Filmsexszenen: Wie echt ist die Erotik vor der Kamera?

Niemand glaubt, dass beim Dreh von Filmsexszenen echt die Funken sprühen. Aber ist vielleicht trotzdem wenigstens etwas Leidenschaft im Spiel? Leider nein: Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie nüchtern und leidenschaftslos es am Sex-Filmset wirklich zugeht

Klar, irgendwie wissen wir ja schon, dass Filmsexszenen nicht echt sind, genau wie Laserschwerter, Platzpatronen oder die Haare von Sean Connery. Aber trotzdem: Auch große Stars sind irgendwie nur Menschen. Meist sehr, sehr attraktive Menschen. Und denen soll das völlig egal sein, wenn man sie fast nackt aufeinanderlegt und dann sagt: "Okay, jetzt reibt euch mal so aneinander, als ob ihr gerade Sex habt"? Das ist doch irgendwie schwer zu glauben, oder?

Deshalb springen wir auch so dankbar auf ein Interview an, dass Reese Witherspoon kürzlich der Vogue gegeben hat. Dort sagte sie über eine Sexszene ihres neuen Filmes "Wild": "I wanted it to be truthful, I wanted it to be raw, I wanted it to be real", also sinngemäß "Es sollte wirklich überzeugend wirken". Aber das Interview musste nur einmal fälschlich als "Ich wollte echten Sex" übersetzt werden, und schon steht in praktisch allen Medien die sensationelle Schlagzeile "Reese Witherspoon hatte echten Sex in ihrem Film".

Völliger Schwachsinn? Ja, ganz offensichtlich, aber es funktioniert seit Jahrzehnten immer wieder (erfunden wurde diese Gratis-PR 1992 von der Werbekampagne für "Basic Instinct"). Offensichtlich ist die Vorstellung so schön, dass Filmstars die Gelegenheit zum Sex mit attraktiven Kollegen nutzen ("Das war rein dienstlich, Schatz, ich hatte keine andere Wahl."), dass wir es einfach glauben wollen, obwohl wir es eigentlich besser wissen.

Um uns endgültig dieser Illusion zu berauben ist nun ein Video im Netz aufgetaucht, dass die Dreharbeiten des Thrillers "Stretch" zeigt (startet demnächst in den USA). Zu sehen sind die Schauspieler Patrick Wilson und Brooklyn Decker in einer Sexszene, die im Film vielleicht sehr mitreißend ist - die Realität vor Ort ist so unsexy wie Handwerker, die sich darüber beraten, an welcher Badezimmerecke sie eine Leitung verlegen wollen (also, das echte Szenario, nicht die Porno-Rahmenhandlung)

Aufgesprühter Kunstschweiß? Penetrante Gute-Laune-Musik, die zur Unterstützung angeworfen wird, wenn es zur Sache geht? Nein, das wollten wir gar nicht so genau wissen! Ist ja schon schlimm genug zu wissen, dass Filmküsse nicht nur nicht echt sind, sondern sich die Partner oft regelrecht hassen. Clarke Gable war etwa dafür berühmt, dass er vor einem Kuss noch extra viel Knoblauch zu sich nahm, so dass seinen Partnerinnen oft so schlecht wurde, dass sie kaum weiterfilmen konnten.

Die Reaktion auf diesen legendären Kuss in "Vom Winde verweht" erscheint jedenfalls gleich in einem anderen Licht.

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