Sir Peter Ustinov: Was für ein Mann!

Großer Geist, großes Herz, großer Humor - und trotzdem ist er immer auf dem Teppich geblieben. Sir Peter Ustinov war ein ganz besonderer Mensch. Wir werden ihn vermissen.

"Die meisten Menschen haben Angst vor dem Tod, weil sie nicht genug aus ihrem Leben gemacht haben", sagte Peter Ustinov einmal. Demnach hatte er wohl keine Angst zu sterben. Auch, wenn er eigentlich vorhatte, die Welt noch etwas länger zu bereichern. Mindestens bis 2008, weil sein Pass so lange gültig war: "Für mich eine Frage der Ehre, nicht vorher abzulaufen", scherzte er kürzlich. Er starb mindestens vier Jahre zu früh, am 29. März 2004 im Alter von 82 Jahren. Weltweit berühmt wurde der zweifache Oscar-Preisträger als Schauspieler - 1951 schaffte er als Kaiser Nero in "Quo Vadis" den Durchbruch, die begehrte Trophäe bekam er für seine Rollen in "Spartacus" und "Topkapi". In den 70ern ermittelte Ustinov als Detektiv Hercule Poirot in mehreren Agatha-Christie-Adaptionen, sein berühmtester Fall: "Tod auf dem Nil". Seine letzte Rolle spielte er als Friedrich der Weise in dem Monumentalfilm "Luther".

Doch neben der Schauspielerei waren Sir Peter Ustinov noch ganz andere Dinge wichtig. Mehr als 30 Jahre lang war er Unicef-Botschafter: "Ich habe viel Liebe bekommen. Ich wusste nicht, wie ich sie zurückgeben sollte ... Aber ich habe durch Unicef einen Weg gefunden", sagte der vierfache Vater. Auch mit seiner "Peter Ustinov Stiftung" versuchte er seit 1999, Kindern auf der ganzen Welt eine lebenswertere Zukunft zu geben, etwa mit Projekten wie der "Friedensschule" in Afghanistan. Als Vorsitzender der "Organisation der Weltföderalisten" setzte er sich für die Weiterentwicklung der UNO zu einem Weltparlament ein. Im Jahr 2000 begann er mit dem Aufbau eines internationalen Netzwerkes zur Erforschung von Vorurteilen: Zu diesem Zweck gibt es heute Ustinov-Institute an den Unis von Budapest, Wien und Durham - letzterer stand er seit 1992 als Kanzler vor. Ustinov war, was so mancher Möchtegern-Kosmopolit gern für sich in Anspruch nimmt: ein Weltbürger.

Sir Peter hatte das Glück, von klein auf über nationale Grenzen blicken zu können. Gezeugt wurde er nach eigenen Angaben in St. Petersburg, geboren wurde er 1921 in London, getauft in Baden-Württemberg. Sein Vater war Russe, seine Mutter hatte neben französischen italienische, äthiopische und russische Vorfahren. "Ich bin ethnisch sehr schmutzig und sehr stolz darauf", hat Ustinov einmal gesagt. Er hatte das Privileg, mit vier verschiedenen Sprachen aufzuwachsen.

Seine Mutter, die Bühnenbildnerin Nadja Benois, hatte ihm die Liebe zu den Künsten in die Wiege gelegt: Ustinov brillierte nicht nur als Schauspieler und Regisseur, er inszenierte auch viel beachtete Opern an den besten Häusern der Welt. Er war Alleinunterhalter, Maler, Bühnenbildner, Conférencier, drehte Dokumentarfilme, moderierte. Er schrieb Theaterstücke und Drehbücher, führte Regie und spielte in mehr als 40 Filmen und Theaterstücken mit. Er schrieb Erzählungen, Romane, Memoiren und beglückte als Komiker die Welt. Es war ihm ein großes Bedürfnis, immer Neues zu lernen und zu versuchen, denn er war überzeugt: "Wer auf der Stelle tritt, kann nur Sauerkraut fabrizieren."

Neben so viel Größe, Engagement, Talent und Kreativität bleibt unsereins nur zu hoffen, dass Peter Ustinov wenigstens im Privaten ein paar Schwächen hatte. Er deutete dies zumindest an, als er sagte: "Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie zu machen, wenn keiner zuschaut." Dieses Kunststück beherrschte Peter Ustinov dann wohl auch noch perfekt.

Susanne Arndt

1001 Bonmots von Peter Ustinov

  • Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: 'Das ist technisch unmöglich!'
  • Ich glaube, ich war ein ganz nettes Kind, aber wenn andere Kinder unartig waren, drohte man ihnen offenbar mit mir als Spielkamerad.
  • Wenn man schon der Gefangene seines eigenen Geistes ist, muss man ihn sich doch wenigstens ordentlich einrichten.
  • Die Kirche sagt, Du sollst Deinen Nachbarn lieben. Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt.
  • Die Kindheit ist jene herrliche Zeit, in der man dem Bruder zum Geburtstag die Masern geschenkt hat.
  • 1933 wollten viele aus Deutschland raus. Heute wollen viele rein. Das muss doch etwas bedeuten.
  • Ich bin runder als eckig ...
  • Mitzuerleben, wie Kinder heranwachsen, ist eine große Freude. Man erkennt an ihnen seine eigenen Fehler und die Tugenden seiner Frau, was eine ausgesprochen stabilisierende Wirkung auf die Ehe haben kann.
  • Eitelkeit ist nur tragisch, wenn man nichts hat, worauf man eitel sein kann.
  • Ehe ist der einzige Krieg, bei dem man mit dem Feind schläft.
  • Am unerträglichsten finde ich, daß es Armut in reichen Ländern und reiche Menschen in armen Ländern gibt. In beiden Fällen sind sie fehl am Platz.
  • Ich arbeite weiter, weil ich mich sogar in meinem Alter nach einem Auftritt ein wenig besser fühle als vorher, außerdem halte ich es für intelligenter und lukrativer als joggen.
  • Das Umgekehrte von "Stressed" ist "Desserts".
  • Liebe ist keine Entschuldigung für schlechte Manieren.
  • Politische Prognosen sind wie Wettervorhersagen:
  • alle halten sich daran, nur das Wetter nicht.
  • Manch einer gelangt deshalb an die Spitze,
  • weil er keine Fähigkeit besitzt,
  • derentwegen man ihn unten festhalten möchte.
  • Die größte Liebe ist immer die,
  • die unerfüllt bleibt.
  • Das einzige, was den Menschen vom Tier unterscheidet,
  • ist das Lachen.
  • Die Menschen,
  • die etwas von heute auf morgen verschieben,
  • sind dieselben,
  • die es bereits von gestern auf heute verschoben haben.
  • Die einzige Heimat, die für mich zählt,
  • ist das zivilisierte Benehmen.
  • Das Klettern auf der Leiter des Sozialprestiges
  • endet oft mit einem schrecklichen Muskelkater.
  • Planung bedeutet,
  • den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen.
  • Das Schicksal ist viel zu ernst, als dass man es dem Zufall überlassen könnte.
  • Wenn man sieht, was der liebe Gott auf der Erde alles zulässt,
  • hat man das Gefühl, dass er immer noch experimentiert.
  • Über unsere Zweifel sind wir uns im allgemeinen einig ... Was uns trennt, sind unsere Überzeugungen.
  • Bescheidenheit ist die ungesündeste Form der Selbstbewertung.
  • Zwei Formen tierischen Lebens, die ich absolut nicht ausstehen kann, sind Lippenableser und Leute, die eine Frage stellen, ohne auf die Antwort zu warten.
  • Das Leben ist zu kurz, doch es wäre absolut schauderhaft, wenn es zu lang wäre.
  • Die Generäle sagen, der Krieg sei vorbei, wenn der letzte
  • Schuss gefallen ist. Aber das ist nicht wahr: Der Krieg geht
  • weiter und weiter und weiter.
  • In meiner Heeresuniform sah ich aus wie der Verlierer beim Sackhüpfen.
  • Männer denken über Frauen nach. Frauen denken darüber nach, was die Männer über sie denken.
  • Es ist von grundlegender Bedeutung, jedes Jahr mehr zu lernen als im Jahr davor.
  • Mut ist keine Vorbedingung für den Verlust des Lebens.
  • Ich glaube fest an Anfängerglück. Darum versuche ich es mit so vielen verschiedenen Dingen.
  • Ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich
  • auch keine Angst vor der Geburt hatte - so weit ich mich erinnere.
  • Wir bewundern Menschen wegen ihrer Stärken, lieben sie aber wegen ihrer Schwächen.
  • Geld korrumpiert - vor allem jene, die es nicht haben.
  • Gott schuf die Welt in sechs Tagen. Erst die Menschen erfanden die Fünftagewoche.
  • Ein Jubiläum ist ein Datum, an dem eine Null für eine Null von mehreren Nullen geehrt wird.
  • Religion ist Gottes Werk, vom Teufel perfektioniert.
  • Der Engländer liebt das Gefühl, dass er über sich selbst lachen kann. Er tut das aber nur, um den anderen die Freude zu nehmen, über ihn zu lachen.
  • Es gibt Leute in Amerika, die haben Wichtigeres zu tun, als Präsident zu sein.
  • Wer in einem Testament nicht bedacht worden ist, findet Trost in dem Gedanken, dass der Verstorbene ihm vermutlich die Erbschaftssteuer ersparen wollte.
  • Jedes Kind, das etwas taugt, wird mehr durch Auflehnung als durch Gehorsam.
  • Aufrichtigkeit ist eine Tugend,
  • die ihren Lohn schon im Namen trägt:
  • Sie richtet auf.
  • Ich bin besonders glücklich, wenn das Glück unvollkommen ist. Vollkommenheit hat keinen Charakter.
  • Das beste am Sonntag ist, dass man sich nie komplett anziehen muss. Meistens komme ich nicht einmal dazu, mir die Socken anzuziehen.
  • Ich hatte nie ein gutes Verhältnis zu Kindern - nicht einmal als Kind.
  • Nato: Sechs Staaten suchen einen Feind ...
  • Nach dem Willen meines Vaters sollte ich Rechtsanwalt werden, doch ich sagte ihm, ich ginge lieber zum Theater, was im Grunde genau das gleiche sei - nur weniger gefährlich für meine Mitmenschen.
  • Die Amerikaner halten die Freiheit für ihre Erfindung. Sie haben schon Friedenscorps-Einheiten nach Athen geschickt, um den Griechen die Bedeutung des Worte Demokratie beizubringen.
  • Ich habe meine Kinder nie ermutigt, kreativ zu sein. Das Vorbild eines Elternteils ist weit beredter als alles, was man ihnen sagen könnte.
  • Das Vorurteil ist einer der größten Schurken in der Besetzungsliste der Geschichte. Es benutzt die blanke Unkenntnis als Waffe.
  • Die Wahrheit ist naturgemäß tendenziös. Die Wahrheit in Ghana unterscheidet sich zweifellos von der Wahrheit in den Vereinigten Staaten. Ich könnte unmöglich vor Gericht schwören, daß ich die Wahrheit sagen werde. Ich könnte nur schwören, meine Wahrheit zu sagen.
  • Wer nicht zweifelt, muss verrückt sein ...
  • Sinn des Lebens: Etwas, das keiner genau weiß. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.
  • Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.
  • "Ich bin von Grund auf sehr faul. Ich bin sehr, sehr faul. In der Schule warf man mir vor, ich sei faul. Auch mein Vater warf mir vor, ich sei faul. Alle warfen mir vor, ein Faulpelz zu sein ... und ein Zauderer, so dass ich mich mächtig ins Zeug legte, um mir selbst – erfolglos – zu beweisen, dass ich nicht faul bin ...".
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