Hör nie auf anzufangen!

Ein Umzug in eine andere Stadt, ein Auslandssemster oder eine Trennung vom Freund: Loslassen fällt immer schwer! Doch warum es wichtig ist, bestimmte Dinge hinter sich zu lassen und wie man wieder nach vorne blickt, erklärt BYM.de-Autorin Anna Gielas

Ich sitze am Flughafen in Montreal. In zwei Stunden geht mein Flieger zurück nach Deutschland. Ich könnte nicht trauriger sein. "Du musst uns jetzt für einige Zeit hinter dir lassen", höre ich meine kanadische Freundin neben mir sagen. Während meines Auslandssemesters sind wir unzertrennlich geworden und nun muss ich weg. Ich hasse Abschiede. Als ich sie ein letztes Mal umarme, weinen wir beide.

Und wie immer in solchen Situationen taucht eine Frage auf: Wieso fällt mir Loslassen so schwer? Sei es der Umzug in eine andere Stadt, die Trennung vom Freund oder einfach das Weggeben dieses einen Sommerkleides, das seit Jahren im Schrank hängt und an die Küsse ferner Sommerferien erinnert. Sich von etwas zu trennen, das man mag oder liebt, ist bisweilen ein Albtraum.

Das Gewohnte gibt Halt und Sicherheit

Loslassen gehört zum Erwachsenwerden, sagt meine Mutter immer. Es ist ein Zeichen von Reife, Menschen und Dinge hinter sich lassen zu können. Ja, ja, immerhin stampfe ich nicht mehr in den Boden und rufe "ich will nicht!", wie es noch vor einigen Jahren der Fall war - die Etikette habe ich gelernt. Dank gutgemeinter Ratschläge meiner Freunde und Dutzenden von Zeitschriften weiß ich auch, wie man sich kurzweilig von Trennungsschmerz ablenkt. Aber wieso tut es denn überhaupt weh? "Weil das Gewohnte uns Halt und Sicherheit bietet, es vermittelt uns Geborgenheit ", sagt Diplom-Psychologe Jan Deinet. "Es lässt uns die Probleme des Alltags leichter bewältigen."

Dagegen ist alles Neue, sei es ein Auslandsjahr, das Ende einer Beziehung oder der Beginn des Studiums, voller unbekannter Variablen. Neues bedeutet Herausforderung und verlangt Energie und Einsatz, manchmal auch Entbehrung, wenn die beste Freundin von nebenan plötzlich weit weg ist.

Ja, ich erinnere mich an meine Ankunft in Kanada. Klein und allein kam ich mir vor. Ich hatte das Gefühl, meine Freunde und Familie in einer anderen Welt zurückgelassen zu haben. Plötzlich hatte ich Angst, sie zu verlieren. Aber im Laufe der ersten Tage änderte sich etwas: Aus anfänglicher Angst wurde zaghafte Neugierde und aus Neugierde wurde Begeisterung. Begeisterung über so viele spannende Eindrücke und Erfahrungen. Der neue Alltag schien intensiver. Ich lernte viele Leute kennen und sah gleichzeitig meine Freunde in Deutschland in anderem Licht: Sie waren nicht mehr selbstverständlich. Plötzlich freute ich mich ohnegleichen auf ein alltägliches Telefonat mit ihnen.

Nach vorne blicken

Ich habe gelernt, dass nicht jeder Schritt ins Unbekannte automatisch Loslassen bedeutet: Selbst bei einschneidenden Veränderungen kommt es in den meisten Fällen zu keinem endgültigen Bruch mit der Vergangenheit. "Hat man beispielsweise den anfänglichen Liebeskummer überwunden, wird man bis ins hohe Alter lächeln müssen, wenn man an die kleinen besonderen Momente der Beziehung zurückdenkt", sagt Psychologe Jan Deinet. Und die Erinnerung an die Küsse der ersten Sommerliebe verschwindet nicht, wenn man das Kleid von damals weggibt - weil man sie schließlich im Herzen abgelegt hat, nicht in einem Kleiderschrank.

Und was Veränderungen angeht: Neues kennen zu lernen sorgt für Abwechslung und ist spannend. Sei es der Karatekurs nächsten Monat, das Designstudium nächstes Jahr oder einfach der Kauf einer ausgefallenen Jeans - Stillstand liegt mir nicht, ich möchte nach vorn.

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Loslassen und Beginnen - Hier kommt ein kleiner Ratgeber

Den Freund gehen lassen

Ihr denkt heute: So einen werde ich nie wieder finden! Ihr denkt in einigen Monaten: So einen will ich auch gar nicht mehr. Ich will jemanden, der besser zu mir passt.

Aber dessen ist man sich mitten im Trennungsschmerz nicht bewusst. Es gibt Momente, in denen der Kummer einfach nicht verschwinden will. Kurz vor dem Einschlafen, zum Beispiel. Da prasseln Erinnerungen und Schmerz wie Eisregen auf unglücklich Verliebte. Manchmal überfallen sie einen auch im Café um die Ecke (und währenddessen übersieht man den sympathisch lächelnden Monsieur an der Theke).

Den Freund gehen zu lassen tut weh, weil es einen zwingt, den Teil des Alltages aufzugeben, der die schönsten Momente bereitet und Wärme sowie Halt gegeben hat. Wenn der Freund Schluss macht, beginnt ein neuer Alltag. Diese Phase kann aber ebenso schön werden wie die Zeit mit dem Ex. (Denn der sympathische lächelnde Monsieur im Cafe lächelt drei Nummern breiter, als er uns das nächste Mal sieht...) Frau mag es im Moment kaum glauben, aber aus einer neuen Bekanntschaft können noch intensivere Gefühle entstehen als alles bislang da gewesene.

Denn Loslassen bedeutet, dass man sich Schritt um Schritt neuem Glück öffnet. Es ermöglicht, Leute, Orte und Momente wahrzunehmen, die während einer Beziehung nicht aufgefallen wären. Solange man noch um den Verflossenen trauert, vergisst man einen wichtigen Aspekt: Loslassen heißt, jemand (scheinbar ungeeigneten) nicht länger für die eigenen Erwartungen einspannen zu wollen; es bedeutet vielmehr, dass man neue Seiten an sich selbst kennen lernt.

Erste Hilfe:

1. Lenkt Euch ab! Wer nicht alleine sein kann, ohne an den Ex zu denken, sollte mit Freunden weggehen, den lang versprochenen Besuch bei der Oma wahr machen oder sich im Fitnessstudio auspowern. Wer alleine sein möchte, kann endlich mal den Keller aufräumen oder alte Zeitungen aussortieren. Weniger mühsam und schön entspannend: Ein Hörbuch und eine Tasse heiße Schokolade.

2. Räumt ihn weg! Sie sind überall, über dem Schreibtisch, neben dem Bett, auf dem Couchtisch: Fotos und Geschenke vom Ex, die regelmäßig schmerzhafte Erinnerungen wachrufen. Räumt sie weg, zumindest für die Zeit, in der die Sachen negative Gefühle in Euch wecken. Je nachdem, was Euch mehr zusagt, könnt ihr sie alle auf einmal oder Stück für Stück an einem Ort verstauen, wo sie Euch nicht ständig an das Ende der Beziehung erinnern.

3. Ran an die Arbeit! Herzschmerz und Lernen passt auf den ersten Blick zusammen wie Pralinen und Zahnarzt. Trotzdem ist es gut, die Schule oder Uni neben euren Problemen nicht schleifen zu lassen. Geht es langsam an: Heute zwanzig Minuten Lernen, morgen vielleicht eine halbe Stunde, so könnt ihr besonders stolz auf Eure nächste Klausurnote sein - Ihr habt sie Euch standhaft erarbeitet, trotz erschwerender Umstände!

4. Tiefseetauchen oder Paragliding? Jeder hat Ideen, die er gerne in die Tat umsetzen möchte. Sei es Extremsport oder etwas weniger Nervenaufreibendes, wie zum Beispiel Fotografieren lernen. Erfüllt Euch diese Wünsche, fördert Eure Talente - beginnt etwas Neues.

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Studium

Ihr denkt: Hilfe! Neue Stadt, neue Leute, neues Leben. Ihr denkt in einigen Monaten: Den kenne ich doch. Das weiß ich schon!

Gestern packte Mama noch Capri Sonne in den Barbie-Ranzen und heute ist man selbst dafür zuständig, dass man beim Einschreiben an der Uni zur richtigen Zeit in der richtigen Schlange steht und die richtigen Unterlagen dabei hat.. Nach dem Abi lernt man ganz neue Alltagsprobleme kennen: Die neuen Nachbarn betreiben in ihrer Wohnung eine Dauer-Disco, die Möbel sind nach drei Wochen immer noch nicht da und beim ersten Referat rattert man den Text schneller runter als jeder amerikanische HipHoper - soweit die Albträume. Kurzum: Auf einmal wird einem die Verantwortung zuviel, nach der man sich jahrelang gesehnt hat. Aber auch, wenn es sich erst mal nicht so anfühlt - mit aufmerksamer und guter Planung lässt sich der Anfang des Studiums gut meistern. Dann fällt auch das Abkapseln von den Eltern weniger schwer, und die neugewonnene Freiheit bringt Spaß.

Erste Hilfe:

1. Jemand muss es wissen "Welche Kurse wähle ich? Bis wann muss ich mich wo anmelden?" Für detaillierte Antworten ist die Studienberatung zuständig. An jeder Hoch- und Fachhochschule gibt es eine allgemeine und eine fächerspezifische Beratung. Weitere Informationen sind auf der Website der jeweiligen Uni zu finden.

2. Neue Freunde Einsam in den ersten Semestertagen? Vergesst nicht, dass es einem Großteil aller Studienanfänger so geht. Nette Leute kann man während der Einführungstage (beispielsweise auf Ersti-Fahrten oder Semesteranfangspartys) kennen lernen. Außerdem werden in vielen Seminaren Arbeitsgruppen gebildet, auf diese Weise knüpft Ihr weitere Kontakte. Außerdem könnt Ihr im Internet Erfahrungen mit anderen tauschen und Eure Erlebnisse teilen: zum Beispiel in unserem Campus-Forum.

3. Alte Freunde Ihr vermisst alte Klassenkameraden, womöglich Eure besten Freundinnen? Ihnen geht es wie Euch, sie stehen vor denselben Problemen. Und egal, ob es eine Dauer-Telefonleitung zwischen München und Berlin oder ein icq-Chat von Köln nach Stuttgart wird - ihr könnt die neuen Herausforderungen gemeinsam meistern. Eine Übersicht über die verschiedenen Telefontarife gibt es auf www.studententarife-online.de. Online kann man gratis miteinander telefonieren, etwa unter www.skype.de.

4. Eigene vier Wände Auf der Suche nach passender Bleibe? Hier wird geholfen: www.unicum.de. Alle, die über den Abschluss einer Haftpflichtversicherung sinnieren, während sich ihre neue Wohnung mit Waschmaschinenschaum füllt, finden auf folgender Website Hilfe: www.dewion.de.

Noch mehr zum Thema auf BYM.de:

>> Das kleine Uni-Lexikon
>> Krankenversicherung für Studenten
>> BAfög
>> Ist doch gleich erledigt!
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Auslandsjahr

"Parles-tu francais?" "Oui!" "Ok..."

...und viel mehr versteht man dann auch nicht, weil die Gesprächspartnerin einen mit Vokabeln und Redewendungen überrascht, die im Leistungskurs Französisch nie erwähnt wurden. Erstaunt stellt die deutsche Abenteurerin fest, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob man eine Fremdsprache ein paar Stunden pro Woche in der Schule pauken oder sie Tag und Nacht sprechen muss. Während der ersten Tage im fremden Land ringt man ständig um Wörter - und das macht einen unsicher. Das Auslandsjahr ist eine noch größere Herausforderung als der Beginn des Studiums. "Zur Veränderung des Alltags kommt der kulturelle Unterschied hinzu, der sich in der fremden Sprache, den Traditionen und Gewohnheiten zeigt", weiß Psychologe Jan Deinet. "Viele vertraute Strukturen des Alltags werden hierbei auf den Kopf gestellt." Gut so! Schließlich ist es eine prima Abwechslung, wenn der Flirt mal nicht "Du bist süß" sondern "Tu es jolie" flüstert. Und Kürbisse an Halloween auszuschneiden wird die heimischen Gewohnheiten weder in Frage noch in Schatten stellen...

Erste Hilfe:

1. Entscheidungen fällen Jeder kennt Momente, in denen das Fernweh siegt - sei es bei einem Spontanurlaub, einem Auslandssemester oder einem Auslandsjahr. Dennoch sollte man nichts überstürzen und besonders bei langfristigen Auslandsaufenthalten Aspekte wie ausreichende Finanzierung und Sprachkenntnisse bedenken.

2. Ein High-School Jahr Ein Schuljahr im Ausland findet üblicherweise während der elften Klasse statt. Es gibt eine Vielzahl von Organisatoren, daher findet Ihr auf der folgenden Website eine Übersicht sowie wichtige Informationen für Euch und Eure Eltern: www.highschool-ratgeber.de/. Auf diesen Seiten findet Ihr konkrete High-School-Programme: www.highschool-usa.org, www.ayusa.de, www.lsi.de.

3. Reisen/ Au Pair Alle Cosmopolitans finden hier wichtige und interessante Tipps. Für zukünftige Au Pairs gibt es im Au-Pair-Forum alles Wissenswerte.

4. Im Ausland studieren Einen ersten Überblick über ausländische Universitäten und Studienmöglichkeiten gibt es hier oder auf www.go-out.de und www.college-contact.com. Dort könnt Ihr auch weitere Informationen anfordern. Und nicht vergessen: Informiert Euch rechtzeitig, ob die Seminare an Eurer Uni anerkannt werden, die Ihr im Ausland besuchen wollt.

Text Anna Gielas
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