Woody Allen: 75 Jahre Großstadt-Neurosen

Woody Allen wird 75 - BRIGITTE-Redakteurin Stefanie Hentschel gratuliert dem Großstadt-Neurotiker und bedankt sich für viele unvergessliche Filme. Plus: Woody-Zitate zum Durchklicken.

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Lieber Woody Allen,

feiern Sie überhaupt mit? Unglaubliche 75 Jahre werden Sie heute alt, und überall auf der Welt (okay, vermutlich hauptsächlich in Europa und an der Ostküste der USA) erheben heute Ihre Fans und Bewunderer die Gläser, um auf den Geburtstag ihres Lieblingsregisseurs anzustoßen. Sie aber grummelten neulich in einem Interview, ein Spaß sei das ja nun gerade nicht mit dem Älterwerden. Sollten Sie jemals wieder selbst in einem Ihrer Filme mit spielen, so, wie Sie das früher ja so gut wie immer gemacht haben, sagten Sie in diesem Interview, dann müssten Sie wehrlos zusehen, wie die tollsten Frauen von einem anderen geküsst werden – einem Jüngeren! Das müsse man sich mal vorstellen, stöhnten Sie, so unglaubliche Geschöpfe wie Scarlett Johansson oder Naomi Watts in den Armen eines anderen, und sie stünden einfach so daneben. Darum sind wir gar nicht so sicher, ob Ihnen wirklich so sehr zum Feiern zumute ist wie uns, Ihrem treuen Publikum.

Wenn Sie hinter der Kamera stehen und diese großartigen Frauen dirigieren, scheint das mit den jungen Männern nicht so schlimm zu sein. Denn nach wie vor arbeiten Sie mit den tollsten Damen der Filmwelt: Neben Scarlett Johansson, die so etwas wie Ihre neue Muse ist und in den letzten Jahren allein drei mal dabei sein durfte, gaben sich Traumfrauen wie Penelopé Cruz, Chloé Sevigny, Amanda Peet, Christina Ricci, Freida Pinto und Indie-Ikone Patricia Clarkson bei Ihnen kürzlich die Klinke in die Hand. Was in der Filmwelt nach wie vor ein Ritterschlag ist: Selbst ein Superstar wie Julia Roberts bekannte, noch nie so stolz gewesen zu sein wie damals, als Sie ihr eine Rolle in "Alle sagen I love you" (1996) angeboten haben.

Stefanie Hentschel

Ach ja, die Frauen in Ihrem Leben! Es heißt ja, Sie seien sehr glücklich mit Ihrer Ehefrau Soon-Yi und den beiden gemeinsamen Kindern. Das können wir für Sie nur hoffen – damit der ganze Skandal für irgendetwas gut war, damals, als Sie Ihre Lebensgefährtin, die Schauspielerin Mia Farrow, verließen, um deren Adoptiv-Tochter Soon-Yi zu heiraten. Natürlich steht uns da kein Urteil zu – man steckt ja nicht drin, nicht wahr? – aber eins muss man leider sagen: Ihrer Arbeit hat die neue Liebe damals gut getan.

Während am Ende Ihrer Beziehung mit Mia Farrow einige Ihrer schwächsten Filme stehen – „Alice” etwa, oder „Schatten und Nebel” (im Look eines deutschen Stummfilms, aber mit Madonna, jawohl, DER Madonna!), war der erste Film der Soon-Yi-Ära die unglaublich lustige, frische Komödie „Geliebte Aphrodite”. Wir wissen nicht, ob Ihre junge Frau Sie inspiriert, aber in Ihre gemeinsame Zeit fallen viele, viele großartige Werke von Ihnen – auch „Match Point”, dieses wundervoll ironische, amoralische Meisterstück von 2005, mit dem viele, die Sie bis dahin nicht mal kannten, Woody Allen als Ihren neuen Herzens-Filmemacher entdeckten. "Vom Regisseur von ,Match Point’" stand dann 2006 auch prompt auf dem Plakat zu Ihrem folgenden Film – ganz so, als hätten Sie in den 40 Jahren davor Bäder gefliest und nicht einen Klassiker der Filmgeschichte nach dem anderen produziert. Die großartigsten entstanden natürlich in den Siebzigerjahren mit Ihrer damaligen Lebensgefährtin Diane Keaton – womit wir schon wieder beim Thema Frauen wären. Wie leer wäre eine Welt ohne "Manhattan" oder den "Stadtneurotiker" – der ja durch und durch eine Hommage an die wundervolle Diane Keaton ist. Schon der Original-Titel "Annie Hall" bezieht sich auf sie: Hall ist ihr richtiger Nachname, Annie ihr Spitzname. Sie und Diane sind gute Freunde geblieben, und sicher wird Sie Ihnen heute gratulieren.

Was Geschenke angeht, da sind Sie wahrscheinlich ein schwieriger Kandidat – denn wie sollte irgendwer die Geschenke übertreffen, mit denen Sie Jahr für Jahr die Welt beglücken? Gleich morgen dürfen wir das nächste auspacken. Im Kino. "Ich sehe den Mann deiner Träume" heißt Ihr neuester Film, es geht, natürlich, um die Vertrackheit von Beziehungen und den Reiz verbotener Möglichkeiten, und, ja, auch um Wahrsagerei. Tolle Frauen sind auch dabei, reihenweise, und tolle Männer. Darum freuen wir uns einfach, sagen "Danke" und wünschen Ihnen von Herzen alles Gute zum Geburtstag!

Stefanie Hentschel
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