Trendsport: Parcouring

Über Bänke springen und auf Mauern klettern -Parcourer überwinden jedes Hindernis. BYM.de-Autorin Monique hat den Trendsport ausprobiert. Wie es sich anfühlt, auf einmal drei Metern überm Boden zu hängen, lest ihr hier

Trainer Matthias zeigt Monique wie's geht

Mein Herz klopft. Ich hänge an einer Mauer geschätzte drei Meter über dem Boden. Unter mir Beton, über mir der Himmel - die weitaus reizvollere Alternative, aber leider selbst für einen Parkourer unmöglich.

Parcourer überwinden alles, was ihnen in den Weg kommt, um von einem Ziel zum nächsten zu gelangen. Sie überspringen Bänke, Blumenbeete, klettern über Bauzäune und Mauern - wenn es sein muss sogar über Hochhäuser. Parcourer - habe ich den Titel überhaupt schon verdient? Schließlich ist es das erste Mal, dass ich mich mit diesem Sport auseinandersetze

Der Anfang

Und jetzt? Soll ich einfach loslassen? Oder doch besser die Mauer wieder hoch klettern und die Treppe nehmen? Ich entscheide mich fürs Loslassen, kontrolliere noch einmal, ob nicht zufällig ein Kinderwagen, ein Hundehaufen oder eine nette Omi unter mir sind. Dann öffne ich meine Hände. Der Fall dauert keine zwei Sekunden. "Sehr gut, das war schon gar nicht schlecht. Das machen wir gleich noch mal", ruft Matthias mir von Weitem zu.

Trendsport: Parcouring

Matthias Esser ist mein Trainer. Er ist kein Parcourer der ersten Stunde, dafür ist er heute umso erfolgreicher. Im Juni 2007 hat er bei der Weltmeisterschaft in München den ersten Platz belegt. Dabei war das erst sein zweiter Wettkampf überhaupt.

Die Philosophie

"So, und jetzt machen wir ein paar Präzisionssprünge." Matthias geht vor zu zwei Betonblöcken, die ca. 1,30 Meter auseinander stehen. Wir stellen uns nebeneinander auf den höheren Block und holen mit den Armen Schwung. "Auf drei: eins, zwei, drei." Wir ziehen die Beine hoch und springen zum nächsten Hindernis. Kurzes Gezappel mit den Armen, dann stehen wir. "Siehste, ist doch gar nicht so schwer", grinst Matthias.

Das stimmt. Eigentlich ist Parcouring nicht schwer. Man macht nämlich nur das, was man kann und sich selbst zutraut. Das ist Teil der Philosophie. Nicht etwa das spektakuläre Aneinanderreihen von Salti zwischen Häuserschluchten und fahrenden Autos hindurch, wie man es auf youtube anschauen kann. Die Essenz des Parcouring ist die effiziente, kreative und elegante Bewegung über ein Hindernis. "Alles andere ist Humbug", sagt Matthias

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Safety First

Trainer Matthias zeigt Monique wie's geht

Natürlich kann man versuchen, akrobatische Elemente einzubauen, Tricks sind durchaus willkommen. Parcour hat aber nichts mit posen und angeben zu tun - wie es auf Web-Plattformen wie youtube häufig vermittelt wird. "So wie die da durch die Gegend hetzen, mehrere Minuten am Stück volle Granate über Stock und Stein springen und dabei Sprünge aus fünf Metern Höhe noch mit Salti ausstatten - das kann keiner schaffen. Das sind alles aneinander geschnittene Sequenzen", sagt Matthias. Für ihn ist das verantwortungslos. Denn viele versuchen die Stunts nachzumachen - und verletzen sich.

Bei Parcouring zählt: "Safety First". Man sucht sich einen Rundlauf, einen kleinen Parcours und trainiert den in Runden von 30 Sekunden bis zu einer Minute. Hört sich wenig an, aber diese paar Sekunden sind ein effektives Allround-Training: Ich hüpfe über Stufen, nehme Treppen auf allen Vieren, balanciere über Geländer und klettere auf Laternenmasten. Ein Sprung auf die nächste Mauer, ein paar Klimmzüge, fallen lassen und wieder hoch.

Ein großer Spielplatz

Beim Parcouring lernt man ganz neue Bewegungen kennen. Der gesamte Körper wird beansprucht - nur macht es mehr Spaß als monotones Krafttraining im Fitnessstudio oder stundenlanges Joggen. Besonders, wenn man zu zweit oder mehr Leuten unterwegs ist. "Dann kann man sich gegenseitig helfen und gemeinsam kreativ sein", sagt Matthias. "Es kann aber auch vorkommen, dass man mit seinen Trainingskumpels an der nächsten Imbissbude hängen bleibt und erst mal Pause macht", sagt er und grinst.

Das wäre jetzt das letzte, woran ich denke. Vielmehr scanne ich den Platz nach neuen Hindernissen ab, schätze Entfernungen und Höhen, probiere den Grip an Geländern und Stangen aus und springe über alles, was nicht niet und nagelfest ist. Es ist fast wie früher auf einem Spielplatz. Und ich fühle mich wieder wie eine Achtjährige mit viel Mumm. Nur sehr viel verschwitzter.

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Die Regeln

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Eigentlich gibt es für Parcouring keine Regeln. Es kommt auf den Spaß und die Freiheit der Bewegung an. Dennoch sollte man ein paar Dinge beachten:

Text Monique Berends
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