Ja, ich bin Fan von Xavier Naidoo

Xavier Naidoo spaltet Deutschland. Wer zur coolen Hälfte der Nation gehören will, sollte sich niemals als Fan outen. Unsere Redakteurin wagt es trotzdem. Lassen Sie sie nicht allein!

Es gibt Dinge, die man in der Öffentlichkeit tunlichst vermeiden sollte: sich die Fußnägel schneiden etwa, Shades of Grey lesen, Hello-Kitty-Produkte kaufen. Oder zugeben, dass man auf Xavier Naidoo steht - zumindest, wenn man einen Ruf als einigermaßen geschmackssichere Frau um die 30 zu verlieren hat.

Ich tue es trotzdem: Ich mag Xavier Naidoo. Ganz genau, der Typ mit den unsäglichen Sonnenbrillen, der jetzt wieder als Juror in "The Voice of Germany" zu sehen ist. Der Mann, der Mannheim für das neue Jerusalem hält und sich bisweilen für Gott. Mit dieser Meinung stehe ich ziemlich allein da. Nach meinem Outing in der Redaktionskonferenz reagierten die Kollegen ungläubig bis peinlich berührt. Ich glaube, meine Freundinnen werden sich für mich schämen, wenn sie das hier lesen.

Gäbe es eine allgemein anerkannte Hipster-Skala für Musik, Xavier Nadioo rangierte auf einer Stufe mit Unheilig und nur knapp vor Helene Fischer oder den Kastelruther Spatzen. Aber warum eigentlich? Er ist der lebende Beweis, dass "The Voice of Germany" gar nicht mehr gesucht werden muss. Hört doch mal genau hin - wir haben sie längst gefunden! Es rührt mich, wenn er mit dieser wunderbaren Stimme Sachen singt wie "Ich kenne nichts, das so schön ist wie du" oder "Sag es laut, wenn du mich liebst". Ja, das ist sehr kitschig. Aber auch richtig schön.

Wer ihn in der Casting-Show beobachtet, wird feststellen: Hinter der arroganten Fassade scheint ein sehr netter Kerl zu stecken, der sich wirklich für den musikalischen Nachwuchs einsetzt. Übrigens nicht nur im Fernsehen, sondern auch als Gründer der Popakademie Baden-Württemberg und mit seinen beiden Labels.

hat schon so viele Platten verkauft, die Tickets für seine Konzerte mit den Söhnen Mannheims sind so rasend schnell ausverkauft - das können doch nicht nur geschmackverirrte Jesus-Freaks sein. Bitte, liebe Mit-Fans da draußen: Ich brauche eure moralische Unterstützung. Liked diesen Artikel und lasst mich hier nicht allein!

Nachtrag vom 16. November 2012: Xavier Naidoo und Kool Savas stehen aktuell wegen des Songs "Wo sind sie jetzt?" in der Kritik, in dem pädophile Morde an Kindern in vulgärer Sprache thematisiert werden. Eine Organisation der Linkspartei hat daraufhin deine Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet, die Mannheimer Staatsanwaltschaft lehnte die Eröffnung eines Verfahrens allerdings ab. Ich kenne dieses auch unten in den Kommentaren zitierte Lied nicht (es ist ein Hidden Track auf der CD "Gespaltene Persönlichkeit") und kann daher nichts dazu sagen - außer, dass ich den Text fürchterlich finde. Xavier Naidoo und Kools Savas bekundeten in einer Stellungnahme "Sympathie und unseren großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit". Weiter heißt es: "Ich möchte klarstellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen."

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