Wochenende: Zeit zum Träumen!

Tagträume sind Zeitverschwendung? Total unterbewertet, findet BYM.de-Autorin Simone Lück, denn die Filme im Kopf machen glücklich und kreativ -

Auf hohen Stilettos betrete ich die Bühne. Das Scheinwerferlicht blendet, alles glitzert. Ich kann das Publikum nicht sehen, aber seine Vorfreude spüren. Und als ich zu meinem Hit "Rehab" ansetze, dreht die Meute durch. Stopp. Sucht den Fehler im Bild. Richtig: Ich kann weder singen, noch auf hohen Absätzen laufen. Aber dafür kann ich eins: Tagträumen.

Eine Fähigkeit, die nicht jeder zu schätzen weiß. "Du träumst doch schon wieder!", rufen einem die Spielverderber vom Klassenlehrer bis zur Großtante zu. Ich sage: Wer nicht träumt, der nicht gewinnt. Vieles, was ich mir auf dem Fahrrad, beim Kellnern oder spazieren gehen ausgemalt habe, ist später tatsächlich eingetreten. Natürlich, und irgendwie auch glücklicherweise, bin ich immer noch nicht Amy Winehouse. Aber einige andere Dinge, die ich mir oft und intensiv vorgestellt habe, sind passiert. Und das ist keine Zauberei.

Tagträume sind gesund

Tagträume können einem helfen heraus zu finden, was man wirklich will. Früher bin ich heimlich mit meinen Gedanken um die Häuser gezogen, heute stehe ich dazu: ich bin Tagträumerin - und damit nicht allein. Eine Studie in Österreich hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten täglich ein paar Minuten abschaltet und dabei herrlich entspannt. Der amerikanische Psychologe Jerome Singer hat sogar belegt, dass Tagträumer die gesünderen Menschen sind. Natürlich will trotzdem niemand Bleistift kauende und dümmlich grinsende Mitarbeiter im Büro sitzen haben. Abschweifen landet auf der roten Liste direkt hinter Privatgespräche führen und Nägel lackieren. Dabei funktioniert es im Alltag am allerbesten: Ein schottisch-amerikanisches Forscherteam hat herausgefunden, dass unser Gehirn bei Routinearbeiten in den Tagtraum-Modus umschaltet Wenn man nicht gefordert wird, gehen die Gedanken spazieren. Und weil Wochenende ist, gehen wir einfach mit! .

Träumen entspannt!

Man nehme also eine Routinesituation, wie die Fahrradtour zum Stadtpark, mische sie mit einem Kaffee to go, und der Film kann losgehen. Ich persönlich habe für jede Stimmung den richtigen Traum im Gepäck. Wenn ich schlecht drauf bin, erinnere ich mich an einen besonders schönen Moment. Zum Beispiel das letzte Mando Diao-Konzert: Es war Sommer, die Jungen hübsch und alles schien möglich. Schöne Fantasien entspannen und helfen den Ausgang aus dem Labyrinth der schlechten Gedanken zu finden. Aber vor allem können sie motivieren. So wie damals, als ich dachte, ich könnte Mathematik in der 12. Klasse abwählen und mich bis dahin ordentlich daneben benehmen. Leider hatte ich die Rechnung ohne den Mathegott gemacht. Mir war ein Denkfehler unterlaufen und ich musste bis zum bitteren Ende mit Geraden im dreidimensionalen Raum kämpfen. Um die Lernerei durchzuhalten, habe ich mir regelmäßig den Moment vorgestellt, in dem ich die Zulassung für meinen Wunschstudiengang aus der Post fische.

Außerdem machen die kleinen Filmchen im Kopf gute Laune: manchmal findet man mich kichernd unter meiner Kapuze, wenn ich eigentlich Grund zum Ärgern hätte. Zum Beispiel über den unfreundlichen Busfahrer. Doch lieber als mir die Stimmung vermiesen zu lassen, stelle ich mir vor, wie ihm eine Taube auf die Glatze macht. Rachefantasien sind schick, aber auch Albträume sehr sinnvoll. Nach einem verpatzen Date oder Vorstellungsgespräch, durchlebe ich gedanklich immer wieder die gruselige Situation: Welcher Witz hat der Personalerin nicht gefallen? Oder: Wann hätte ich aufhören sollen zu trinken? Natürlich mit dem Unterschied, dass ich am Schluss als Gewinnerin aus Bürogebäude oder Bar heraus gehe. Wer schlechte Erfahrungen nicht verdrängt, sondern durchträumt, wird denselben Fehler nicht noch mal machen.

Ein Mittel zur Selbsterkenntnis

Doch meine Lieblingsträume am Wochenende sind die, in denen mir alles gelingt: Ich schreibe einen knaller Roman, der sofort auf der Bestsellerliste landet, koche bei "Das perfekte Dinner" mit Leichtigkeit ein Fünf-Gänge-Menü und werde, aufgrund meiner witzigen und geistreichen Sprüche, als Moderatorin für ein Reisemagazin entdeckt. Meine Bekanntheit nutze ich dann für ein Straßenkinderprojekt in Rio - natürlich stets perfekt gestylt. Auch wenn das alles hundsmäßig überzogen ist, sind Tagträume ein gutes Mittel zur Selbsterkenntnis: Wo will man im Leben hin und was ist einem wichtig? Liebe? Beruflicher Erfolg? Familie? Freiheit oder feste Strukturen? Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn einige Tagträume wahr werden. Und man zum Hauptdarsteller im eigenen Film wird.

Und wovon träumst du?</ b>

Text Simone Lück
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