Michelle Williams: "Durch Marilyn bin ich erwachsen geworden"

Sexy oder verletzlich, geliebt oder einsam - wie fühlt man sich eigentlich als Marilyn Monroe? Ein Gespräch mit Michelle Williams, die MM im Film "My Week with Marilyn" (ab November auf DVD) verkörpert.

BRIGITTE: So viel ist schon über Marilyn Monroe gesagt und geschrieben worden. Wie haben Sie ihr noch neue Facetten abgewinnen können?

Michelle Williams: Erst denkst du, Marilyn Monroe zu verkörpern bedeutet, besonders glamourös und sexy zu sein, besonders bewundert zu werden. Aber als ich begann, über sie zu lesen, wurde mir klar, wie viel komplizierter sie war, wie viel lustiger, intelligenter, wie viel ernsthafter als erwartet. Marilyn war sich genau bewusst, wie Leute sie wahrnehmen, positiv und negativ. Und sie war eine Vorkämpferin für die Underdogs, für die Kleinen und Schwachen. Prominentes Beispiel: Ella Fitzgerald. Dank Marilyn durfte sie in einem Club auftreten, in dem sie als farbige Sängerin eigentlich nicht erwünscht war – und Marilyn kam jeden Abend zum Konzert.

BRIGITTE: Hat sich auch Marilyns verletzliche Seite auf Ihr Verhalten ausgewirkt?

Michelle Williams: Ich habe mich abhängiger von anderen gefühlt, ein bisschen bedürftiger, zerbrechlicher und unsicherer. Dankenswerterweise habe ich dann auch spüren dürfen, dass Menschen mir besonders freundschaftlich begegnet sind und mich unterstützt haben.

BRIGITTE: Wie haben Sie sich rein äußerlich in Marilyn verwandelt? Sie haben ja nicht so ganz ihre Figur...

Michelle Williams: Ich habe die obere Hälfte, aber nicht die untere. Also habe ich versucht zuzunehmen. Neulich habe ich eine Jeans angezogen, die ich zu den Dreharbeiten trug. Sie ist runtergerutscht, damals saß sie eng. Ich war also dicker als sonst, aber für einen Marilyn-Körper hat es trotzdem nicht gereicht, da hätte ich mehr Zeit gebraucht. So mussten wir anderweitig nachhelfen.

Marilyn (Michelle Williams) mit ihrem Vertrauten Colin (Eddie Redmayne)

BRIGITTE: Die Pfunde sind Sie wieder los. Was haben Sie von Marilyn behalten?

Michelle Williams: Die Sensibilität und Aufrichtigkeit. Sie konnte einen Charakter nicht spielen, wenn sie nicht total von ihm überzeugt war. Das gefällt mir. Ich mag, wenn man für etwas einsteht. Und ich mag Marilyns Anmut und ihre Weiblichkeit. Anders als sie kann ich im Alltag ganz schön tough sein, derb, fast maskulin. Da möchte ich mir etwas von ihr bewahren.

BRIGITTE: Im Film, der die Dreharbeiten zu "Der Prinz und die Tänzerin" thematisiert, erleben wir Marilyn als sehr unsicher am Set. Kennen Sie dieses Gefühl auch von Dreharbeiten?

Michelle Williams: Das habe ich bei jedem Job, egal, wie groß meine Rolle ist. Ich kann nur besser damit umgehen, schiebe die Unsicherheit einfach beiseite und rede mit Freunden drüber oder schreibe in mein Tagebuch. Ich muss nicht ins Extrem gehen wie Marilyn und Tabletten nehmen.

BRIGITTE: Fühlen Sie sich selbst eher wie ein Star, jetzt, wo Sie so eine große Hollywood-Ikone gespielt haben?

Michelle Williams: Ich fühle mich mehr wie eine Schauspielerin, weil das die schwerste Rolle war, die ich je angenommen habe. Ich habe mir etwas bewiesen, weil ich nicht wie sonst weggelaufen bin, wenn ich dachte, eine Rolle sei größer als ich. Durch Marilyn bin ich erwachsen geworden.

Video: Sehen Sie den Trailer von "My Week With Marilyn"

Kino: "My Week With Marilyn"

Über den Film "My Week With Marilyn"

Als der junge Colin (Eddie Redmayne) auf einem Filmset Marilyn Monroe begegnet, ist es sofort um ihn geschehen. Für die kurze Zeit der Dreharbeiten wird er der Vertraute der unsicheren Leinwandgöttin, "My Week With Marilyn" ist eine Begegnung, die er nie vergessen wird. Michelle Williams spielt den Mythos MM so unbekümmert frisch, als wäre er noch nicht von der ganzen Welt zu Tode analysiert worden. Das macht diesen ansonsten vor sich hinplätschernden Film absolut sehenswert.

P.S. Für Ihre Marilyn-Performance war Michelle Williams in diesem Jahr für den Oscar nominiert, musste sich aber Meryl Streep und deren Maggie Thatcher geschlagen geben.

Filmfotos: Ascot Elite

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