Monica Bleibtreu - ein Nachruf

Monica Bleibtreu ist tot. In der Nacht zu Donnerstag starb die große Schauspielerin nach langem Krebsleiden im Alter von 65 Jahren in Hamburg. Ein Nachruf der BRIGITTE-Kulturredakteurin Andrea Hacke.

Die Nachricht vom Tod eines Prominenten verwirrt die Öffentlichkeit in der Regel nicht lange: Ein kurzer Moment, dann geht der Alltag weiter. Bei ganz wenigen Menschen verläuft das anders: Ulrich Mühe war so ein Fall, Monica Bleibtreu ist es heute auch.

Hier handelt es sich um Schauspieler, die die Zuschauer nicht nur für ihre enorme Darbietung in Filmen und auf der Bühne schätzten, sondern die zu Lebzeiten auch als Menschen beeindruckten. Mit denen man verbunden war, weit über eine Filmlänge hinaus. Die Öffentlichkeit war dankbar für die Liebe und die Leidenschaft, mit denen diese Beiden ihren Beruf ausübten und was sie dadurch in einem selbst auslösten. Die Nachricht, dass Monica Bleibtreu tot ist, schockt den Zuhörer. Wer die Neuigkeit weitergibt, erhält überall dieselbe Reaktion: Entsetzen. Unglaube. Betroffenheit.

Wie ihre bisherige Agentur herausgab, ist Frau Bleibtreu nach einem jahrelangen Krebsleiden gestorben, von dem die Öffentlichkeit quasi nichts mitbekommen hat. Viel präsenter ist das Gefühl: Sie hat doch bis gestern noch gedreht.

Seit ihrer Kindheit stand Monica Bleibtreu, Kind einer Schauspielerfamilie, auf der Bühne, sie studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und verschrieb sich zunächst vollkommen dem Theater. Sie arbeitete am Berliner Schillertheater, der Freien Volksbühne Berlin, den Münchner Kammerspielen oder dem Burgtheater in Wien. 1966 stand sie erstmals vor der Kamera, ab 1971 tauchte sie regelmäßig im Fernsehen auf (u.a. im "Tatort") und wurde zu eine der gefragtesten Darstellerinnen für Film- und Fernsehproduktionen.

Zuletzt im Kino zu sehen war sie in dem Film "Hilde". Dort spielte sie die frühere Schauspiellehrerin und enge Vertraute von Hildegard Knef. Für großes Aufsehen sorgte sie zuvor mit ihrer Rolle als strenge Klavierlehrerin in dem Drama "Vier Minuten", wofür sie 2007 mit dem Deutschen und Bayerischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Überhaupt erhielt sie die meisten ihrer Auszeichnungen erst in den letzten Jahren wie 2005 den Adolf-Grimme-Preis, den Deutschen und Bayerischen Fernsehpreis für den Film "Marias letzte Reise" oder 2007 den Deutschen Hörbuchpreis als "Beste Interpretin" für "Tannöd" von Andrea Maria Schenkel. "Tannöd" ist auch die letzte Kinoproduktion, an der Monica Bleibtreu beteiligt war - der Film soll im November 2009 in die Kinos kommen. Die letzte Auszeichnung für Monica Bleibtreu ist nicht einmal einen Monat her: Ende April wurde sie als beliebteste Schauspielerin mit dem österreichischen Fernsehpreis "Romy" geehrt.

Genau an ihrem 65. Geburtstag, den Monica Bleibtreu gerade erst am 4. Mai feierte, lief im Fernsehen eine ihrer letzten Fernsehproduktionen: "Ein starker Abgang".

Monica Bleibtreu lässt ihren Sohn zurück, den Schauspieler Moritz Bleibtreu, der sein Leben lang die enge Beziehung zu seiner Mutter öffentlich zeigte. Zu Filmpremieren und großen Veranstaltungen nahm er über Jahre immer sie als seine Begleiterin mit. Was ihm bleibt, sind nun, außer den Erinnerungen, ihre großartigen Filme und das Talent, das er von ihr geerbt hat. Wie bei Mühe wird auch bei Bleibtreu nicht die Krankheit und ihr Ende in den Köpfen der Menschen zurückbleiben, sondern ihr Schaffen, ihre Tatkraft und Überzeugung. In allem, ob auf der Bühne, im Film, im Hörbuch, bestach Monica Bleibtreu durch ihre ungeheure Präsenz. Was sie spielte, lebte - selbst wenn man nur ihre Stimme hörte.

Text: Andrea Hacke
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