Herzlichen Glückwunsch, Barbara Schöneberger!

Barbara Schöneberger ist klug, witzig, frei von Allüren - und neuerdings 40. Ein Porträt von Deutschlands smartester Moderatorin.

Wer sie nur als souveräne Journalistin in der NDR-Talkshow kannte, weiß spätestens seit ihrer Echo-Moderation vor zwei Jahren um ihre Showmaster-Qualitäten. Mit einem langen Knutscher mit Kollegin Ina Müller verblüffte sie schon um kurz nach 20 Uhr ihr Publikum - in batikartig gemustertem Vivienne-Westwood-Kleid. Barbara Schöneberger fürchtet weder eine gewagte Bühnenpräsenz noch schrille Outfits.

Denkt sie nicht manchmal nach ihren Auftritten: "O Gott, wie sah ich aus? Was habe ich da bloß gesagt?" Nein, nie. Sie guckt sich keine einzige Aufzeichnung an. Gesendet ist gesendet. "Ich versuche eigentlich immer, bei der Arbeit Spaß zu haben, und was dann damit passiert, ist mir schnuppe." Das heißt nicht, dass ihr der Job eine Sekunde lang egal wäre: Sie lebt dafür, ist 100 Prozent präsent und top vorbereitet. Ihr Konzept: "Du brauchst drei richtig gute Sprüche für den Anfang. Dann entsteht eine Welle, auf der du getragen wirst." Aber egal, wie gut sie die Welle gesurft hat: Danach fährt oder fliegt sie nach Hause zu Mann und Kindern, ohne einen weiteren Gedanken an ihre Moderation zu verschwenden.

Schöneberger ist ein Abschalt-Wunder. Und erstaunlich uneitel. Ihr wohl größtes Talent: sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Woher hat sie diese Bodenständigkeit? "Ich komme aus einer Familie, in der sich immer nach den Umständen gerichtet wurde", sagt sie. "Wenn man etwas nicht ändern kann, dann ist es halt so." Sie mag Leute nicht, die dauernd lamentieren, um alles Wind machen und immer gestresst sind. "Ich möchte so nicht sein. Ich möchte jemand sein, der sagt: Ja, ich schaff das!" Das gilt auch fürs Privatleben. Wenn sie wegen ihrer Kinder nur drei Stunden schläft, dann ist das eben so. "Ich habe schließlich kein Kind bekommen, um mich mal richtig auszuschlafen." Und wenn mal eine Sendung floppt, dann stirbt davon keiner. "Mein Tun lässt die Welt nicht kreisen", sagt Schöneberger. "Wenn man Trinkwasserbrunnen in Afrika baut, dann kann man das vielleicht von sich behaupten." Für diese Einstellung braucht man nicht nur Pragmatismus, sondern vor allem ein gesundes Selbstbewusstsein. Und auch da scheinen Barbara Schönebergers Eltern bei ihrer einzigen Tochter sehr viel richtig gemacht zu haben.

"Meine Eltern haben mir immer das Selbstvertrauen gegeben: Egal, was du machst, es ist okay. Und wenn du mal was falsch machst, soll es dein Innerstes nicht erschüttern." Diese Haltung ist ihr Fundament - und macht sie frei. So frei, dass sie ohne Not die Moderation von "Wetten, dass . . . " ablehnen konnte. "Meine letzte Entscheidung, die ,NDR Talk Show' zu machen, war so wahnsinnig richtig", sagt Schöneberger, "dass ich vor jeder weiteren Entscheidung großen Respekt habe. Und wer dankt es einem, wenn es nicht klappt? Niemand." Wenn man Schöneberger begleitet, merkt man schnell, dass dieses Unaufgeregte, Uneitle absolut echt ist. Sie hat nie auch nur eine Sekunde irgendwelche Allüren. Ihre einzige Extravaganz: ein Obstteller in der Garderobe. Der dann meistens aus einer Ananas und zwei Birnen ohne Messer besteht. Aber sich darüber aufregen? Pfft. Schönebergers engster Vertrauter ist ihr Visagist Matthias Klemenz, mit dem sie nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren ein "eheähnliches Verhältnis" hat. "Nur ohne Sex", wie die beiden betonen.

Klemenz sagt über seine wichtigste Kundin: "Es ist ein Traum." Schöneberger sagt über ihn: "Matthias macht alles. Der zieht mir die Stützstrümpfe und die Bauchweghöschen hoch, wenn ich schwanger bin, und zur Not näht er mich auch ins Kleid. Wenn jemand Matthias nicht bezahlen will, dann komme ich nicht." Klemenz ist nicht nur Tröster in allen Lebenslagen oder Urlaubspartner in zurückliegenden Single-Phasen, er weiß auch, wie man ihre großen Kulleraugen richtig in Szene setzt ("ein bisschen katzig, aber die Wimpern nicht zu transig") und darf hemmungslos an ihren Schlupflidern zupfen ("Es wäre doch schön, wenn man da mal einen Zentimeter Haut entfernen würde!"). Er weiß, dass sie Lockenstäbe hasst und zu hartes Bürsten. Er entscheidet, ob sie die Haare lockig oder glatt trägt, Mittel oder keinen Scheitel. Barbara vertraut ihm blind. Deswegen durfte er ihr auch einmal eine neue Frisur verpassen. Zu Hause in seiner Küche bei einer Tasse Kaffee hat er von Schönebergers blonder Mähne mal eben 15 bis 20 Zentimeter abgeschnitten. War das schon länger geplant? "Nö, wir sind da ganz spontan", sagt Klemenz, "das ganze Drumherum interessiert uns nicht." Barbaras Haare hätten schon bei der letzten Schwangerschaft so gelitten, darum.

Wenn Klemenz über Schöneberger redet, sagt er gern "wir", als wären sie ein altes Ehepaar. Auch für Hubertus Meyer-Burckhardt, seit 2008 ihr Co-Moderator bei der "NDR Talk Show", ist Schöneberger eine Ausnahmeerscheinung. "Erstens", sagt Meyer-Burckhardt, "ist da ihre Begabung, diese Mischung aus Intuition, Bodenständigkeit und scharfer Intelligenz. Zweitens ihre Vita." Die findet der hauptberufliche TV-Produzent erfrischend amerikanisch, weil sie nicht generalstabsmäßig durchgeplant ist. In einer Welt "der vor Korrektheit nicht mehr gehen könnenden Frauen" sei Barbara einfach "a class of her own". Das hat ihr Entdecker, der Künstlermanager Alexander Elbertzhagen, schon sehr früh gespürt. Der Berater von Marius Müller-Westernhagen und Herbert Grönemeyer wurde auf sie aufmerksam, als er in München neue Talente suchte. Da war Barbara noch Schülerin am Pestalozzi-Gymnasium und modelte nebenbei ein bisschen. Er verschaffte ihr 1998 die Assistenz in der Sat.1-Fernsehsendung "Bube, Dame, Hörig". 1999 folgte eine Tennissendung auf Tele 5 ("Das passte kaum"), dann die Co-Moderation von "Weck Up" (auch Sat.1) und schließlich, 2001, ihre erste eigene Sendung "Blondes Gift", die bis 2005 auf Pro 7 lief.

Was er an ihr schätzt? "Man kann sie auch mal kritisieren. Da muss man bei vielen anderen Künstlern vorsichtig sein. Außerdem ist sie spontan, frech und mutig. Mutig deshalb, weil sie nur macht, was ihr Spaß bringt. Im Verhältnis zu den Angeboten, die sie bekommt, ist sie damit eine Ausnahme." Schöneberger hat in Deutschland und Österreich fast alle großen Veranstaltungen moderiert, dazu diverse Galas und Awards. Vor wenigen Monaten erst brachte sie ihre dritte CD heraus, spielte in kleinen Kinorollen, sie macht Werbung für Homann-Salate, Renault und Wella. Egal, wann man den Fernseher anschaltet - Barbara Schöneberger ist schon da. Fast möchte man ihr raten, mal etwas kürzerzutreten; andererseits sagt sie dann innerhalb der nächsten zwei Minuten Sachen wie: "Ich habe so viel Wasser im Körper, wie Udo Lindenberg in seinem Leben noch nicht getrunken hat" (hochschwanger zu Robbie Williams beim Deutschen Fernsehpreis) oder "Das Fleisch sucht sich immer seinen Weg" (beim Versuch, sich in einem sehr engen, hochgeschlitzten Abendkleid elegant auf einen Barhocker zu setzen), und man ist froh, mal kurz reingezappt zu haben.

Anfang letzten Jahres kam ihre Tochter, ihr zweites Kind, zur Welt. Danach war sie eine Weile nicht zu sehen. Denn so gern sie arbeitet, so sehr genießt sie ihr Privatleben. Seit sie allerdings mit einem adligen IT-Unternehmer verheiratet ist, weiß man darüber nur wenig. Während ihr Ex-Freund, der blonde Student Paul, und ihr Ex-Verlobter, der etwas prollige Hamburger Unternehmensberater Matthias Krahl, sehr präsent waren, gibt es seit "Mr. Von-und-zu" eine Schweigevereinbarung: keine private Berichterstattung, keine Fotos. Wobei Schweigen sonst nicht so ihr Ding ist. Es sei eine gemeinsame Entscheidung, sagt Schöneberger. "Aber es kostet mich manchmal sehr viel Mühe, denn meinem Typ würde es viel mehr entsprechen, über alles zu reden und alle an meinem Glück teilhaben zu lassen." Aber sie findet auch, dass das jetzt etwas mit Reife zu tun hat. Und weiß man zum Beispiel etwas über Frank Plasbergs oder Reinhold Beckmanns Privatleben? Eben. Schöneberger antwortet deswegen jetzt immer schön brav auf Fragen, die im Ansatz ihren Mann betreffen: "Dazu sage ich nichts." Manchmal muss sie dann selber lachen.

Hat diese Frau eigentlich irgendeine Macke? "Dass sie nie zurückruft vielleicht", sagt Matthias Klemenz. Sie selbst sagt über sich: "Ich bin nicht gut im Kontaktehalten und Freundschaftenpflegen. Ich hasse Telefonieren. Das ist wahrscheinlich mein größtes zwischenmenschliches Problem." Barbara Schöneberger liebt das Spontane. Und sie genügt sich manchmal selbst. Dazu gehört auch, dass sie private Entscheidungen sehr autark fällt: "Ich bin kein Mensch, der andere um Rat fragt. Das habe ich noch nie gemacht - weder bei meinen Eltern noch bei Freundinnen." Das meiste entscheidet sie aus dem Bauch heraus. Und liegt damit sehr oft richtig. Deswegen kommt man bei ihr auch mit der Frage nach Karrierezielen nicht weit. "Ich fand bisher jeden Punkt meines Lebens sinnvoll und gut. Und ich habe schon seit Jahren dasselbe Ziel: dass alles bleibt, wie es ist. Das finde ich schon toll genug."

Mrs. Multitalent

Die blonde Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin wurde am 5. März 1974 in München geboren. Nach dem Abitur studierte sie Soziologie und Kommunikationswissenschaften. 1998 wurde sie Assistentin bei "Bube, Dame, Hörig". 2001 bekam sie ihre eigene TV-Sendung "Blondes Gift". Seit 2008 ist sie Gastgeberin der "NDR Talk Show" und moderiert diverse große Fernsehshows. 2007 nahm sie ihre erste CD auf ("Jetzt singt sie auch noch"), 2009 die zweite ("Nochmal, nur anders"). Eine dritte erschien im Oktober vergangenen Jahres ("Bekannt aus Funk und Fernsehen"). Schöneberger lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Berlin.

Text: Nikola Haaks
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