Sommergespräch

Liebe, Macht, Erziehung, Mut: In den nächsten Wochen gibt's in jeder BRIGITTE ein Gespräch mit zwei spannenden Frauen über ein Thema, das beide umtreibt. Teil 1: die Bestseller-Autorinnen Ildikó von Kürthy ("Mondscheintarif") und Svende Merian ("Tod des Märchenprinzen") über Männer. Diskutieren Sie mit - in unserem neuen Forum.

Svende Merian (links), Jahrgang 1955, schrieb 1980 den Erfolgsroman "Der Tod des Märchenprinzen" (7,50 Euro, rororo). Die Geschichte einer enttäuschten Liebe in Tagebuchform wurde zum Kultbuch der alternativen Szene. Sie verkaufte sich fast eine dreiviertel Million Mal und löste eine breite Diskussion darüber aus, wie "unmännlich" Männer sein müssen. Svende Merian lebt als Schriftstellerin in Hamburg, engagiert sich in der Leseförderung an Schulen und arbeitet in einem Antiquariat. Zuletzt erschien ihr Roman "Ach, hätt' ich genommen den König Drosselbart" (16,90 Euro, Nymphenburger).

Ildikó von Kürthy (rechts), Jahrgang 1968, wurde mit ihrem Romandebüt "Mondscheintarif" (8,50 Euro, rororo) 1999 zur Bestsellerautorin und gilt als "Königin des amüsanten Frauenromans". Die Bücher der "Stern"-Journalistin und ehemaligen BRIGITTE-Redakteurin wurden über 2,5 Millionen Mal verkauft. Zuletzt erschien "Blaue Wunder" (17,90 Euro, Wunderlich).

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Wann ist der Mann ein Mann? Was erwarten Sie von den Männern? Und gibt es Märchenprinzen? Diskutieren Sie mit in unserem neuen Forum!

Sommergespräch

BRIGITTE: BRIGITTE: 25 Jahre „Tod des Märchenprinzen“: Ist dieses Jubiläum für Sie, Frau Merian, ein Anlass zum Freuen oder einer zum Vergessen?

Svende Merian: Zum Rückblick auf Verarbeitetes. Natürlich merke ich, dass das Buch etwas bewirkt hat. Da ist also auch Freude und Stolz. Aber ich frage mich: Was ist mir eigentlich passiert? Die Meute ist über mich hergefallen, hat erbarmungslos in allen Schwachstellen herumgefleischt. Manche Journalisten standen bereits mit der zweiten Frage in meinem Schlafzimmer...

Ildikó von Kürthy: Sie haben alle Weichteile vorgezeigt. Es ist nicht wirklich überraschend, dass Sie auch verletzt wurden.

Svende Merian: Sie meinen das hoffentlich nicht als Schuldzuweisung.

Ildikó von Kürthy: Nein. Aber wer Privates öffentlich macht, lädt andere ein, dazu Stellung zu nehmen.

BRIGITTE: Sie sind damals von dem Grundkonsens ausgegangen, dass Privates gesellschaftlich und politisch ist und öffentlich diskutiert werden muss.

Svende Merian: Damit, dass ich damals etwas naiv fehleingeschätzt habe, muss ich jetzt leben, das gehört zu meiner Biografie.

BRIGITTE: Haben Sie den „Tod des Märchenprinzen“ gelesen, als Sie jünger waren, Frau von Kürthy?

Ildikó von Kürthy: Ildikó von Kürthy: Das Buch erschien 1980, da war ich 12. Als ich es später las, konnte ich wenig damit anfangen. Natürlich hat mich das Thema Sex interessiert, und ich fand Sätze lustig wie: „Dass man sich als Frau für jeden Penis, den man anrichtet, verantwortlich fühlt, den auch wieder klein zu kriegen.“ Aber sonst dachte ich immer: „Verflucht, ich will mich auch emanzipieren, aber wovon eigentlich?“ Es gab keinen Mann, der mich unterdrückte.

BRIGITTE: Dass Emanzipation für Sie kein Thema ist, wirft man Ihnen ja gern vor, Frau von Kürthy.

Ildikó von Kürthy: Dieser Vorwurf ist blöde. Dass ich mich nicht mehr emanzipieren musste, habe ich den Frauen zu verdanken, die vor Jahren für unsere Gleichberechtigung gekämpft haben. Ist es nicht eine große Erleichterung, dass Frauen heute sagen können: Wir sind finanziell komplett unabhängig, aber emotional total abhängig? Ich fände es schrecklich, mit einem Mann zusammen zu sein, von dem mein Lebensglück nicht in wesentlichen Teilen abhinge. Dass man das heute zugeben kann, empfinde ich als einen großen Erfolg der Emanzipationsbewegung.

BRIGITTE: Braucht es heute überhaupt noch Frauen, die sich als emanzipiert bezeichnen?

Ildikó von Kürthy: Natürlich! Es ist wichtig, wenn Menschen gegen die Unterdrückung und Misshandlung von Frauen kämpfen. Wie dringend notwendig das leider immer noch ist, zeigt ein Blick auf das mögliche EU-Mitglied Türkei.

Svende Merian: Wenn ich heute mit jungen Frauen zu tun habe, denke ich oft: Die reagieren anders auf diese Welt als ich damals. Sie sind freier in ihren Entscheidungen. Sie können sich früher darum kümmern, wo ihr Zentrum ist. Ich musste noch gegen wahnsinnig viel autoritären Ballast ankämpfen.

BRIGITTE: Sind Sie stolz, diese Kämpfe ausgefochten zu haben?

Svende Merian: Schon. Aber mit dem Schreiben des „Märchenprinzen“ habe ich den Rest von feministischem Dogmatismus abgelegt. Der hatte nichts mehr mit dem Menschen zu tun. Jemand hat mal gesagt, im Grunde sei mein Buch eine einzige Abrechnung mit der Frauenbewegung. Das trifft es.

Ildikó von Kürthy: Als Geschichte einer enttäuschten Liebe war es aber auch eine sehr private Abrechnung.

Svende Merian: Ja, und deswegen habe ich auch später nie wieder so geschrieben.

BRIGITTE: Heute sind Beziehungen für Sie nicht mehr öffentlich?

Svende Merian: Nein.

BRIGITTE: Sind sie noch politisch?

Svende Merian: Das habe ich mal geschrieben... Sie sind insofern politisch, als es zum Beispiel im politischen Raum stattfindet, wie wir unseren Nachwuchs organisieren. Aber ich will da nicht reinwirken, wie andere das aushandeln.

BRIGITTE: Sie haben den „Tod des Märchenprinzen“ damals explizit einen „Frauenroman“ genannt...

Svende Merian: Ich habe mich aber schnell dagegen gewehrt, dass meine Bücher in „Frauenbuchregale“ gestellt wurden. Diese ganzen Schubladen widerstreben mir.

Ildikó von Kürthy: Andererseits findet man Dinge schneller, wenn sie im passenden Regal stehen – für Heimwerker, für Pilzesammler, für Frauen. Mich stört das nicht. Frauen sind per se ja nichts Schlimmes, und sie bilden auch keine versprengte Minderheit. Was dagegen gar nicht mehr geht, sind Kochbücher im Frauenbuchregal.

Svende Merian: Ich lese trotzdem lieber Steinbeck oder Kafka als „Frauenbücher“ über Beziehungsthemen.

BRIGITTE: Und Sie, Frau von Kürthy?

Ildikó von Kürthy: Ich bin eine Querbeet-Leserin, die auch vor Büchern mit Landhäusern drauf nicht zurückschreckt. Was ich nie mache, ist Konkurrenzbeobachtung. Wenn mir jemand vorwirft, ich hätte dieses oder jenes bei der Autorin X geklaut, will ich, ohne rot zu werden, sagen können: „Sorry, aber von der habe noch nie eine Zeile gelesen.“

BRIGITTE: Wie kommen Sie mit der Häme zurecht, mit der Ihre Bücher hin und wieder besprochen werden?

Ildikó von Kürthy: Ich denke dann: Herrje, nun regt euch doch nicht so auf. Ich schreibe Unterhaltungsromane, und wenn sie gut gemacht sind, ist das doch nichts, wofür man sich schämen muss. Im Gegenteil. Eine Leserin erzählte mir mal, dass sie von ihrem Freund jahrelang schlecht behandelt wurde. Als sie „Herzsprung“ von mir gelesen hatte, füllte sie sein Kanu mit Mist, hängte es in einen Baum und verließ den Kerl. Eine todkranke Frau schrieb mir einen Brief, um sich für die Stunden zu bedanken, in denen sie vergessen hatte, dass sie bald sterben wird. Wenn diese beiden Frauen meine einzigen Leserinnen wären, hätte sich das Schreiben für mich schon gelohnt.

Svende Merian: Einmal schrieb mir eine Frau, die von ihrem Märchenprinzen verlassen worden war. Ich antwortete ihr und bekam dann wenig später von ihrer Mitbewohnerin einen Brief, dass diese Frau sich umgebracht habe und noch einen Brief an mich in der Schreibmaschine hatte. Ich habe damals mit meinem Buch eine Problematik aufgebrochen, der diese Frau so verhaftet war, dass sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr gesehen hat. Ich war ihre letzte Ansprechpartnerin. Damit bin ich ganz schwer klargekommen, dass ich ihr nicht helfen konnte.

BRIGITTE: Wie reagieren Männer auf Ihre Bücher?

Svende Merian: Bei mir haben sich Männer bedankt, nach dem Motto: Das sagt einem ja sonst keine. Ich habe dann manchmal gedacht: Na, Junge, vielleicht hättest du deiner eigenen Freundin einfach mal mehr zuhören sollen, dann hättest du mein Buch nicht lesen müssen. Aber wenn eine Kommunikation unter Intimpartnern nicht klappt, und ich gebe einen Impuls, warum nicht?

Ildikó von Kürthy: Das geht mir ähnlich. Männer empfinden meine Romane wie Aufklärungsbücher: Was macht sie hinter der Badezimmertür? Warum telefoniert sie eine Stunde lang mit der Freundin, die sie am Abend doch sowieso zum Essen treffen wird? Ich bekomme öfter Briefe von Männern, die dankbar schreiben: "Es scheint verbreitet zu sein, dass Frauen so seltsam sind. Bislang dachte ich, nur meine sei so. Dann kann ich ja auch bei ihr bleiben."

BRIGITTE: Da spricht ja eine ziemliche Verunsicherung aus den Männern...

Ildikó von Kürthy: Ich möchte heute definitiv kein Mann sein müssen.

BRIGITTE: Tun Ihnen Männer Leid?

Ildikó von Kürthy: Sehr. Besonders die jungen, denn für die wird es immer schwieriger, sich als Mann zu definieren. Wer als Ernährer, Beschützer oder Unterdrücker nichts mehr zu tun hat, muss neue Bereiche finden, um sich wichtig zu fühlen. Es gibt derzeit kaum plausible Gründe, sich als Mann sonderlich gebraucht zu fühlen.

Svende Merian: Das sehe ich nicht so generalisierend. Frauen sind so unterschiedlich in dem, was sie wollen. Manche wollen den Mann zum Geldverdienen, damit sie das vom Hals haben.

Ildikó von Kürthy: Verständlich, das ist als Lebensalternative ja auch sehr verlockend. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob ich frei entscheide, mich versorgen zu lassen, oder von meinem Mann dazu gezwungen werde. Meine Freundinnen finden es selbstverständlich, ihr Geld selber zu verdienen. Aber ich will nicht ausschließen, dass die eine oder andere manchmal, so wie ich, davon träumt, Blumensträuße in der Küche im Landhausstil zu arrangieren, während die Tochter am Klavier und der Gatte im Vorstand sitzt.

BRIGITTE: Und Sie erwarten von Männern, dass die sich auch um Kindererziehung kümmern.

Svende Merian: Stimmt, das ist ein Bereich, den Männer dazubekommen haben, in dem man noch etwas Neues zu tun hat als Mann. Das scheint aber viele Männer zu überfordern...

Ildikó von Kürthy: Sollen sie doch froh sein, dass sie etwas Sinnvolleres zu tun bekommen als den Premiere-Decoder in Gang zu setzen.

BRIGITTE: Psychologen haben festgestellt, dass Männer immer häufiger Depressionen bekommen, wenn ihre Frauen Vollzeit arbeiten, weil sie dem psychischen Stress nicht gewachsen sind.

Ildikó von Kürthy: Diffuse Ängste, Depressionen, Magersucht: Die hilflosen Männer reagieren auf die veränderte Situation mit Krankheiten, die früher hauptsächlich für Frauen reserviert waren.

BRIGITTE: Inwiefern verändern diese Reaktionen die Beziehung zwischen Männern und Frauen?

Ildikó von Kürthy: Es gibt heute für Männer und Frauen nur noch einen einzigen Grund, zusammen zu sein: Liebe. Sich zu trennen wird immer leichter, weil einen immer weniger aneinander bindet - ein gemeinsames Haus zum Beispiel, gemeinsame Schulden, ein gemeinsames Geschäft, gemeinsame Kinder. Es klingt unromantisch, aber je mehr man solche Gemeinsamkeiten hat, desto eher rauft man sich zusammen, sucht nach Lösungen - und bleibt zusammen.

BRIGITTE: Gibt es das Ideal große Liebe für Sie?

Svende Merian: Diese Illusion habe ich damals in einem quälenden Verarbeitungsprozess abgelegt. "Der Tod des Märchenprinzen" - diesen Titel habe ich ja bewusst gewählt.

Ildikó von Kürthy: Und diese Illusion kam nie wieder?

Svende Merian: Nein, die ist wirklich gestorben für mich. Das gibt's im Märchen, im Film.

Ildikó von Kürthy: Ich glaube noch an den Märchenprinzen. Und notfalls würde ich diesen Glauben auch noch lange künstlich ernähren. Mir geht es mit Romantik und Illusionen besser als ohne.

BRIGITTE: Wie stehen Sie heute zu Ihrem Arne aus dem „Märchenprinzen“, Frau Merian? Würden Sie ihn gnädiger behandeln?

Ildikó von Kürthy: Den haben Sie ganz schön gepiesackt. Kann es sein, dass seine einzige Schuld war, sich nicht in Sie verliebt zu haben?

Svende Merian: Der „Märchenprinz“ ist das Buch einer ganz jungen Erwachsenen. Heute teile ich die Welt nicht mehr so schematisch ein.

BRIGITTE: Ist „Mondscheintarif“ der heutige „Tod des Märchenprinzen“?

Ildikó von Kürthy: Nein. Auch wenn es ähnliche Themen gibt wie auf einen Anruf zu warten und dabei zu wissen, dass man dafür von allen Freundinnen und Frauenbewegten verurteilt wird. Da finde ich Klischees wieder, die damals genauso stimmten wie heute

Svende Merian: Meine Lieblingsstelle aus dem „Mondscheintarif“: Wenn man einen Mann kennen lernt, muss man eigentlich nur zwei Sätze sagen: „Ach, das ist ja interessant“...

Ildikó von Kürthy: ...und: „Erzählen Sie bitte mehr davon!“

Svende Merian: Dann finden Männer einen attraktiv (lacht). Ausgesprochen zutreffend. Der Mann möchte glänzen.

BRIGITTE: In den letzten Jahren ist eine Debatte darum entbrannt, ob Männer und Frauen grundsätzlich verschieden sind, weil sich ihre Gehirne evolutionsbiologisch unterschiedlich entwickelt haben.

Svende Merian: Mich interessiert daran, dass man um bestimmte Erkenntnisse offenbar nicht umhinkommt. Zum Beispiel läuft die Sprachentwicklung von Jungs ja verzögerter als bei Mädchen, beim Lesen tun sich Jungs sehr viel schwerer.

Ildikó von Kürthy: Vielleicht ist beim Mann die Sprachentwicklung bis heute nicht abgeschlossen. Das würde manches Problem erklären.

Svende Merian: Da muss man der neueren Hirnforschung einiges zugestehen. Die hat ja erstaunliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen herausgearbeitet.

BRIGITTE: Glauben Sie, dass es unüberbrückbare Unterschiede gibt?

Ildikó von Kürthy: „Unüberbrückbar“ klingt so nach Katastrophe. Ich bin dankbar für diese Unterschiede! Das macht die ganze Chose doch erst irgendwie interessant.

BRIGITTE: Was ist mit Männern, die ihre weiblichen Seiten sehr stark ausleben, den so genannten Metrosexuellen?

Ildikó von Kürthy: Grauenvoll! Männer, die mit Plätteisen und Wimpernzange umgehen können, sind auch keine Lösung. Letztens wurde ich Zeuge, wie ein Freund von mir von seinem besten Freund den Satz hörte: „Lass uns heute Abend ausgehen, vorher können wir uns ja zusammen bei dir zurechtmachen.“ Nein, ich mag das nicht.

BRIGITTE: Vielleicht ist der Metrosexuelle auch eher eine Erfindung der Kosmetikindustrie.

Ildikó von Kürthy: Ich fürchte, die Cremes meines Mannes sind schon jetzt genauso teuer wie meine. Dafür hätte man nicht erst mühsam einen Trend zur Verweiblichung erfinden müssen.

BRIGITTE: Sie, Frau Merian, haben sich ja damals explizit einen „unmännlichen Mann“ gewünscht...

Svende Merian: Damals war das Provokation. Was ich heute unmännlich finde? Wenn ein Mann lange Haare hat, muss das schon wirklich passen, dieses unmotivierte Mit-langen-Haaren-Rumlaufen von früher nervt mich heute. Das muss ich nicht haben.

Ildikó von Kürthy: Kochen gilt nicht mehr als unmännlich, „Mondscheintarif“ zu lesen dagegen schon. Als mein bester Freund mit dem Buch in der U-Bahn saß, erntete er Blicke, die ihm peinlich waren. Erst als er demonstrativ seine Boxhandschuhe aus der Sporttasche hervorschauen ließ, konnte er den verheerenden Eindruck annähernd neutralisieren. Was finden Sie denn männlich?

Svende Merian: Eine schöne Männerstimme. Das muss nicht unbedingt eine tiefe sein. Aber Flexibilität muss sie ausdrücken.

BRIGITTE: Gibt es für Sie eine männliche Idealfigur?

Svende Merian: : Mir gefällt dieses überzogene Machobild im Western. Ich liebe Western: Natur, Weite, Pferde, Himmel...

BRIGITTE: ... Cowboys.

Ildikó von Kürthy: Das sind Männer, die sich vorwiegend gegenseitig umbringen.

Svende Merian: In keinem anderen Filmgenre werden diese Männlichkeitsriten so durch den Kakao gezogen. Und Clint Eastwood setzt seinen Macho ja selbst satirisch in Szene.

BRIGITTE: Ist Clint Eastwood für Sie ein attraktiver Mann?

Ildikó von Kürthy: Eher nicht. Der ist ungünstig alt geworden.

Svende Merian: Stimmt, gut sieht er nicht mehr aus. Aber „Erbarmungslos“ hat er genial konzipiert: Eine Prostituierte macht sich darüber lustig, dass ihr Freier so einen winzigen Penis hat, daraufhin zerschneidet er ihr das Gesicht. Da sind aber ihre Kolleginnen, die sich an diesem Mann rächen wollen...

Ildikó von Kürthy: Kastration lohnt ja in dem Fall nicht.

Svende Merian: Sie heuern einen Killer an. Auftritt: Clint Eastwood als alternder Revolverheld. Der kommt nicht mehr aufs Pferd und fällt ständig in den Dreck. Da werden diese ganzen Machoklischees aufgebrochen. Klasse. Wenn ich mich heute noch mal für einen Beruf entscheiden könnte, würde ich Regisseurin werden. Und selbst Western drehen. Frauen-Western. Meine Frauen würden vielleicht auf einer Frauenranch leben. Etwas gestalten müssten sie. Ein bisschen Networking wäre nicht schlecht.

Ildikó von Kürthy: Dürfen wir denn auch mal einen Mann umbringen?

Svende Merian: Hm. Im Western geht’s ja knallhart ums Überleben. Und die Männer sind ja auch nicht nur gut. Doch, wahrscheinlich müssten wir auch mal jemanden umbringen.

Interview: Till Raether und Sina Teigelkötter Foto: Frank Siemers BRIGITTE 14/05
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