Klettern wie Spiderman

BYM.de-Autorin Monique hat keine Lust mehr, sich beim Arbeiten ständig den Hintern platt zu sitzen und sucht nun den besonderen Kick. Sie findet ihn in 15 Meter Höhe an einer Kletterwand. Was dann geschah? Lest selbst -

Wäre ich doch nur im 19. Jahrhundert zur Welt gekommen. Mein Bizeps hätte gar keine andere Wahl, als sich beim Torfstechen formschön zu entwickeln, und mein Hintern wäre vom täglichen Kilometermarsch zur Kirche knackig wie ein Äpfelchen. Doch leider erblickte ich im Jahr 1981 das Licht der Welt. Statt im Torf sitze ich neun Stunden täglich vor dem Rechner und merke mit jeder Minute, dass mein Po so langsam die Form einer spanischen Galeere annimmt. Und damit meine ich nicht das Schiff, sondern die Qualle.

Bewegung muss her - und zwar spannende. Auf der Suche nach dem besonderen Kick nehme ich meinen guten Freund Jan in Anspruch. Jan geht regelmäßig ins Kletterzentrum Hamburg, das an mehreren Außen- und Innenwänden in zwei Kletterhallen dutzende Kletterrouten in allerlei Schwierigkeitsgraden bietet.

Klettern wie Spiderman

Die erste Herausforderung

Meine persönliche Herausforderung ist zunächst eine der bis zu 15,5 Meter hohen Wände, die Routen vom Schwierigkeitsgrad 2 (leicht) bis 10 (Holla die Waldfee) bieten. Alles, woran ich beim erstmaligen Anblick der Wände denken kann ist "Geilomat!!!". Als jedoch plötzlich jemand "SCHEISSE!!! ZU!!!" ruft, gefolgt von einem kurzen Zischen, einem abgedämpften Krachen und einem weiteren "SCHEISSE", diesmal aus einem anderen Mund, merke ich, dass die Wand manchmal auch ihre Tücken hat... Aber deswegen klettert man ja immer zu zweit - der eine kraxelt und der andere sichert ihn mittels eines Seils. So sind nicht einmal Stürze aus knapp 12 Metern Höhe schlimm, denn alles, was von oben runterfällt, wird abgefedert.

Nach kurzem Aufwärmen der Arme, Beine und vor allem der Schultern, wähle ich für den Anfang eine Route mit einer leichten 3+ als Schwierigkeitsgrad. Schon bald fühle ich mich wie Spiderman kurz nach dem Spinnenbiss: Zack zack zackig geht’s die Wand hoch - bis ich plötzlich merke, dass es weit und breit keinen gelben Griff mehr gibt. In der Kletterhalle sind die Routen nach Farben sortiert, so dass man im Eifer des Gefechts nicht die Orientierung verliert und sich womöglich an eine leichtere oder schwerere Strecke macht.

Mitten im Fels

Gelb ist aber nicht in Sicht. "Und jetzt?" rufe ich Jan zu, während sich meine Fingernägel schon mal verabschieden. "Rechts oben, etwa 35 Zentimeter über deiner rechten Schulter ist eine Struktur. Das muss gehen." Struktur, na Bravo! Das heißt, dass ich mich nicht an einem Griff, sondern an einem unmöglich geformten Stückchen Fels festkrallen darf, das sich unangenehm spröde nicht nur am Rest meiner Fingernägel, sondern auch gleich an der ersten und zweiten Hautschicht der dazugehörigen Fingerkuppen reibt. Los jetzt, Power! Ich drücke, ziehe, strecke mich hoch - und klettere tatsächlich höher bis ich quasi an die Decke stoße. Geschafft.

"Setzt dich rein" ruft Jan mir von unten zu. Ich löse also Beine und Arme von der Wand und genieße das grenzenlose Vertrauen in mein Material. Jans Kraft und mein Mut lassen mich zwölf Meter über dem Boden schweben. "Geilomat", tatsächlich. Jetzt könnte ich sogar fallen und ich würde unten einfach fröhlich weiterspazieren, so gut fühlt sich das an. Ich strecke die Beine aus, um mich von der Wand abzustoßen und lasse die Arme locker neben meinem Körper hängen. Stück für Stück seilt Jan mich ab, bis ich wieder auf beiden Beinen stehe. "Hast du gut gemacht. Gar nicht schlecht fürs erste Mal", lobt er mich. Ich zittere leicht, meine Arme schmerzen, meine Hände sind knallrot und ich bin ziemlich aus der Puste. Aber was bleibt, ist jede Menge Adrenalin und das Gefühl in der Luft zu schweben.

Infos

Kosten

Eine Einzeltageskarte beim Kletterzentrum Hamburg kostet für Nichtmitglieder des Deutschen Alpenvereins 13 Euro, 10er-Karten kosten 115 Euro.

Die Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein kostet jährlich 50 Euro für Volljährige ab dem 25. Lebensjahr und 25 Euro für 18- bis 25-Jährige.

Ausrüstung

Ohne Ausrüstung geht gar nichts. Was ihr braucht, ist ein Klettergurt, der um beide Beine und die Taille gelegt wird und an dem man das Sicherungsseil, den Magnesiumbeutel und Karabinerhaken befestigen kann. Außerdem benötigt ihr spezielle Kletterschuhe, die zwar ziemlich eng sind, dafür aber einen möglichst nahen Kontakt zur Wand ermöglichen.

Ein ca. 50 Meter langes Seil, ein Gurt und die Schuhe kosten locker 250 Euro. Gerade weil das Material lebenswichtig sein kann, sollte man sich nicht mit Billigkram zufrieden geben. Wenn ihr euch also erstmal ausprobieren wollt, leiht lieber das Material im Kletterzentrum, anstatt es gleich zu kaufen. Als Nichtmitglied des Deutschen Alpenvereins (DAV) bekommt ihr Schuhe und Gurt für fünf Euro Leihgebühr. Und auch das Seil braucht ihr nicht sofort zu kaufen: An den meisten Wänden der Kletterzentren sind bereits Seile angebracht - und ihr könnt direkt losklettern, ohne euch über die Anschaffung Gedanken zu machen.

Kletterarten

In der Halle gibt es zwei Arten zu klettern: Das Top-Rope-Klettern und den Vorstieg. Beim Top-Rope führt ein Seil vom Sichernden nach oben zum „Gipfel“, von wo aus es durch eine Umlenkung zum Kletterer geht. Noch am Boden befestigt der Kletterer dieses Seil mit dem so genannten Achterknoten an seinem Klettergurt. Auch der Sicherer macht das Seil mit einem Knoten an seinem Gurt fest, allerdings heißt dieser Knoten Halbmast. Er erlaubt dem Sicherer, Seil zu geben oder „Zu“ zu machen, wenn der Absturz droht.

Beim Vorstieg ist das Seil nicht am Höhepunkt der Route angebracht. Der Kletterer muss es ständig mit sich führen und sich in regelmäßigen Abständen selbst sichern, indem er das Seil an den in die Wand gelassenen Karabinern befestigt. Unten steht wiederum sein Partner, der einen eventuellen Absturz abbremst. Diese Art zu klettern ist besonders für einen Anfänger eine größere Herausforderung, da man sich gleichzeitig auf die Route, seine Kraft und das Sichern konzentrieren muss. Je weniger Haken man nutzt, desto tiefer fällt man.

Ihr wollt auch?

Für Anfänger bietet der DAV jede Menge Anfängerkurse an. Kostenpunkt: 75 Euro. Dabei lernt ihr alles über Materialien, Sicherheit und bekommt jede Menge Tipps. Wer schon etwas fitter ist, kann mittels des Vereins Kletterpartner finden, an organisierten Kletterwochen in der Natur oder an Wettkämpfen teilnehmen.

Ihr seid euch noch nicht ganz sicher, ob Klettern euer Ding ist? Dann macht erst einmal einen Schnupperkurs. Der dauert in der Regel zwei Stunden und kostet zwischen 10 und 30 Euro.

Weitere Infos findet ihr beim Kletterzentrum Hamburg oder beim Deutschen Alpenverein.

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