Helau, Alaaf und hoch das Bein!

Sie tanzen und wirbeln in ihrer Uniform über die Bühne, sorgen für gute Stimmung beim Publikum und haben stets ein Lächeln auf den Lippen - die Gardemädchen. Dabei ist Gardetanz viel anstrengender, als es vom Bühnenrand aus scheinen mag

Als Kind wollte ich unbedingt eine Ballerina mit rosa Schleifchen im Haar werden. Also, ab zum Ballettunterricht. Doch irgendwie passte Ballett nicht zu meinem aufgeweckten Gemüt und schon bald wurde es mir langweilig. Ich wollte zwar weiterhin tanzen, aber in einem schnelleren Tempo. Gedacht, getan. Kurz darauf fand ich mich in einem Karnevalsverein wieder, der sich komplett dem Fasching, Gardetanz und allem was dazu gehört verschrieben hatte. Von da an war ich offiziell ein Gardemädel und tanzte zwei bis dreimal die Woche im Viervierteltakt zu gewöhnungsbedürftiger Marschmusik.

Sportlich auf hohem Niveau

Jetzt werden einige denken: Gardetanz? Ist das überhaupt ein richtiger Sport? Und ob - ein Leistungssport sogar. Wer es nicht glaubt, kann ja mal folgende Übung ausprobieren: Drei bis vier Minuten am Stück auf der Stelle hüpfen, zwischendurch die Beine abwechselnd bis zur Nasenspitze schwingen, inklusive ein paar Drehungen und motorisch höchst komplizierten Schrittfolgen. Ach ja, das Ganze ist natürlich mindestens mit einem Spagat oder einer Hebefigur abzuschließen. Autsch! Genau. Hartes Training gehört nämlich ebenso zum Alltag eines Gardemädchens wie Konfetti und Kamelle. Wer rastet, der rostet hier ganz besonders schnell, denn neben dem Konditionstraining müssen Bänder und Muskeln immer gedehnt und gut in Form sein.

Was bei anderen Sportarten eher in den Hintergrund rückt, ist beim Gardetanz übrigens das A und O: Das Outfit. Neben Uniform, Spitzenhöschen und einer meist kratzenden Perücke sind die Stiefel mit untanzbar hohem Absatz eine wahre Herausforderung. Vor allem am Anfang ist es eine Kunst, darin über die Bühne zu springen, nicht auszurutschen und gleichzeitig noch elegant auszusehen. Auch hier gilt das alte Motto: Erst Übung macht ein Gardemädel.

Marsch meets Moderne

Hat man sich daran erst einmal gewöhnt, macht das schnelle Drehen und Hüpfen auf der Bühne wirklich Spaß. Aber keine Angst, wir befinden uns hier nicht im Trainingscamp der Bundeswehr. Gardetanz besteht nicht nur aus Marschieren, Salutieren und ein bisschen "Helau" schreien. Neben den ursprünglichen Marschtänzen fließen in den so genannten Showtänzen vor allem moderne Tanzelemente aus Jazz und Modern Dance sowie Ballett ein. Ob innovative Schrittkombinationen oder experimentelle Hebefiguren in Verbindung mit modernen Musikstilen von Dance bis Hip Hop - der tänzerischen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Karneval das ganze Jahr

Ich war ungefähr acht Jahre lang ein Gardemädel und empfehle es allen Tanzbegeisterten, die sich regelmäßig fit halten möchten. Trainiert und marschiert wird in den meisten Karnevalsvereinen nicht nur während der Faschingssaison, sondern das ganze Jahr über.

Doch eines muss gesagt werden. Nicht jeder ist geeignet für diesen Tanzsport. Man sollte die "fünfte Jahreszeit" mit all ihren Karnevals-Sitzungen, Umzügen und einem wirklich sonderbaren Menschenschlag mögen, um Spaß am Gardetanz entwickeln zu können. Wer gerne vor Publikum auftritt, sich nicht vor Marschmusik fürchtet, eigene Ideen für Tänze einbringen möchte und keine Probleme mit der Gesundheit oder den Gelenken hat, für den könnte der Gardetanz nicht nur der richtige Sport sein, sondern zu einer richtig närrischen Leidenschaft werden.

Text Leonie Stelzner

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