Filmkunst und Schleifenbänder: Retten Sie die alten Läden!

Folgen Sie dem Beispiel von BRIGITTE-Kolumnistin Julia Karnick und machen Sie Werbung für die altmodischen Geschäfte in Ihrer Stadt, die auf keinen Fall verschwinden dürfen.

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Ich bin ein großer Fan von kleinen Unternehmen. Ich finde, dass man alles tun muss, um sie zu erhalten, damit die Städte sich nicht immer ähnlicher werden: überall die gleichen großen Kinos, Kaufhäuser, Ketten. Ich nehme mir ständig vor, den nächsten Staubsauger im Laden um die Ecke zu kaufen statt im Discounter. Aber dann habe ich es mal wieder eilig, und egal, wo ich bin, das nächste Einkaufszentrum scheint immer irgendwie näher als das nächste Traditionsgeschäft, und erst wenn ich es wieder verlasse, fällt mir ein, dass ich eigentlich ganz woanders hinwollte. Ich nehme mir außerdem ständig vor, öfter ins "Magazin Filmkunsttheater" zu gehen: Erstens ist das Magazin eines der schönsten Kinos, das ich kenne. Zweitens sitzen dort außer mir immer höchstens zehn andere Besucher im Zuschauerraum, obwohl alle Menschen, die ich kenne, behaupten, dass es wahnsinnig schade wäre, wenn es Kinos wie das Magazin nicht mehr gäbe. Wenn die anderen und ich weiter so selten ins Magazin gehen, wird es das Magazin irgendwann nicht mehr geben, fürchte ich.

Weitersagen: Hier gibt's noch ein Kino ohne Popcorn!

Das Magazin, eines der ältesten Kinos Hamburgs, liegt abseits jeder Fußgängerzone im Stadtteil Winterhude. Es hat einen Kinosaal mit rot gepolsterten Sitzen, an der Kasse gibt es weder gedruckte Tickets noch Popkorn, sondern Billetts mit Schrägabriss von der Rolle und von Hand gepackte Naschtütchen. Das Programm besteht aus einem Mix aus Arthouse- und Mainstream- Filmen. Im Magazin habe ich mit zwölf meinen ersten James Bond gesehen, seither bin ich verliebt in dieses Kino, aber ich bin eine untreue Liebhaberin.

Ich gehe zu selten ins Kino und viel zu selten ins Magazin. Sollte es eines Tages schließen, werde ich sagen: "Das habe ich nicht gewollt." Ich versuche, mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, indem ich schamlos Reklame mache. Bitte, gehen Sie ins Magazin, wenn Sie aus oder in Hamburg sind.

Bevor Sie ins Kino gehen, fahren Sie zum Hamburger Hauptbahnhof, gehen in den Steintorweg 2, drücken den Klingelknopf der Firma R. Maudrich GmbH und treten ein in ein geheimnisvolles Reich, das hoffentlich niemals aufhört zu existieren. Wandeln Sie über graues Linoleum durch endlose Altbauflure mit deckenhohen Holzregalen, in denen abertausende Schleifenbandrollen lagern: schmale, breite, einfarbige, gestreifte, karierte, gepunktete, mit Blümchen, Enten, Weihnachtsmännern bedruckte, aus Spitze, Satin oder Bast gefertigte Schleifenbänder. Kaufen Sie ein dutzend Rollen, die nirgendwo günstiger sind als hier, und zahlen Sie - nur in bar - bei einer der Schleifenbandfachverkäuferinnen in pastellfarbenen Hauskitteln.

Fahren Sie danach in den Fleischereibedarfsladen in der Schanzenstraße 32, um bei Friedrich Jürgens GmbH seit 1919 ein Profi-Kochmesser zu kaufen, wie Sie es in keinem Kaufhaus finden. Von dort aus begeben Sie sich in den Eppendorfer Weg 227, in das Spielwarengeschäft Domino, das es dort seit 30 Jahren gibt. Besorgen Sie ein Mitbringsel. Es kann sein, dass Sie an der Kasse ein paar Minuten warten müssen, weil die Ladenbesitzerin sich Zeit nimmt für die Beratung einer Sechsjährigen, die sich nicht entscheiden kann, wofür sie ihre 50 Cent ausgeben soll. Binden Sie eine Schleife um das Spielzeug und das neue Messer, schenken Sie das Spielzeug einem Kind und das Messer einem Erwachsenen, nachdem Sie im Magazin ein Naschtütchen geleert haben, und sagen Sie weiter, welche altmodischen, gar nicht hippen Geschäfte in Ihrer Stadt es verdient haben zu überleben. Danke.

Welche Läden in Ihrer Stadt müssen unbedingt überleben? Schreiben Sie einen Kommentar.

BRIGITTE 21/11 Foto: Plainpicture/Sylvia Ballhause
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