Matthias Brandt - eine ausgezeichnete "Starke Stimme"

Großer Erfolg für die "Starken Stimmen": Matthias Brandt hat den Deutschen Hörbuchpreis bekommen - für Åke Edwardsons "Der Himmel auf Erden" aus der BRIGITTE Hörbuch-Edition. Gespräch mit einem Sprechkünstler. Hörbuch-Edition: "Starke Stimmen - Die Krimis"

BRIGITTE.de: Wie muss man sich die Vorbereitung auf so ein Hörbuch vorstellen? Gehen Sie laut lesend durch Ihr Wohnzimmer?

Matthias Brandt: Nein. Natürlich muss man die Geschichte gründlich vorbereiten, muss sie strukturieren, damit das Ergebnis halbwegs spannend wird, aber wie ich die Geschichte lesen will, habe ich im Kopf - und wenn ich Glück habe, gelingt es mir, das im Studio auch umzusetzen.

BRIGITTE.de: Wie bringen Sie sich dort in Vorlesestimmung, so ganz ohne Gegenpart?

Matthias Brandt: Für mich ist die Studioatmosphäre förderlich. Das Studio ist ein sehr konzentrierter Raum und ich habe tatsächlich auch die Dunkelheit dort ganz gerne. Sie hilft mir. Mir fällt das Lesen im Studio leichter als das Lesen vor Publikum, wo mehr Ablenkung ist. Da muss man den Raum erst mal in Griff kriegen.

BRIGITTE.de: In der Begründung der Hörbuchpreis-Jury wird Ihre besondere Sprechkunst gelobt. Die zeigt sich gleich zu Beginn von "Der Himmel auf Erden". Sie geben Mats Jerna eine ganz eigene Stimme, eine langsame, leise, zögerliche, sodass der Zuhörer gleich merkt: Mit diesem Mann stimmt etwas nicht. Haben Sie sich diese Stimme vorher genau überlegt?

Matthias Brandt: Das läuft bei mir eher intuitiv ab. Zurechtgelegt habe ich mir diese Stimme nicht, sondern habe versucht, eine adäquate und plastische Art zu finden, um diese Figur lebendig werden zu lassen.

BRIGITTE.de: Was ist die größte Herausforderung beim Einlesen eines Hörbuchs?

Matthias Brandt: Wenn es einem wirklich gut gelingt, dann trifft man die Stimmung, die dem Autor vorgeschwebt hat und kommt über das allgemeine oder beliebige Vorlesen eines Textes hinaus. Das klappt nicht immer, aber wenn, dann macht es richtig Spaß.

BRIGITTE.de: Viele Menschen finden die eigene Stimme fremd, wenn sie sich selbst auf Band hören. Was haben Sie für ein Verhältnis zu Ihrer Stimme?

Matthias Brandt: Die eigene Stimme klingt komplett anders, wenn man sie aus einem Lautsprecher hört, was an der ungewohnten Perspektive liegt. Ich höre mich zwar den ganzen Tag, auch wenn ich nicht ununterbrochen rede, aber eben aus einer anderen akustischen Perspektive. Sobald sich diese ändert, ist man irritiert. Die gesteigerte Form davon ist das Sich-selbst-sehen, was ja auch erst mal ein unnatürlicher Vorgang ist, aber als Schauspieler muss man dazu eine professionelle Haltung einnehmen.

Vier Studenten werden überfallen, schwer am Kopf verletzt, aber nicht getötet. Fast zeitgleich behauptet ein Kind, von einem "Onkel" entführt worden zu sein. Angst macht sich breit im pittoresken Göteborg, Eltern und Studenten leben in permanenter Unruhe. Bis Kommissar Winter erkennt, dass zwischen beiden Taten ein seltsamer Zusammenhang besteht.

BRIGITTE.de: Heißt das, Sie können sich Ihre eigenen Filme gut angucken und Ihre Hörbücher gut anhören?

Matthias Brandt: So simpel ist es nicht. Das ist schon immer ein Schritt. Ich bin zum Beispiel gern allein, wenn ich meine Arbeiten zum ersten Mal sehe oder höre, weil ich mich nicht noch zusätzlich irritieren lassen möchte von den Reaktionen meiner Mitmenschen.

BRIGITTE.de: Für die Hörbuch-Edition wollten Sie auch deshalb gern "Der Himmel auf Erden" lesen, weil Sie sich Kommissar Winter nahe fühlen. Wo sehen Sie Parallelen?

Matthias Brandt: Erst mal ist mir das Nordische sehr nah. Ich kann mich in diese Atmosphäre gut einfühlen, weil ich selbst eine skandinavische Mutter habe. Und Winter fand ich immer schon eine interessante Figur. Ich habe die Krimis mit ihm gerne gelesen, schon bevor überhaupt im Raum stand, dass ich dieses Hörbuch einlese. Es ist nicht leicht gewesen, seinerzeit neben Mankells Wallander überhaupt noch eine interessante Figur zu etablieren, eine, die sich von Wallander abhebt. Das ist Åke Edwardsons gelungen. Sein Kommissar Winter ist eine Figur, die ein bisschen mehr distinguished ist und trotzdem nicht kühl. Und Winter ist Jazz-Liebhaber wie ich. Diese Musikaffinität hat mir die Figur noch näher gebracht.

BRIGITTE.de: Was hat Sie darüber hinaus speziell an diesem Winter-Fall gereizt?

Matthias Brandt: Ich finde die Geschichte sehr spannend. Es gibt hier bestimmte Szenarien, die einem, gerade wenn man selbst Vater ist, das Blut in den Adern gefrieren lassen. Was dort passiert - Kinder, die von einem "Onkel" entführt werden - ist ja der Albtraum schlechthin. Vielleicht hat mich "Der Himmel auf Erden" auch aus diesem Grund besonders angesprochen und berührt.

BRIGITTE.de: Geben Sie als Vater einer Tochter auch privat den Vorleser?

Matthias Brandt: Ich habe meiner Tochter immer gern vorgelesen. Offensichtlich auch mit etwas Erfolg, weil sie mittlerweile selbst eine große Leserin ist.

BRIGITTE.de: Und mögen Sie es, wenn man Ihnen etwas vorliest?

Matthias Brandt: Ich habe immer wahnsinnig gern gelesen und musste mich, ehrlich gesagt, erst mal an das Genre Hörbuch gewöhnen. Inzwischen habe ich es aber schätzen und lieben gelernt, höre Hörbücher, wenn ich mit dem Auto oder mit dem Zug zur Arbeit fahre. Ich betrachte sie allerdings nicht als Buch-Ersatz, dafür lese ich immer noch zu gern.

BRIGITTE.de: Gibt es ein bestimmtes Hörbuch, das Ihre Liebe zu dem Genre beflügelt hat?

Matthias Brandt: Ein Kinderbuch meiner Tochter, die Pu-der-Bär-Lesung von Harry Rowohlt, nach wie vor eines der tollsten Hörbücher, finde ich. Die Geschichte habe ich schon als Kind geliebt. In diesem Zusammenhang möchte ich gern das Hörbuch "Herr Urxl" von Harry Rowohlt empfehlen, das jetzt gerade neu herausgekommen ist, "Geschichten aus Bad Dreckskaff". Die sind wirklich gut.

Hörprobe: Matthias Brandt liest "Der Himmel auf Erden"

Der Deutsche Hörbuchpreis ist am 10. März zum Auftakt der "Lit.cologne" vergeben worden.

Interview: Katharina Wantoch Foto: Cinetext

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