenfestspiele in Worms zeigen dieses Jahr die Uraufführung "Die Nibelungen - Die letzten Tage von Burgund" von Moritz Rinke. Dieter Wedel ("Rossini") inszeniert die Geschichte des Untergangs der Burgunder als Politthriller mit bekannten Schauspielern. Neben Jasmin Tabatabai spielen André Eisermann, Anouschka Renzi, Dieter Mann und Ilja Richter. 20. Juli bis 5. August, Ticket-Hotline Tel. 018 05/33 71 71, www.nibelungenfestspiele.de

Interview: Claudia Thesenfitz BRIGITTE Heft 16/2007
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