"Tatort": Langsamer Dreier auf Langeoog

Am Sonntagabend durfte Wotan Wilke Möhring alias "Tatort"-Kommissar Thorsten Falke in "Mord auf Langeoog" zum zweiten Mal ermitteln. Dabei gab es auch ein unerwartetes Wiedersehen mit einer alten "Tatort"-Bekannten.

Kennen Sie das? Man bekommt überraschend Besuch von einem Menschen, den man mag und länger nicht gesehen hat, man verbringt eine schöne Zeit zusammen, aber am Ende ist man dann auch froh, wenn er wieder weg ist. So in etwa könnte man den letzten "Tatort" mit dem Titel "Mord auf Langeoog" und dem Ermittler-Duo Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) beschreiben. Denn auf der ostfriesischen Insel feiern wir ein unerwartetes Wiedersehen mit einer alten "Tatort"-Bekannten: Nina Kunzendorf. Die haben die Drehbuchschreiber und Casting-Verantwortlichen als Christine Brandner, Leiterin der Mordkommission Aurich, nach Langeoog geschickt, als dort ein Mord geschieht. Und aus dem eigentlichen Duo Falke und Lorenz wird dann ein Ermittlungs-Dreier. Doch dazu gleich mehr.

Es ist ein überraschendes Wiedersehen mit Kunzendorf als Ermittlerin im "Tatort", hatte sie als Kommissarin Conny Mey doch erst vor wenigen Monaten ihren Dienst auf eigenen Wunsch quittiert. Sie nun als analytisch-nüchterne, betont professionelle Kommissarin Brandner mit Hipster-Nerd-Brille zu sehen, ist nach der grellen (aber tollen) Mey-Zeit erst einmal ungewohnt. Und nach der großen Freude über das Wiedersehen stellt sich schließlich die Frage: Was macht ausgerechnet die da?

Kino: Filmclip: "Zwischen Welten"

Ich bin hier der Boss!

Die Antwort ist eigentlich klar: ermitteln. Nina Kunzendorf spielt schließlich nur eine Rolle - und das kann sie richtig gut. "Sie sind hier gar nicht zuständig", herrscht die resolute Ermittlerin Brandner ihren Kollegen Thorsten Falke von der Mordkommission Hamburg an. Und stellt damit klar, wer in Mordfragen auf der Insel das Sagen hat. Falke - privat auf der Insel - soll sich bitte schön aus dem Mordfall raushalten. Aber Falke wäre nicht Falke, wenn er sich an die Dienstvorschriften halten würde, vor allem, wenn der minderjährige Schwager seines besten Kumpels der Verdächtige ist. Dass Falke ein Macher ist, haben wir bereits in seinem "Tatort"-Debüt gelernt.

Wer setzt sich durch: Brandner (Nina Kunzendorf) oder Falke (Wotan Wilke Möhring)?

Als dann auch noch seine Kollegin Katharina Lorenz auf der Insel auftaucht - von Falke inoffiziell angestachelt und von Brandner per Amtshilfegesuch offiziell angefordert (wie praktisch, die ermordete Frau lebt eigentlich in Hamburg) - entwickelt sich zwischen den Dreien ein Tauziehen um Zuständigkeiten, Dienstvorschriften, Indizien und Bauchgefühle.

Dieser Kommissar-Dreier kommt dabei angenehm actionarm und ruhig daher. Eine Atmosphäre, zu der auch die Insel, die weiten, menschenleeren Strände und die raue Nordsee beitragen. Statt Action und Knallerei setzen die Macher dieses "Tatorts" auf Persönlichkeiten, eine solide Geschichte und starke Bilder.

Brandner ist zwar die Rolle der knallharten Ermittlerin zugeschrieben, die sich von den Kollegen nicht reinreden lassen möchte ("Sagen Sie mir nicht, was ich zu tun habe, Falke. Das kann ich nicht ausstehen."), überrascht aber auch mit einfühlsamen Momenten, als sie dem minderjährigen Verdächtigen doch noch ein paar Worte oder gar ein Geständnis entlocken zu versucht. Alles nur Taktik? Falke ist der Gegenpol, der Bulle, der auf Vorschriften pfeift und lieber seinem Bauchgefühl traut, aber schließlich auch an eben diesem zweifelt. Für seine junge Kollegin Lorenz ist zwischen diesen zwei starken Persönlichkeiten leider nicht mehr so viel Platz. Am Ende darf sie dann aber immerhin den Fall lösen.

Bemerkenswert ist es aber, dass Brandner als Gegenpart zu Falke und Lorenz schließlich dazu beiträgt, aus den beiden ein Team zu machen (Wir erinnern uns: Im ersten "Tatort" mit den beiden war Falke noch nicht so begeistert von seiner neuen Partnerin.). Immer wieder übernimmt Lorenz gegenüber der dominanten Brandner Positionen, die man eher von Falke erwartet hätte. Und auch die Chemie zwischen dem eigentlichen Team ist stimmiger geworden (Lorenz: "Und Sie, Herr Falke? Sicher 'ne Milch?" Falke: "Und Ihren Humor haben Sie auch mitgebracht.").

Nach 90 langsam-spannenden Minuten ist nicht nur der Mörder gefasst. Auch ein neues "Tatort"-Team hat in seinem zweiten Fall richtig zueinander gefunden. Nina Kunzendorf alias Kommissarin Brandner ist wieder von der Bildfläche verschwunden, nicht ohne sich für die Unterstützung zu bedanken. Und der Zuschauer ist glücklich über den Besuch einer alten Bekannten, aber auch froh, beim nächsten Mal wieder nur mit zwei Ermittlern unterwegs zu sein.

Redakteurin Insa Winter ist seit 2005 großer "Tatort"-Fan. Nach dem Abschied von Conny Mey aus Frankfurt freut sie sich nun auf andere tolle Filme mit der großartigen Nina Kunzendorf.

Text: Insa Winter

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!