Das geht uns am A.... vorbei

Das Bild von Kim Kardashians Hintern ist nur ein Teil eines größeren Übels - warum werden wir plötzlich von Popos überrollt?

Schon gesehen? Kim Kardashian hat einen Hintern, einen recht großen sogar. Das war jetzt eine billige rhetorische Frage, NATÜRLICH haben Sie den gesehen. Der Hintern von Kim Kardashian ist dieser Tage so verbreitet wie eine Deutschland-Flagge zur WM. Wohin man auch guckt: Eine Frau, die aussieht wie eine ölig glänzende Banane, die beim Frittieren aus der Schale gepoppt ist und keck über ihre Schulter schaut.

Und sie ist ja nicht allein. Gerade waren die "American Music Awards" auf MTV, und das Bild, das ich überall zu sehen kriege ist: Jennifer Lopez, die kopfüber zwischen ihren Beinen auf ihren gestreckten Popo hochguckt, als wollte sie sagen "Guckt, er ist noch da, und er ist immer noch rund!". Beyonce hat ein neues Musikvideo veröffentlicht, wichtige Schlüsselszene: Ihre Gesäßmuskeln, die fast bildfüllend und beeindruckend gut koordiniert scheinbar alleine tanzen, während sie sich kurz auf einem Stuhl ausruht.

Nicht zu vergessen: Ex "Bro Sis"-Sängern Indira Weis, die seit gestern per Web-Video Nachhilfe im effektiven Twerking gibt, bis ihre Strumpfhose aufplatzt. Dabei wollte sie mir doch gerade erst auf Twitter ihren Bambi verkaufen, bevor er von ihrer Schulter abrutscht und festklemmt.

Egal, wo ich gerade hingucke: Überall, wirklich überall werden mir Ärsche ins Gesicht gehalten, als wäre ich ein Hakle-Feucht-Spender.

Ist das sexistisch und doof? Klar, sind ja ausschließlich Frauen-Hintern überall, was per se schon mal nervt. (Nein, ich will jetzt bloß keine Ausgleichs-Quote, wo für jeden Frauenhintern ein Popo von Michael Fassbender, Prinz Harry oder das Gesicht von Akif Pirinci gezeigt wird). Ich will auch gar nicht mit dem prüden "Schämt euch!"-Zeigefinger wedeln, ist ja grundsätzlich alles okay: Twerking gehört zu einem Hip-Hop-Video wie nackte Haut zu einem Promi-Event, genau wie der nachfolgende "Skandal!"-Aufreger. Und ich finde es auch Quatsch, sich darüber zu empören, dass Menschen jetzt angeblich XXL-Hintern als Trend entdeckt haben. Wie groß ein Hintern ausfällt, ist keine Styling-Entscheidung sondern angeboren (klar, es gibt eine Handvoll Menschen, die von ihrem Chirurgen einen JLo-Hintern gemacht haben wollen, aber die können wir ohnehin guten Gewissens ignorieren, oder?)

Nee, was mich nervt, ist, dass das Verhältnis von Arschfotos zu anderen Bildern so völlig entgleist ist. Bei einem Star wie Rihanna freue ich mich ja schon, wenn ich zur Abwechslung mal ihr Gesicht sehen darf. Pobacken gehören inzwischen so fest zu meiner Tageszeitung wie die fledderigen Werbe-Beilagen in der Heftmitte und gehen mir ähnlich stark auf den Keks (von den wahnsinnig lustigen Wortspielen wie "imPOsante Einblicke" unter den Fotos mal ganz zu schweigen).

Dabei mag ich attraktive Popos. Wirklich. Das wird einem ja nicht vertraglich verboten, wenn man bei der BRIGITTE anfängt. Ich bin ein Mensch, der auf Karaoke-Parties auch gerne mal die Hintern-Hymne von Sir Mix-a-lot singt und nicht unbedingt fordern würde, dass die Medien endlich prüder werden müssen. Und wenn ich als Mann, der sowas grundsätzlich gerne sieht, schon genervt und angekotzt bin von dem Pobacken-Tsunami, der mich seit Wochen überrollt - wie viel schlimmmer muss es dann erst für alle sein, die gar kein Grundinteresse an den Hintern fremder Frauen mitbringen?

Also, liebe Popstars, Werbeagenturen und Medien: Wenn Leute wie ich, also eure angepeilte Zielgruppe, die Arschparade schon nicht mehr sehen können, ist es allerhöchste Zeit für einen Kurswechsel. Und nebenbei: Fällt euch auf der Suche nach lohnenden Zielgruppen nicht vielleicht sowieso was Besseres ein, als "Männer, die Hintern sehen wollen"? Nehmt mal eine kalte Dusche, erholt euch von den teils schmerzhaft aussehenden Po-Streckungen und überlegt euch mal was Neues. Ich warte so lange und erhole mich von den Folgen eurer Hintern-Offensive.

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