Spielzeit 2006

Schaun wir mal, was gabs denn da? 2006 war ein ordentliches Spielejahr. Ein paar sehnsüchtige erwartete Titel gingen endlich in die Regale, Lara Croft sprang schöner als je, die Siedler wuselten wieder und insbesondere die Abenteurer unter den Spielern hatten jede Menge zu tun

Sherlock Holmes: Die Spur der Erwachten

Als der Meisterdetektiv am Fenster steht und sich langweilt, ahnt er noch nicht, dass der nächste Fall nur einen Straßenecke entfernt auf ihn wartet. Also erstmal mit dem Zeitungsjungen plaudern und ein paar Einkäufe machen. Auffällig: Überall Nachrichten von verschwundenen jungen Männern. Auch einer der Patienten von Watson, Sherlocks treuem, wenn auch etwas langsamen Freund, vermisst einen seiner Angestellten. Besser als gar kein Abenteuer, denkt sich Sherlock, und beginnt mit der Spurensuche. Die wird ihn über die Schweiz nach Loiusiana und zurück bis nach Schottland führen - auf den Spuren einer geheimnisvollen Sekte mit gar gruseligen Götzenbildern und einer ganz schön hemmungslosen Art, mit Mitmenschen umzugehen.

Das neue Sherlock-Holmes-Abenteuer des Entwicklers Frogwares kommt erstmals im 3-D-Gewand daher. Die grafischen Unterschiede zwischen Haupt- und Nebenfiguren sind jedoch gravierend. Und auch wenn man Holmes seine stoische Ruhe gern abnimmt - irgendwann darf er gern anfangen, noch ein bisschen menschlicher auszusehen. Die Landschaften, Häuser, Schiffe und Gärten sind zwar leider weiterhin fast menschenleer, aber ebenso stimmungsvoll wie im Vorgängerspiel um den silbernen Ohrring. Stark verändert hat sich jedoch die Steuerung, weil der Spieler nun auch vom Ausblick in die Haut des Ermittlers schlüpft. Dass Navigieren um Möbelstücke und Straßenecken wird so deutlich leichter.

Anders als im Vorgängertitel gibt es diesmal keine der Adventure-Fannerven-beanspruchenden Actionsequenzen. Wenn die Uhr mal tickt und ein Versuch schief geht, setzt das Spiel eben kurz vorher wieder an - eine faire Lösung. So macht sogar die wilde Jagd auf einen Taschendieb im Häusergewirr von Louisina Spaß. Die düsteren Elemente der Geschichte haben ihre Anleihen bei Gruselmeister Lovecraft, und insbesondere der Abschnitt im Schweizer Sanatorium bietet einiges zu rätseln. Allerdings: Die übliche Adventure-Krankheit, Gegenstände erst einsammeln zu dürfen, wenn vorher Aktion a,b, und c erfolgt sind, führt hier zu wirklich viel Lauferei. Warum nicht die gute Idee einer Bekannte-Orte-Schnellreise-Karte innerhalbs Londons dann auch mal für ein so großes Gebäude umsetzen, liebe Entwickler?

Ohne Patch tut sich das Spiel auf einigen Rechnerkorfigurationen schwer, mit Patch jedoch kommen auch noch weitere nette Optionen wie die Abbrechbarkeit von Dialogen dazu. Denn eins weiß man ja vom Meisterdetektiv: Er hört sich sehr gern reden. Und das wurde hier penibel umgesetzt. Da auch Watson nicht die energischste Persönlichkeit hat, wird es dadurch manchmal sehr langsam. Ein bisschen mehr Tempo hätte nicht geschadet. Die guten Synchronsprecher retten da aber wenigstens einiges. Solides Abendvergnügen für PC-Abenteurer.

was? - Adventure
Frogster
wo? - PC
wieviel? - ca. 35 Euro
Website zum Spiel: Galerie, Fan-Forum und Patches

Das letzte Ritual: In Memoriam 2

Dass ein Spiel ins echte Leben eingreift, passsiert nicht nur World.of-Warcraft-Spielern mit ihrer Spezialsprache. Wobei der kluge Mitmach-Krimi "Das letzte Ritual" sicherlich nicht einmal ein Tausendstel der Masse an WoW-Spielern vor den Bildschirm ziehen wird. Auch die Spielewelt ist eben unfair. Denn der kunstvolle "In Memoriam"-Nachfolgetitel hätte Aufmerksamkeit verdient. Er ist nämlich so etwas wie der Da-Vinci-Code zum Anfassen. Die Spieler steuern keine Figuren und übernehmen keine Rolle. Sie erhalten nur eine DVD mit Videomaterial, das angeblich der Serienkiller "Phoenix" voller Verachtung den Ermittlern hat zukommen lassen. Nach dem Motto "Viele helfen viel" sind die Spieler nun aufgerufen mitzuhelfen, die Spur des Phoenix zu entschlüsseln und mögliche weitere Morde zu verhindern.

So entsteht eine weltweite Hobby-Ermittlergemeinde. Ihr Werkzeug: gute Kombinationsgabe und das Internet. Denn dort haben die Spielentwickler auf mehr als 500 völlig authentisch wirkenden Websites Hinweise zur Lösung versteckt. Also heißt es rätseln und googlen. Erster Anhaltspunkt ist jeweils eine düstere, stylische Videosequenz. Wie oft zwinkert die gefesselte Frau? Bei welcher Berghöhe ertönt der Schrei des toten Bergsteigers? Und was verraten die Seufzer über die richtige Tränenmischung? Lässt man sich zu viel Zeit, so greifen einem virtuelle Helfer unter die Arme - oder der Phoenix selbst meldet sich zu Wort und droht "Ich weiß, wo du wohnst." Außerdem gibt es eine Community, in der man mit anderen Spielern aus aller Welt Kontakte knüpfen und Informationen austauschen kann.

Das ist auch nötig, denn die Rätsel sind vertrackt schwer. Belohnt wird man dafür mit einer tollen Optik und Sound, viel Schwung in den grauen Zellen und einer Hatz durch christliche Mythologie, Sekten- und Templerwelten, die auch Dan Brwon persönlich fesseln würde. Wer mit den gängigen Spielen nicht so viel anfangen kann, könnte hier genau richtig liegen.

was? - Adventure
von wem? - Lexis Numerique / Frogster Interactive
wo? - PC
wieviel? - ca. 40 Euro
für wen? - Altersfreigabe ab 16

Die Siedler 2 - Die nächste Generation

Zwei Jahre ist es nun her, dass die Herrschaften von Blue Byte ihre Siedler-Fangemeinde mit "Siedler V - Das Erbe der Könige" schockten. Ein schönes Spiel mit prächtiger Grafik und Helden und Abenteuern - aber leider ein Spiel, das mit dem wunderbaren Wuselprinzip alter Siedlerzeiten nicht mehr viel Ähnlichkeit hatte. Dieser mangelnde Enthusiasmus der fans hat offenbar zum Umdenken geführt. Der Herbst 2006 wird ganz im Zeichen eines Klassikers stehen, wenn das zehn Jahre alte "Siedler 2" behutsam modernisiert in den Handel kommt.

Detailliertes Rendering und 3-D-Landschaften sorgen für ein Spiel, das aussieht wie neu - und doch kuschelig-vertraut ist wie ein alter Pulli und knuffig-verspielt ist wie ein altes Siedlermännchen. Mit Goldkante! Erinnert sich noch jemand an die alte Versorgungsschlange, in der man sich mühsam die Finger wundklickte, nur damit dringend benötigtes Wasser in der Transportpriorität zehn Plätze nach oben rutschte? Vorbei! Der neuen Version haben die Programmierer für diesen Fall ein simples Drag-and-Drop-Interface spendiert. Selten gab es eine befriedigendere Verbesserung bei der Neuauflage eines alten Spiels.

Die Geschichte hingegen ist alt: Den Pummel-Jungs sind die Frauen abhanden gekommen - in zehn Missionen gilt es, sie wieder zu finden. Auf dem Weg von Insel zu Insel muss jedesmal ein komplettes Dorf mit Bäckereien, Holzwirtschaft, Schmieden und anderen Handwerkern aufgebaut werden. Nur so gibt es eine Chance, sich der Feinde zu erwehren, die dem Spieler das Vorankommen schwer machen wollen. Knackpunkt bei Siedler 2 ist erneut die ausgeklügelte Logistik - nur gut geplante Wirtschaftskreisläufe und ein effektives Wegesystem führen zum Erfolg. Sonst stehen die Siedler in der Gegend herum - und vertreiebn sich und dem Spieler die Zeit mit lustigen gesten, Tanzereien und Salti. Dabei sollen sie sich dochz aufs andere Ende der Karte vorarbeiten, um dort das Portal zur nächsten Insel zu erreichen!

Hier liegt auch schon die eizige Schwäche des Spiels: ein bisschen abwechslungsreicher hätten die Missionen schon sein dürfen. Das ist keine Forderung nach einem Questmodus, oh nein. Aber so ein paar kleine, variierende Aufgaben oder Überraschungen oder vielleicht ein winzigkleiner Erdrutsch oder ein Seeungeheuer oder so wären doch drin gewesen. Vorschlag zur Güte, liebe Entwickler: Setzt euch einfach an die Neuauflage von meinem persönlichen Liebling "Siedler 3" - und macht diesen einen kleinen Schwachpunkt da noch besser...

was? - Simulation
von wem? - Funatics/ Ubisoft
wo? - PC
wieviel? - ca. 35 Euro

Wildlife Park 2

Gemsen, Tiger, Krokodile - alle nicht haustiertauglich. Zum Glück kann man zu Tricks greifen und sich den Zoo auch einfach auf den Rechner holen. In "Wildlife Park 2" schlüpft der Spieler in die Rolle des Zoo-Planers, baut abwechslungsreiche Parkanlagen, rettet bedrohte Tiere und sorgt für eine optimale Versorgung mit Speis, Trank und Trainigsgerät. Für Mensch (=Zoobesucher) und Tier. Denn auch der größte Waschbärfan wird seine Lieblinge nur noch halb so knuffig finden, wenn sie mal wieder den Zaun zerlegt und sich fröhlich im Park ausgebreitet haben.

Wer Wirtschaftssimulationen mag, den Überblick behalten kann und sich von den hübsch gestalteten, sehr aktiven und abwechslungsreichen Tieren zusätzlich fesseln lässt, der hat sein Spiel für lange Herbstabende gefunden. Positiv fällt auf, dass man sich mit Grafik und Komplexität wirklich Mühe gegeben hat - hier müssen sogar die unterschiedlichen dekorativen Bäume in genau die richtige Sorte Boden gepflanzt werden. Ein Infomenü verrät viel Interessantes über Tier- und Pflanzenwelt - so viel Aufwand, das sogar der gute Tieronkel Heinz Sielmann dem Handbuch eine lobende Einleitung geschrieben hat. Zu bemängeln ist allerdings, dass das Spiel mit den auf der Packung genannten Mindestvoraussetzungen nur wenige Missionen durchhält - schnell wird es ruckelig, langsam, noch langsamer. Ein etwas besserer Rechner muss also schon her. Oder wenigstens die Downloadpatches der Entwickler, die auch an der Tiergrafik udn der Besucherzufriedenheit noch ein wenig feilen.

was? - Simulation
von wem? - b.alive/Deep Silver
wo? - PC
wieviel? - ca. 35 Euro
Website zum Spiel: Demo, Fan-Forum und Patches

Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging

Nennen wir es Suchtpotenzial? Oder umschreiben wir euphemistisch mit "Anreiz zu täglichem Training"?. Immerhin: Es geht um eins unserer wertvollsten Organe - das Gehirn. Das Joggingprogramm für die grauen Zellen verleitet zum Kopfrechnen, Logikgrübeln oder blitzschnellen Silbenzählen. Doch auch logische Ketten und Sprachtests gehören zum Programm. Möglich ist das alles - mal wieder - dank Nintendo DS und seiner vielfältig einsetzbaren Touchscreen plus Mikrofon.

Nun soll man also in seiner Freizeit Dinge tun, die schon in Schule echt nervtötend waren? Die Japaner zumindest sind ganz begeistert von Dr. Kawashima, die Verkaufszahlen des Spiels liegen dort in den Millionen. Und auch in Deutschland sieht man immer wieder Leute in der Öffentlichkeit, die mit leicht verkniffenem Gesichtsausdruck ihre DS mit einem Wortschwall überschütten.

Warum also gegen den (durchaus unterhaltsamen und natürlich gesunden) Trend stellen? Mit einem Computerspiel, das intellektuell fordert und bei dem die dazugehörige Hardware auch noch wie ein Buch gehalten wird, kann man wenigstens mal auf die Eindruck auf Eltern und Großeltern machen.

was? - Kopfarbeit
von wem? - Nintendo
wo? - Nintendo DS
wieviel? - ca. 30 Euro

Tomb Raider: Legend

Es ist ein bisschen so, als ob eine gute Freundin aus dem Auslandsjahr zurückkommt. Man ist sich nicht ganz sicher, ob man sich noch verstehen wird. Schließlich war da noch so eine kleine Verstimmung kurz bevor sie ging (im Fall von Lara waren das die letzten beiden Tomb-Raider-Abenteuer). Man ist aufgeregt, will Geschichten hören und begrüßt sich mit einem "Hey, du hast dich verändert." "Gut siehst du aus." "Woher hast du die Klamotten?" Hallo, Lara. Kommen wir noch miteinander klar?

Eins steht fest: Lara ist erwachsener geworden. Sie hat jetzt mehrere Outfits, Abendkleider eingeschlossen. Und wenn sie ins Gebirge geht, trägt sie einen A-n-o-r-a-k. Später im Spiel kann man mit ihr ins Schlafzimmer gehen und in ihrem Kleiderschrank stöbern. Im Gesicht hat sie nun noch mehr Ähnlichkeit mit ihrer Filmdarstellerin Angelina Jolie, aber man fragt ja nciht so direkt, ob sie beim Schönheitschirurgen war und was es gekostet hat, nicht wahr? Sie hat noch mehr Sport getrieben und ist deshalb jetzt gelenkig und elastisch wie nie. Nie war Springen und Klettern so einfach, viel einfacher übrigens auch, als wenn man es selbst machte.

Die Jagd geht diesmal auf Fragmente einer legendären Waffe, hinter der neben Lara auch noch diverse Bösewichte her sind. Bolivien, Japan, Ghana, Himalaya - es gibt wieder die Chance, ordentlich in der Welt herumzukommen, mal im Tempel und mal im Hochhaus-Appartement. Das sieht gut aus und lässt sich noch besser spielen. Erstmals mit dabei ist auch eine Physikengine, die dafür sorgt, dass die Schwerkraft auf überzeugende Weise Einzug hält in Lara-Land. Warum nicht mal die Feinde mit rollenden Fässern erschrecken, statt sich gleich in die Schusslinie zu begeben? Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten...

was? - Action
von wem? - Crystal Dynamics/Eidos
wo? - PC, PS2, Xbox, Xbox 360, PSP
wieviel? - zwischen 46 (PC) und 66 (Xbox 360) Euro

Spellforce 2 - Shadow Wars

Die Ansprüche an den Nachfolger des deutschen Erfolgstitels "Spellforce" waren hoch. Tolle Grafik, spannende Geschichte und neue Charaktere sollten es schon sein. Und die Entwickler haben würdig gekontert. Die Kombination aus Rollenspiel und Echtzeitstrategie wurde ein wenig modifiziert, die Anzahl der Rohstoffe verringert, um den Aufbau des Basislagers zu beschleunigen. Strategieliebhaber seufzen kurz und freuen sich dann aber am schnellen Voranschreiten der Geschichte. Mehr Zeit, den eigenen Charakter zu hätscheln und zum Superhelden auszubauen. Ein Trüppchen Getreuer kann dennoch nicht schaden, auch sie stehen dem Helden wieder zur Seite. Und dann ist da ja noch das Heereswesen...

Große Armeen ziehen in die Schlacht, die Karten bleiben überschaubar, die Missionen abwechslungsreich und Stück für Stück schlägt der Spieler sich bis zu Erfahrungsstufe 30 durch. All das, was man dabei erbeuten kann, wandert in das wunderbar übersichtliche Inventar. Im Vergleich zum Vorgänger wurde die Benutzeroberfläche noch weiter aufgeräumt. Und auch die Investition der Erfahrungspunkte in Kampf- und Magiefertigkeiten wurde neu organisiert. Der Spell greift, ein erneuter Erfolg braucht keine weitere Zauberei.

was? - Rollenspiel
von wem? - Phenomic/Jowood
wo? - PC
wieviel? - ca. 50 Euro

Animal Crossing: Wild World

Irgendwo zwischen den Sims und den Nintendogs angesiedelt ist Animal Crossing: Wild World, ebenfalls für Nintendos Mini-Konsole DS. Als knuffige kleine Figur im Mangastyle zieht der Spieler in eine Stadt, die sonst nur von tierischen Nachbarn bewohnt wird. Wer sich an Legos Fabuland aus den Achtzigern erinnert, weiß, wie das ungefähr aussehen kann: sportverrückte Streifenhörnchen, tussige Vögel und Hasen mit einem Faible für pinkfarbene Möbel sind nur einige der Kandidaten. Ein kleines Haus gibt es schon, und Kontakt zu den pixeligen Nachbarn ist schnell hergestellt. Ein Job im Supermarkt sorgt für die ersten Münzen auf dem Konto. Obst an den Bäumen und Muscheln am Strand sind eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Mitbewohner helfen gerne mit Klamotten und Möbeln, wenn man ihnen bei ein paar Botengängen hilft.

Spätestens, wenn man sich Angel, Schaufel und Schmetterlingsnetz erarbeitet hat, geht das Spiel wirklich los: Nun kann gefischt werden, nach Fossilien und anderen Schätzen gebuddelt und Schmetterlinge sind hübsche Haustiere - wenn man sie nicht lieber ins Museum oder den Supermarkt trägt. Kleider, Hüte und Wände können von geschickten Zeichnern selbst verschönert werden. Über das ganze Jahr verteilt sorgen unterschiedliche Ereignisse für Abwechslung in der kleinen Gemeinde: Angelwettbewerbe, Blumenschauen, Komplimentiertage... Abwechslung ist garantiert.

Das Ganze ist hübsch bunt, und vernachlässigt doch nicht die düsteren Seiten des Lebens: lieb gewonnene Freunde können umziehen, der Kredit fürs Haus will abbezahlt werden, Versicherungsvertreter lauern vor der Haustür und wer zu fleißig an Bäumen ruckelt, den attackiert auch schon mal ein Bienenschwarm. Für so ein kleines Spiel ist das ganz schön viel Abwechslung. Wenn es dann doch mal langweilig wird, können mehrere Nintendo DS mit dem Spiel auf bewährte Weise im Funkverkehr miteiander spielen und sogar über das Internet kann nach weltweiten und entfernten Spielpartnern gesucht werden. Gesteuert wird entweder übers Tastenkreuz oder mit dem Stylus. Als das Spiel vom Game Cube auf die DS übertragen wurde, hat man sicher nicht all die Möglichkeiten der kleinen Konsole ausgereizt (wie wäre es zum Beispiel mit Pusteblumen-Pusten?). Aber Spaß verspricht die bunte Tierwelt allemal - besonders für Spieler mit dem Hang zum Zweit- oder Drittspiel für einen verregneten Nachmittag.

was? - Simulation
von wem? - Nintendo
wo? - Nintendo DS
wieviel? - ca. 39 Euro
Website zum Spiel: Tiernachbarnvorstellung, Eventkalender und weitere Infos

Sims 2 - Open for Business + Haustiere

Einsam zu Hause? Keine Lust auf die Jobs aus der Zeitung? Noch Träume? Wer hier ja gesagt hat, dem kann nun geholfen werden - zumindest, wenn er ein Sims ist. Das dritte Add-on der "Sims 2" ist auf dem Markt und lässt die Bewohner nun von reinen Konsumenten (Shoppen und Pizza bestellen geht ja schon länger) zu Unternehmern werden.

Vom Blumenhandel über die Spielzeugfertigung bis hin zur Wellness-Lounge gibt es eine Menge spannender Möglichkeiten für Geschäftsleute. Einfach einen Gewerbeschein beantragen, und schon wird das Eigenheim zum Einkaufsparadies. Besonders für Sims, die in den bisherigen Teilen des Spiels einiges an Geld angehäuft haben, gibt es endlich eine Möglichkeit, sich damit weiterzuentwickeln.

Produktion, Personal, Preise - an alles muss gedacht, alles kann beeinflusst werden. Der Geschäftssim kann seine Fähigkeiten auf verschiedenen wichtigen Gebieten steigern, er kann feilschen, bessere Produkte herstellen, Mitarbeiter motivieren oder die Kunden mit Schmeicheleien umgarnen. Die Features für die Kommunikation der Sims untereinander wurden dafür noch einmal erweitert. All diese Optionen fordern auch geübte Sims-er, denn so ein Laden ist viel aufwändiger zu führen als der gewöhnliche Haushalt.

Damit auch Freizeit und Familie nicht zu kurz kommen, legte EA im Herbst dann noch ein zweites Add-On nach und verschaffte den Sims endlich Haustiere. Hund, Katze, Maus können nun dressiert, verwöhnt und wie normale Familienmitglieder integriert werden.

was? - Simulation
von wem? - Maxis/EA
wo? - PC und Konsolen
wieviel? - PC: je ca. 30 Euro
Website zum Spiel: Forum und Downloads

We love Katamari

Sowas kann ja nur aus Asien kommen: Weil sich der König mehr Sterne am Himmel wünscht, schickt er den Prinzen (und ein paar Cousins) los, um neue Sterne einzusammeln. Da die ja bekanntlich nicht auf dem Boden herumliegen - andere Dinge allerdings schon -, gibt's eine klebrige Kugel als Ausgangsbasis.

Und dann wird gerollt. Und alles aufgesammelt, was auf dem Weg liegt - von kleinen Gegenständen wie Büroklammern und Muscheln über Kekse, Kerzen, Katzen bis hin zu Fahrrädern und alten Omis. In jedem Rollszenario gibt es neue, absurde Dinge zu entdecken. Die Gespräche mit dem König selbst sind... hm, sehr metaebnisch? Irgendwo zwischen großer Philosophie und großem Unsinn.

Der wahnsinnig-geniale Schöpfer heißt Keita Takahashi. Bevor er "Katamari Damacy", den in Deutschland nie veröffentlichten Vorgänger von "We love Katamari" entwickelte, hatte er wenig Ahnung und nicht einmal ein Faible für Computerspiele. Geschadet hat das nicht, sondern zu einem suchterzeugenden Spaß abseits typischer Spielsituationen geführt.

Und wenn man aus einem Eins-gegen-Eins-Rollwettkampf gegen den Kumpel auf dem Sofa siegreich hervorgeht und vom König mit selbst gebackenen Keksen belohnt wird, dann ist man gerne bereit, auch weiterhin die Sterne an den Himmel zu holen.

was? - Besonderes
von wem? - Namco/EA
wo? - Playstation 2
wieviel? - ca. 60 Euro
Website zum Spiel: Schöne Eindrücke von Optik und Geschichte des Spiels, plus Trailer

Agatha Christie: Und dann gab's keines mehr

Den Agatha-Christie-Krimi kennen viele sicherlich noch unter dem Namen "Zehn kleine Negerlein". Zehn Personen finden sich einsam und ohne Fluchtmöglichkeit auf einer Insel wieder. Eine rachsüchtige Stimme von Schallplatte erhebt sich beim ersten gemeinsamen Mahl, klagt alle Anwesenden böser Taten an und verspricht, Rache zu üben. Wie passend, dass man gerade erst das Essen beendet hat, als der erste der zehn Gäste den Löffel abgibt.

Ganz ähnlich funktioniert die Geschichte im Abenteuerspiel "Und dann gab's keines mehr". Mit politisch korrigierten Titel und Gedicht (es sind nun zehn kleine Leichtmatrosen. Warum es allerdings dennoch "keines" heißt? Vielleicht sind es sehr kleine Leichtmatröslein?) macht sich mit den Entwicklern von AWE Games endlich mal jemand an die Spielumsetzung von Werken der Grand Dame des Krimis. Die Lizenzen für mehrere andere Agatha-Christie-Geschichten hat man jedenfalls gleich mit eingekauft.

Abweichend vom Original ist eine weitere Kleinigkeit: Es befinden sich elf Personen auf der Insel. Nummer Elf, der Fährmann, dessen Boot zerstört wurde, sind Sie. Und weil dieser Gast im Mordplan nicht vorgesehen ist, hat er Ruhe und somit Gelegenheit, rumzustöbern und zu versuchen, dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Kundige des Buches dürfen auch mitspielen, denn das "Whodunnit" ist anders als im Buch gelöst. Die originalfassung gibt es aber zur Belohnung in Briefform am Spielende.

Was sich gut anlässt, mit einer gelungenen Insellandschaft, auf deren Karte man erstmal den Überblick behalten muss, lässt leider im Verlauf des Spiels ganz schön nach. Adventure-typisch gilt es, Gespräche zu führen, Menschen zu beobachten und allerhand Krimskram einzusammeln. Das Inventar ist gut organisiert und hält einen nicht davon ab, Gegenstände schon sehr frühzeitig einzustecken. Auch die Kombination von diesem Beutegut funktioniert gut. Einige der Verstecke sind jedoch auch für geübte Abenteurer schwer zu erspähen und fast dem Zufall überlassen.

Die Sympathie mit den Mitbewohnern lässt von Szene zu Szene nach - zu hölzern stellen die sich an, erzählen Dinge in nicht nachvollziehbaren Reihenfolgen und werden manchmal einfach von der lustlosen Stimme der Synchronsprecher versaut. Nach fünf Kapiteln überdurchschnittlicher Kombinationsrätsel verliert die Geschichte an Fahrt. Da hilft es leider auch nicht mehr, dass es am Ende auf Zeit und Entscheidungsfreudigkeit ankommt. Abhängig vom Spielervorgehen differieren nämlich die Endszenen der Mörderjagd. Kein perfektes Verbrechen - aber ein oft unterhaltsamer Kurzausflug.

was? - Abenteuer
von wem? - AWE Games/ The Adventure Company
wo? - PC
wieviel? - ca. 40 Euro
Website zum Spiel: Trailer, Demo, Klaviermusik und eine kurze Agatha-Christie-Biografie

Schlacht um Mittelerde 2

Elben und Zwerge gegen die Armeen Saurons - Tolkien-Fans können nun auch am Rechner wieder tief ins Fantasieleben abtauchen. Der Vorgängertitel eroberte mit toller Grafik und stimmungsvollen Kampagnen, in denen man die großen Schlachten der Filme nachspielen konnte, nicht nur die Herzen der Fans, sondern auch richtig gute Strategiespielwertungen. Der Nachfolger entfernt sich weiter von den Filmgeschichten, und arbeitet mehr mit Material aus den Büchern von Tolkien.

Auch "Schlacht um Mittelerde 2" ist wieder ein echter Hingucker, verlangt dafür aber einiges von PC und Grafikkarte. Den Spieler hingegen verlangt es nach Abenteuern. Und die werden geboten. Wenn auch nicht in wirklich umfangreichem Rahmen. Zwei Einzelspielerkampagne à acht Missionen wollen bewältigt werden - einmal an der Seite der Guten (Elben, Zwerge), einmal an der Seite von Saurons Armeen. Helden und Spieler selbst können Spezialfähigkeiten einsetzen und auf dem Schlachtfeld so für ein wenig Abwechslung und ordentlich Zunder sorgen. Etwas umfangreicher hätten die Kampagnen aber ruhig sein können.

Die Vorbereitung ist ein bisschen einfacher als im ersten Teil geworden, denn die Gebäude können nun überall auf der Karte statt an vorherbestimmten Plätzen gebaut werden. Mehr Individualität!

Zusätzlich werden Einzelgefechte mit einem von sechs Völkern sowie als kleine Strategiespiel-Ergänzung der Ringkrieg-Modus gereicht. Die Zwischensequenzen werden von einem stimmlich wohlbekannten Erzähler vorgetragen - der deutschen Synchronstimme von Halbelb Elrond. Und in ein paar Monaten gibt es in Mittelerde hoffentlich noch viel mehr zu erkunden.

was? - Echtzeit-Strategie
von wem? - EA
wo? - PC
wieviel? - ca. 50 Euro
Website zum Spiel: Demo, Clips und Fan-Forum

Drakengard 2

Held rettet Welt - dieses bewährte Konzept liegt auch dem Actionabenteuer "Drakengard 2" zugrunde. Jungspund Nowe, blass aber niedlich, kommt gerade frisch von der Ritterschule. Nächster Schritt im Berufsleben: die Rettung der Welt. Warum? Dahinter steckt eine etwas komplizierte Geschichte im typisch asiatischen Stil, mit Schlachten Fehden, Göttern und Siegeln - um die es allerdings im Vorgängertitel ging. Nun geht es um Nowe, das "Drachenkind". Denn sein Kampfgefährte ist ein großer Drache namens Legna, auf dem er waghalsige Flugmanöver während der Schlachten vollbringen kann.

Und geschlachtet wird viel - es geht von einer Kampfszene mit feindlichen Armeen zur nächsten. Im Alleingang mit Nowe ist das sogar einfacher als in Situationen, wenn die eigene Armee mit auf dem Schlachtfeld herumlungert. Dann heißt es nämlich ständig darauf achten, dass nicht ein vermeintlicher Helfer gerade seinen Kopf unter Nowes Klinge hält. Wenn der blanke Stahl nicht mehr hilft, steht im Verlauf des Abenteuers auch zunehmend mehr Magie zur Verfügung. Intelligenter als die eigenen Truppen sind die Soldaten des Gegners auch nicht, ein bisschen mehr KI hätte es schon sein dürfen. Ein wenig mehr Anstrengung in den Bereichen Grafik und Kameraführung auch.

Kaum noch wahrnehmbar sind inzwischen die Rollenspiel-Elemente von "Drakengard 2". Okay, es gibt Erfahrungspunkte pro getötetem Feind. Die können zum Verbessern des Helden, seiner Ausrüstung und des Drachen genutzt werden. Ab und zu schlüpft man in die Rolle einer von mehreren Begleitfiguren mit eigenen Stärken und Schwächen. Obwohl sie uns doch begleiten, tauchen sie sonst aber auf dem Schlachtfeld nicht auf. Dafür erfreuen sie uns öfter mal mit langatmigen Gesprächen.

Ein Spiel zum Rumreichen im Freundeskreis - mit viel Anfangsmotivation und Spaß an den Flugkünsten des Drachen. Der Effekt schwindet jedoch mit der Spieldauer. Und die Geschichte bleibt ebenso blass wie die Nase des jungen Helden.

was? - Action
von wem? - Cavia/ Ubisoft
wo? - Playstation 2
wieviel? - ca. 45 Euro
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