"Sternstunde ihres Lebens": Kleiner Satz, große Wirkung

Zum 65. Geburtstag bekommt unser Grundgesetz einen Fernsehfilm geschenkt. "Sternstunde ihres Lebens" erzählt von Elisabeth Selbert, der Frau, der wir den Grundgesetz-Passus zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern verdanken.

Na, wie hießen denn noch gleich die vier Mütter unseres Grundgesetzes (die natürlich um ein Vielfaches mehr Väter an ihrer Seite hatten)? Hüstel, räusper, Zeit abgelaufen. Dankenswerterweise sorgt die ARD dafür, dass wir künftig wenigstens einen Namen nennen können. Elisabeth Selbert (Iris Berben) erlebt die "Sternstunde ihres Lebens", als sie 1949 im Parlamentarischen Rat durchsetzen kann, dass der Passus "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in die Grundrechte des Grundgesetzes aufgenommen wird. Hinter diesem schlichten Satz steckt ein langer, kräftezehrender Kampf der SPD-Politikerin, die als Familienanwältin genau weiß, wie es Ende der 1940er Jahre um die Rechte der Frauen bestellt ist: schlecht. Lange sieht es so aus, als würde Elisabeth Selberts Mission scheitern. Die Windmühlen, gegen die sie kämpft, werden nicht nur von den vielen Herren des Rates angetrieben, sondern auch von zwei Kolleginnen, der CDU-Politikerin Helene Weber und Helene Wessel von der Zentrumspartei. Einzig auf die vierte Frau im Rat, ihre Parteigenossin Friederike Nadig, kann Elisabeth Selbert im Kampf für die Sache zählen...

Neu im Kino: Rettungslos überladen: "Die Bücherdiebin" im Kino

Die vier Mütter des Grundgesetzes (v.l.): Elisabeth Selbert (Iris Berben), Helene Wessel (Eleonore Weisgerber), Friederike Nadig (Lena Stolze) und Helene Weber (Petra Welteroth)

Als Fernsehfilm zur besten Sendezeit will "Sternstunde ihres Lebens" (Regie: Erica von Moeller, Buch: Ulla Ziemann) nicht allein auf den Streit um Paragrafen setzen. Also verlässt der Film den Parlamentarischen Rat immer mal wieder und begibt sich an andere Nachkriegsschauplätze, wo Männer aus dem Krieg heimkehren - oder eben leider nicht. Und dann ist da noch die Figur der Irma Lankwitz (Anna Maria Mühe), Elisabeth Selberts Sekretärin. Im Gegensatz zu ihrer Chefin sieht die junge Irma ihre Arbeit als notwendiges Übel, sehnt sich nach einer Familie und beginnt eine Affäre mit einem Abgeordneten - bis ihr durch persönliche Erfahrungen klar wird, wie wichtig Elisabeth Selberts Anliegen für die Frauen ist.

Die "Sache" im Blick zu behalten, das gelingt dem Film ebenso gut wie seiner Heldin. Am Ende bringt "Sternstunde ihres Lebens" das Gefühl auf den Punkt, das einen schon die ganze Zeit beim Gucken beschlichen hat: Dass der Satz im Grundgesetz ein großes Verdienst ist, er aber bis heute nicht in allen Belangen so gelebt wird, wie Elisabeth Selbert sich das damals vorgestellt hat. Wie wäre es zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes zum Beispiel mit einer Lohngleichheit für Frauen und Männer?

"Sternstunde ihres Lebens", 21. Mai, ARD, 20.15 Uhr

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!