Johann Lafer

Ob bei "Kerners Köche" oder im Duo mit Horst Lichter in "Lafer! Lichter! Lecker!" (samstags, 16.15 Uhr, ZDF) - im Fernsehen hat der 50-jährige Österreicher keinerlei Scheu vor Teamarbeit mit anderen Kochprofis

Liebe Brigitte, "Viele Köche verderben den Brei"! Welchen eigentlich genau? Haben Sie das Rezept?

Lieber Johann Lafer, der Begriff "Brei" ist ja etwas aus der Mode gekommen. Allenfalls für Babykost wird er noch gebraucht. Breie für Große heißen Müsli, Polenta, Chili con carne - oder, wenn sich nichts mehr beschönigen lässt, Porridge. Die Erinnerung an das, was man jahrhundertelang als Brei kannte, hat sich im kollektiven Unterbewussten der Deutschen nur zu gut bewahrt: eine verkochte Pampe aus einem Teil Wasser oder Buttermilch und einem Teil geschroteten Getreides. Meist ungesalzen, ungesüßt sowieso. Dafür bestens geeignet für den Verzehr durch Zahnlose. So weit das Rezept. Bitte kochen Sie es nicht nach. Diesen Brei mümmelten unsere Vorfahren Tag für Tag. Und wenn sie genug hatten, erschlugen sie ihre Feinde damit. Oder starben früh. Sie werden sich fragen, wie man so ein Zeug noch verderben kann. Tatsächlich ist laut Professor Wolfgang Mieder, Germanist und Sprichwortforscher an der Universität von Vermont, die genaue Herkunft der Redensart ungeklärt. Quellen legten aber nahe, dass sie aus dem Spätmittelalter stamme. Damals hieß ein Brei vielerorts Mus (in der Schweiz: Müsli) und bedeutete auch "Mahlzeit", weil viele ohnehin nichts anderes hatten. Einige wenige aber doch: die Oberschicht der gerade aufstrebenden Städte, zumeist Kaufleute. Die konnte sich plötzlich leisten, was bisher dem Adel vorbehalten war: teure Gewürze, Gastmähler, Köche. Sie protzten gern damit, auch um den Preis eines granatenmäßig verwürzten Mahles. Denn nichts frommte dem Ruf mehr als die Bemerkung eines - idealerweise neidischen - Gasts: "Das Johanni-Muos beym Lafern dünkte mich gar zu gepfeffert, da waren wol der eyffrigen Köch zu vil." Neid muss man sich eben hart verdienen. Aber am Ende bekommt man vielleicht ein Sprichwort dafür.

Foto: Christian Schoppe Text: Katja Jührend BRIGITTE Heft 1/2008
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