Jugendliche: Besser als ihr Ruf

Optimistisch, familiär und gut vernetzt - so ist die Jugend laut der neusten Shell-Studie, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Untersuchung, die alle vier Jahre heftige Diskussionen auslöst, zeigt aber auch: Die soziale Kluft wächst.

So sind mehr als 80 Prozent aller jungen Frauen und Männer aus begütertem Elternhaus mit ihrem Leben zufrieden, aber nur 40 Prozent aller Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Ähnlich unterschiedlich sehen die jungen Leute ihre Zukunft: Insgesamt äußern sich 59 Prozent optimistisch - aber nur jeder dritte Jugendliche aus benachteiligten Familien sieht bessere Zeiten auf sich zukommen. Viele fühlen sich schon in der Schule benachteiligt. Ungebrochen ist allerdings der Trend, der erstmals 2006 deutlich wurde: Mädchen und Frauen liegen in den Schulen und an Unis vorn, überholen ihre männlichen Kollegen bei Zensuren und Abschlüssen.

Interessant: Bei jungen Männern steigt der Kinderwunsch! 2006 sagten nur gut die Hälfte von ihnen "Später möchte ich mal Kinder haben" - jetzt sind es schon 65 Prozent. Damit kommen sie den jungen Frauen entgegen, von denen sich 73 Prozent Kinder wünschen.

Neu im Kino: "Her": Romanze mit einer Unsichtbaren

Insgesamt hat 2010 die Bedeutung von Freunden und Familien bei allen Jugendlichen noch ein Mal zugenommen. Für 97 Prozent sind Freunde das wichtigste im Leben, mehr als drei Viertel meinen, man braucht eine Familie, um wirklich glücklich leben zu können. Nur drei Prozent wenden sich bei ernsthaften Problemen nicht in erster Linie an eine Freundin oder einen Freund.

Rasant verändert hat sich die Mediennutzung. Nahezu alle jungen Leute verfügen über Internet (seit 2002 hat sich damit die Zahl verdoppelt) und sind im Schnitt 13 Stunden pro Woche online. Wobei Jungs weitaus häufiger zu den Gamern gehören, während Mädchen sich eher bei Facebook oder SchülerVZ tummeln. Auch im realen Leben sind Frauen eher sozial engagiert, insgesamt stieg das Interesse an Politik und gesellschaftlichen Aktivitäten aber nur leicht. Die Mehrheit ordnet sich politisch links der Mitte ein und zeigt seit der Krise einen ausgeprägten Missmut gegenüber der Wirtschaft - besonders das Vertrauen in Banken hat gelitten.

Seit mehr als 50 Jahren finanziert der Shell-Konzern alle vier Jahre eine große Untersuchung über die Jugend in Deutschland. Befragt wurden diesmal 2500 Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahren. Die Studie findet immer starke Beachtung und gilt als Stimmungsbarometer.

Silke Baumgarten Foto: istockphoto

Wer hier schreibt:

Silke Baumgarten
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!