Steffi Graf: "Einen anderen Weltmeister als Deutschland? Gibt es nicht"

Sie weiß, wie man gewinnt, und sie ist sich sicher, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft es auch weiß - und den Titel holen wird. Ein Gespräch mit Steffi Graf über die Fußball-WM, Heimatgefühle und Glück.

Vor elf Jahren ist Steffi Graf aus dem Tenniszirkus ausgestiegen, den Schläger nimmt sie trotzdem noch ab und zu in die Hand - am liebsten für wohltätige Zwecke. Zum Auftakt ihrer erneuten Zusammenarbeit mit der Deo-Marke "Rexona Women" war sie Ende Juni zu einem Charity-Tennis-Turnier in Hamburg zu Gast und erspielte dort 25.000 Euro Spendengelder für ihre gemeinnützige Organisation "Children for tomorrow". BRIGITTE.de traf Steffi Graf bei dem Turnier und sprach mit ihr über die Fußball-WM, Heimatgefühle, Glück - und natürlich über Tennis.

BRIGITTE.de: Frau Graf, lassen Sie uns statt über Tennis erstmal über Fußball reden. Sind Sie auch im WM-Fieber?

Steffi Graf: Absolut. Meine Familie und ich sind jetzt seit gut zwei Wochen in Deutschland. Wir haben also viel von der WM mitbekommen und bei den Spielen mitgefiebert und mitgejubelt, auch die Kinder hatten viel Spaß, haben mit Fahnen gewedelt und mit Trillerpfeifen gepfiffen. Wir haben die Stimmung sehr genossen.

BRIGITTE.de: Sind Sie gleichermaßen für Deutschland und die USA?

Steffi Graf: Nein, da schlägt mein Herz schon mehr für Deutschland. Ich bin ja auch mit dem Fußball hier groß geworden, und Fußball hat hier einfach einen größeren Stellenwert.

BRIGITTE.de: Wie ist das bei Ihrem Mann André Agassi? Ist der USA-Fan?

Steffi Graf: Wir haben die amerikanischen Spiele auch verfolgt, aber mit weniger Emotionen und Enthusiasmus. Auch mein Mann hat großes Interesse gehabt, dass Deutschland weiterkommt.

BRIGITTE.de: Was ist Ihr Tipp für den Weltmeister?

Steffi Graf: Außer Deutschland? Da gibt's keinen!

BRIGITTE.de: Haben Sie einen Lieblingsspieler im deutschen Team?

Steffi Graf: Aus dieser jungen Mannschaft einen herauszustellen, fällt schwer. Ich kenne die Mannschaft vielleicht nicht so gut, wie jemand, der immer vor Ort ist, aber es ist einfach bewundernswert, wie viel Energie und Frische das Team hat und wie gut es zusammenspielt. Die Mannschaft hat einen tollen Teamgeist.

BRIGITTE.de: Sie sind schon häufiger für Ihre Stiftung "Children of Tomorrow" in Afrika gewesen. Was kann diese WM für Gastgeber Südafrika, aber auch für den ganzen Kontinent bewirken?

Steffi Graf: Die WM hat eine große Bedeutung für den ganzen Kontinent. Wir haben durch die Stiftung schon einige Länder besucht und gemerkt, dass die politische Lage vergleichsweise instabil ist. Ich glaube, dass die WM die Möglichkeit bietet, Afrika noch mehr zu vereinen. Die Stimmung scheint ja auch genau in diese Richtung zu gehen. Wenn das so bleibt und Afrika sich weiterhin in diesem Licht zeigt, glaube ich schon, dass die WM einen lang anhaltenden positiven Effekt haben kann.

BRIGITTE.de: Sie sind schon seit zwei Wochen hier, sagten Sie. Klingt so, als kämen Sie immer wieder gern in Ihre Heimat.

Steffi Graf: Ja, keine Frage, mehrere Male im Jahr. Durch die Stiftung, deren Hauptsitz hier in Hamburg ist, und durch verschiedene Partnerschaften habe ich die Möglichkeit, mir das ein bisschen einzuteilen. Im Sommer sind wir - durch die Schulferien vorgegeben - immer mit den Kindern hier und genießen die Zeit.

BRIGITTE.de: Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages wieder in Deutschland zu leben mit Ihrer Familie?

Steffi Graf: Ich wünsche mir immer mehr Zeit hier. Aber unser Lebensmittelpunkt ist eindeutig Las Vegas. Die Kinder gehen da zur Schule. Ich habe mittlerweile auch einen großen Teil meiner Familie dort, meine Mutter und meinen Bruder mit seiner Familie. André ist in Las Vegas geboren, seine Familie lebt auch dort, das heißt, wir haben ein ganz tolles Netzwerk von Familie und Freunden und dann kommt noch hinzu, dass mein Mann ja dort ein großes Schulprojekt hat und noch in anderen Projekten steckt. Ein Umzug nach Deutschland wird sich also wahrscheinlich nicht ergeben. Wir fühlen uns in Las Vegas aber auch wirklich wohl und die Kinder können dort behütet aufwachsen.

Steffi Graf beim Charity-Turnier in Hamburg: Von 1994 bis 1998 war sie schon einmal Werbetestimonial für Rexona, jetzt ist sie es erneut.

BRIGITTE.de: Das Glück lag für Sie jahrelang auf dem Tennisplatz. Wo finden Sie es heute?

Steffi Graf: An jeder Ecke (lacht). Ich ziehe ganz viel Energie und Glück aus der Familie. Wir haben, wie gesagt, einen tollen Kreis in Las Vegas. Ich kann von familiärer und freundschaftlicher Seite sowie von unseren Projekten und Partnerschaften nur Positives sagen, auch wenn es sich langweilig anhört. Aber ich bin froh, dass es sich so anhört.

BRIGITTE.de: Sie sind vor 11 Jahren aus dem Tenniszirkus ausgestiegen, aber Ihre Popularität ist nach wie vor sehr groß. Haben Sie sich Ihr Leben nach dem Tennis so vorgestellt?

Steffi Graf: Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht. Wie ich heute hier empfangen worden bin, sehe ich nicht als selbstverständlich an, sondern freue mich unheimlich darüber.

BRIGITTE.de: Ist so viel Popularität auch manchmal anstrengend?

Steffi Graf: Nein, vielleicht aber auch deshalb, weil ich nicht immer hier bin. Ich fühle mich geehrt, so eine Resonanz zu bekommen. Es sind so viele liebe Menschen, die auf einen zukommen. Wenn einem so nett begegnet wird, fällt Popularität nicht schwer.

BRIGITTE.de: Man hat bei Ihnen den Eindruck, dass es Ihnen gut gelingt, einerseits in der Öffentlichkeit präsent zu sein, aber andererseits auch ganz klar ein Privatleben zu haben.

Steffi Graf: Das war mir immer wichtig. Ich habe mich auch nie so ganz wohl gefühlt in der Öffentlichkeit. Ich bin froh, dass ich mir meine Privatsphäre erhalten kann und lege großen Wert darauf.

BRIGITTE.de: Und es gelingt Ihnen, obwohl Sie mit André Agassi einen prominenten Mann an Ihrer Seite haben und das Interesse gleich doppelt groß ist.Steffi Graf: Ja, da hilft uns dann auch Las Vegas und die Anonymität, die wir dort haben können.BRIGITTE.de: Zum Schluss doch noch zum Tennis. Neulich gab es ja dieses Wahnsinnsmatch in Wimbledon zwischen dem Amerikaner John Isner dem Franzosen Nicolas Mahut. Der letzte Satz endete 70:68 für Isner. Wie schafft man so ein Match überhaupt?

Steffi Graf: André und ich haben die Spieler sehr bewundert. Wir saßen erst vor dem Fernseher, sind dann später Essen gegangen, haben aber immer wieder geschaut, wie es steht und gedacht, das kann doch nicht sein. Sieben, acht Stunden auf dem Platz durchzustehen, das ist bewundernswert. Dass die beiden überhaupt noch stehen konnten. Dieser Rekord wird nie gebrochen werden, glaube ich. Es sei denn, jemand versucht das ganz bewusst.

BRIGITTE.de: Was war Ihr längstes Match?

Steffi Graf: Dreidreiviertel Stunden war das längste, was ich mal geschafft habe.

BRIGITTE.de: Und das kürzeste?

Steffi Graf: 28 Minuten.

Interview: Katharina Wantoch Foto: Rexona

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!