VG-Wort Pixel

Kussmund-Klos: witzig oder abstoßend?


Ein geöffneter, roter Frauenmund als Pissoir: In Mönchengladbach erregt ein Designer-Klo auf der Herren-Toilette die Gemüter. Frauenfeindlich sagen die einen, witzig die anderen. Entworfen hat das Modell - ausgerechnet - eine Frau.

image

"Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da...", so die bisher landläufige Meinung zum Thema Frauenmund. Im Restaurant "Rosenmeer" in Mönchengladbach hingegen haben rote Lippen eine ganz andere Funktion: Seit kurzem stehen dort auf der Herren-Toilette exklusive Designer-Pissoirs. Die Form: ein weit geöffneter, knallig roter Frauenmund, in den die männlichen Gäste hinein pinkeln können.

Ein Skandal, fanden einige Besucherinnen des Restaurants und beschwerten sich bei Bärbel Braun, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt. "Eindeutig sexistisch", befand auch Braun und forderte den Besitzer des Restaurants, Ramzi Ben Said, auf, die umstrittenen Pissoirs abzumontieren. Doch Ben Said weigerte sich. "Für mich hat das nichts mit Sex zu tun, sondern mit Life Style", so der Gastronom gegen über der Rheinischen Post. "Für das Rosenmeer ist der Retro-Stil prägend. Und mit den Urinalen beziehen wir uns auf die Pop Art der 70er-Jahre."

image

Dieser Meinung ist auch Meike van Schijndel, die Designerin der Toiletten mit dem Namen "Kisses". Wo auch immer die Pissoirs der Niederländerin dem "kleinen Geschäft" der Herren zur Verfügung stehen - ob in einer exquisiten Flughafen-Lounge auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy, in einer Wiener Szene-Bar oder in einer holländischen McDonalds-Filiale - sind sie Garant für Ärger. Doch verstehen kann van Schijndel den Rummel nicht. Ihr sei bei der Umsetzung nicht einmal der Gedanke gekommen, dass man ihren Entwurf als frauenfeindlich interpretieren könne. "Das ist kein Mund, sondern ein Cartoon", sagt sie, und somit seien die Lippen geschlechtlos.

Bärbel Braun jedoch bleibt dabei: In ihren Augen sei das Klo keineswegs geschlechtslos, sondern ein Frauenmund und somit diskriminierend. "Wenn ich auf der Damentoilette eine vergleichbare Darstellung von einem Männermund mit Schnäuzer entdeckt hätte, hätte ich als Gleichstellungsbeauftragte kein Problem."

Mittlerweile haben Braun und Ben Said eine mögliche Lösung für das Pissoir-Problem gefunden: Ben Said will die "Kisses" hinter Glas bannen. Sein Vorschlag: "Eines wird im Rosenmeer in einer Vitrine ausgestellt. Eines in einem renommierten Unternehmen. Und eines im öffentlichen Raum, also in der Stadtverwaltung." Eine gute Idee, findet Bärbel Braun, die sich sogar vorstellen kann selbst eines der Pissoirs in ihr Amt zu stellen. "Warum nicht?"

miro Fotos: Jeroen Voolstra/Bathroom Mania!

Mehr zum Thema