WhatsApp: Beliebt trotz Risiken und Nebenwirkungen

Für beachtliche 16 Milliarden Dollar hat Facebook den SMS-Ersatz WhatsApp gekauft. Trotz Risiken für die Privatsphäre ist der Dienst beliebter denn je. Was Sie als Nutzerin im Blick behalten sollten.

WhatsApp: Textnachrichten mit Risiken

Seit heute wissen wir: Der Messaging-Dienst WhatsApp ist buchstäblich ein Milliardengeschäft. Schon länger verschickt die Mehrheit der Smartphone-Besitzer ihre Nachrichten über diesen Service, weil er viele Vorteile hat: Es fallen keine Gebühren an (Tschüss, SMS!), es können kostenlos Fotos mit der Nachricht verschickt werden (Tschüss, noch teurere MMS) und, am praktischsten, man sieht sofort, ob die Nachricht vom Empfänger gelesen wurde (Tschüss, "Hatte ich gar nicht gesehen"-Ausrede).

Kein Wunder, dass die App mittlerweile auf fast allen Smartphones der Welt installiert ist. WhatsApp ist so populär, dass dagegen selbst der Internetgigant Facebook mit seinem "Facebook Messenger" eher bescheiden aussah. "Bescheidenheit" und "Facebook" passen natürlich nicht so recht zusammen, daher hat das Sozialnetzwerk jetzt den Messaging-Dienst für ganze 16 Milliarden Dollar gekauft (zum Vergleich: Damit könnte man fast die Staatsschulden abbezahlen, die Deutschland 2013 angehäuft hat). Ein teurer Schachzug, der sich für Facebook wohl dennoch lohnen wird: Wenn WhatsApp auch weiterhin das Standardmedium für kurze Textplaudereien auf dem Telefon bleibt, kontrolliert Facebook den Großteil der Handy-Kommunikation.

Kino: Filmclip: "Zwischen Welten"

WhatsApp: Daten und Fakten

Und da geht es schon los mit den Bauchschmerzen, die viele bei WhatsApp haben: Ähnlich wie bei Facebook geben wir auch hier einem Großkonzern freiwillig Einblick in unser Privatleben. Datenschutzexperten weisen darauf hin, dass wir über die App jederzeit abgehört und ausspioniert werden können, auch der heimliche Mitschnitt unserer Telefonate ist theoretisch möglich - die Erlaubnis dazu haben wir bei der Installation gegeben.

Klar, bei WhatsApp hat man vermutlich Besseres zu tun, als unsere privaten Fotos und Nachrichten in Ruhe durchzusehen. Aber ein komisches Gefühl bleibt trotzdem, selbst wenn unser Privatleben "nur" zur Vermarktung genutzt wird.

Auch die Datensicherheit ist bei WhatsApp immer wieder in der Kritik. Letztes Jahr gelang es Hackern durch eine Sicherheitslücke, über die App auf die Konten der Bezahldienste Paypal und Google Wallet zuzugreifen. Dass die App ungefragt regelmäßig unser komplettes Adressbuch auf die Server in den USA hochlädt, ist da fast schon nebensächlich.

"Ich habe ja nichts zu verbergen" ist meistens die achselzuckende Reaktion auf Bedenken in Sachen Datenschutz. Klar - nicht jeden stört es, wenn jemand eine banale Verabredung zum Mittagessen mitlesen kann. Aber wird uns das wirklich immer egal sein? Smartphone-Besitzer in der Ukraine waren letztes Jahr anderer Meinung, als sie plötzlich eine SMS mit dem Hinweis "Achtung - Sie sind jetzt registriert als Teilnehmer in einem Massenaufstand" erhielten.

Aber das sind nicht unbedingt Gründe, WhatsApp sofort vom Telefon zu löschen. Datenschutz und Privatsphäre sind wichtige Kritikpunkte. Trotzdem bleibt WhatsApp die beste Alternative zur teuren SMS: kostenlos (fast), wahnsinnig praktisch und vor allem so verbreitet, dass wir die Mehrheit von Familie und Freunden sofort darüber erreichen. Das sind, bei allen Bedenken, immer noch eine Menge Pluspunkte.

Was also tun? Eine Entscheidung für oder gegen WhatsApp muss jeder für sich selbst treffen. Stellen Sie sich bei der Benutzung einfach vor, ein wahnsinnig gelangweilter Vermarkter wäre gezwungen, den ganzen Tag über bei Ihnen mitzulesen. So können Sie selbst überlegen, ob Sie trotzdem von der heißen Affäre am Wochenende auf WhatsApp erzählen, oder gelegentlich doch wieder auf SMS oder andere Medien ausweichen (eine gute Alternative wäre die Messaging-App "Threema" - dort werden Nachrichten so verschlüsselt, dass niemand außer dem Empfänger sie lesen kann, nicht einmal die Betreiber der App selbst.)

Letztlich gilt: WhatsApp ist nicht böser oder gefährlicher als jedes andere Social Network. Es kann aber nicht schaden, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie viel wir von uns in der Öffentlichkeit preisgeben wollen.

Zusatzinfos: Luisa Köneke

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!