Was hat diese Frau, was Sie nicht haben?

Einen Millionär an der Angel. Davor hat Oxford-Absolventin Plum Sykes auf Society-Girl umgeschult und einen Bestseller geschrieben. Thema? Wie jagt man in New York einen reichen Mann. Hochkarätige Gründe für ein etwas anderes Gespräch über die Liebe.

Plum Sykes

Nach einigen Tagen Modewoche in New York kennt man Plum Sykes, ohne je ein Wort mit ihr gesprochen zu haben. Man weiß, auf welchen Partys sie war und welche Kollektionen sie angeschaut hat. Die Klatschpresse berichtet darüber, denn Sykes ist ein Society-Girl. Mit allen dazugehörigen Skandalen und Kontakten. Und sie hat über genau diesen Schlag Frauen einen Bestseller geschrieben. "Bergdorf Blondes" heißt das Werk im amerikanischen Original, benannt nach ihrer Romanheldin, der Mega-Bitch Julie Bergdorf. Jetzt ist das Buch, das unzählige Hass-Seiten im Internet provozierte, bei uns erschienen unter dem Titel "Park Avenue Prinzessinnen". In der Welt dieser edlen Geschöpfe dreht sich alles um den idealen Blondton (für 450 Dollar, alle 13 Tage nachfärben) und den richtigen "PH" (=Prospective Husband), der in erster Linie seine Funktion als "ATM" (=Geldautomat) erfüllen sollte.

Und wie sitzt Plum Sykes bei ihrem Stamm-Italiener "St. Ambrosius", zwei Blocks entfernt von ihrer Wohnung im Greenwich Village? In Jeans und Pulli. Sie hat sich das teuerste Gericht auf der Karte bestellt (ein riesiges Stück Fleisch), isst gierig und redet dabei schnell. Später muss sie zur Show von Modedesigner Marc Jacobs, aber vorher kommt noch die Masseuse zu ihr nach Hause. Für einen Star der New Yorker Gesellschaft sieht die gebürtige Engländerin mit Oxford-Abschluss eigentlich viel zu normal aus. Die 35-Jährige hat große braune Rehaugen, ein wenig schiefe Schneidezähne, und - was das Erstaunlichste ist - sie ist brünett.

Interview mit Plum Sykes

BRIGITTE: Wir wollen über Liebe sprechen. Und über Geld.

Plum Sykes: Gutes Thema.

BRIGITTE: In Ihrem Buch steht, man könne einen Mann nach den gleichen Kriterien auswählen wie eine Handtasche.

Plum Sykes: Ich habe mir überlegt, wie meine Hauptperson, die Erbin der mächtigsten New Yorker Kaufhausdynastie, ihren Verlobten aussuchen würde. Der Mann ihrer Träume müsste den gleichen Standards entsprechen wie eine teure Handtasche. Wenn man ein besonders gutes Exemplar besitzt, wird man beneidet. Außerdem muss man aufpassen, dass es nicht geklaut wird. Für die Besten gibt es immer Wartelisten. Und selbst wenn du schon drei Jahre auf der Liste bist, kann es immer jemanden geben, der die Warteschlange überspringt.

BRIGITTE: Welchen Mann könnte man mit der Kelly-Bag von Hermès vergleichen - der Tasche, für die es die längsten Wartelisten gibt?

Plum Sykes: J.F. Kennedy junior.

BRIGITTE: Der ist tot.

Plum Sykes: Trotzdem. Der perfekte Mann für eine Park-Avenue-Prinzessin ist ein amerikanischer Royal, also ein Großindustrieller oder jemand aus der politischen Elite, Hauptsache er hat Geld. Und er ist mächtig. Und er kauft ihr einen gigantischen Verlobungsring.

BRIGITTE: Glauben Sie, dass es diese Frauen in New York wirklich gibt?

Plum Sykes: Für die amerikanische "Vogue" habe ich viele von ihnen interviewt, die Bush-Mädchen, die Gettys und so weiter. Die Park-Avenue-Prinzessin ist meine Version eines New Yorker Society-Girls der Upper East Side. Die existiert - und sie ist ehrlicher als die Frauen in Europa.

BRIGITTE: Warum?

Plum Sykes: Die Amerikaner sind materialistischer und geben das zu. Im Gegensatz zu den Europäern verstecken sie ihre echten Wünsche nicht.

BRIGITTE: Aber in Wahrheit denken alle Frauen auf der Welt gleich?

Plum Sykes: Die Frauen heiraten das Geld. Das klingt natürlich böse. Aber wenn man die Vergangenheit betrachtet, als Frauen keine wirtschaftliche Macht hatten, da war die Wahl des reichen Ehemannes eine sehr praktische Entscheidung. Und mal ehrlich: So viel hat sich da bis heute nicht geändert. Frauen verdienen immer noch weniger. Frauen bekommen die Kinder. Natürlich will man jemanden, der für einen sorgen kann. Das ist ein ganz natürliches Bedürfnis nach Sicherheit. Deswegen muss der Mann kein Milliardär sein.

BRIGITTE: Ein Millionär reicht?

Plum Sykes: Machen wir uns nichts vor: Jeder stellt sich vor, dass eine Menge Geld sein Leben einfacher machen würde. Und jede Frau hat diese Cinderella-Fantasie. Was ist denn so toll an dem Märchenprinzen - der Schimmel, auf dem er reitet, oder das Schloss, in dem er wohnt?

BRIGITTE: Für romantische Mädchen bestimmt noch der Schimmel.

Plum Sykes: Aber in unserer Gesellschaft ist nun mal der Erfolg ausschlaggebend. Die Medien prangern häufig die Oberflächlichkeit von Erfolg und Reichtum an. Gleichzeitig wird über jeden berichtet, der irgendwie erfolgreich und reich ist. Diese Meinungsmacher sagen also, nach diesem Wertesystem soll man sich nicht richten, aber sie tun es selbst. Das ist scheinheilig. Erfolgreiche Menschen sind einfach attraktiver. Es ist ziemlich normal, dass man sich einen fabelhaften reichen Schlossbesitzer angeln will.

BRIGITTE: Und wo bleibt die Romantik?

Plum Sykes: Niemand weiß genau, warum sich Menschen verlieben. Definitiv verlieben sie sich nicht in das Geld, sondern in eine Person. Alle Frauen treffen in ihrem Leben schließlich eine ganze Menge wohlhabender Männer, ihren Boss zum Beispiel. Deshalb werden sie sich nicht zwingend in ihn verlieben.

BRIGITTE: Jetzt mal abgesehen von seiner Position - woran erkennt man einen reichen Mann?

Plum Sykes: Die tarnen sich gut. An Äußerlichkeiten lässt sich das nicht mehr festmachen. Heute kann jeder so tun, als ob er Geld hätte, und sich entsprechend anziehen. In England tragen die Reichen gern schäbige Klamotten. Aber darauf kann man sich dann auch nicht verlassen, ein vermeintlicher Volltreffer kann dann genauso gut plötzlich ein echter Habenichts sein.

BRIGITTE: Was erhöht die Jagdchancen?

Plum Sykes: Erstens: blond werden. Zweitens: in den richtigen Komitees sitzen, um zu den entscheidenden Partys eingeladen zu werden.

BRIGITTE: Sie scheitern an Punkt eins.

Plum Sykes: Als ich nach New York zog, habe ich mich gefragt, ob ich die einzige Braunhaarige bin. Es haben sich wirklich alle die Haare gefärbt.

BRIGITTE: Warum ist das so wichtig?

Plum Sykes: Blond ist die Farbe von Ikonen wie Grace Kelly oder Carolyn Bessette Kennedy. Es ist sehr amerikanisch. Und es ist einfach sexy. Aber nur, wenn du es richtig machst. Das Haar darf nicht gelb aussehen, sondern weiß. In meinem Buch haben alle perfektes Haar.

BRIGITTE: Hat Paris Hilton das richtige Blond?

Plum Sykes: Oh mein Gott. Die hat Plastikhaare. Sie ist so trashig. Das ist nun wirklich überhaupt nicht die Art von Frau, über die ich schreibe.

BRIGITTE: Dann schnell zur nächsten haarigen Angelegenheit: In Ihrem Buch gibt es eine alte Dame, Muffy, die immer wieder Partys schmeißt, um Leute zu verkuppeln ...

Plum Sykes: Die Muffys dieser Welt - von denen gibt es in New York schon viele. Sie lieben es, Leute zusammenzubringen, weil sie die großen Hochzeiten in der Gesellschaft lieben - dann können sie endlich mal wieder ihre Kleider ausführen. Manchmal klappt es. Und jede Hochzeit ist ein neuer Höhepunkt unter den Kuppel-Partys. Ich habe meinen Verlobten auch auf einer Hochzeit kennen gelernt.

BRIGITTE: Ihr Verlobter Toby Rowland ist der Sohn des schwerreichen englischen Tycoons Tiny Rowland. Nach den Maßstäben einer Park-Avenue-Prinzessin ein echter Blattschuss.

Plum Sykes: Ich bin trotzdem romantisch. Ich würde niemanden heiraten, wenn ich ihn nicht lieben würde. Ich denke schon, dass er mehr Geld hat als ich. Aber ich habe ihn nie gefragt, ob er reich ist.

BRIGITTE: Für Ihr Debüt haben Sie einen Vorschuss von 625000 Dollar bekommen. Und doch haben Sie noch das alte Beuteschema.

Plum Sykes: Man möchte jemanden heiraten, der auf gleicher Augenhöhe ist.

BRIGITTE: Also hat diese Verbindung auch etwas mit Ehrgeiz zu tun.

Plum Sykes: Natürlich. Ich bin ehrgeizig. Und ich möchte nicht arm sein. Meine Eltern hatten eine ziemlich unerfreuliche Scheidung. Sie haben ihr ganzes Geld verloren. Wenn du behütet aufwächst, und dann wird dir alles weggenommen - das ist eine schlimme Erfahrung.

BRIGITTE: Mal abgesehen von Ihrem reichen Verlobten - die Ich-Erzählerin Moi in Ihrem Roman hat überaus viel mit Ihnen gemeinsam. Sie kommt aus England, arbeitet als Journalistin in den Bereichen Mode und Society und ist nicht so reich wie all die anderen Mädchen, mit denen sie sich umgibt.

Plum Sykes: Sicher gibt es einige Parallelen. Ich war verlobt und habe diese Verlobung gelöst, genau wie Moi im Roman. Ich bin auch schon mit einigen Privatjets geflogen.

BRIGITTE: Viele amerikanische Literaturkritiker haben Ihnen Distanzlosigkeit vorgeworfen: Das eigene Leben zu beschreiben sei noch lange keine Kunst. Eine Kollegin vom "Time Magazine" nennt Sie sogar eine "prätentiöse Null".

Plum Sykes: Ach wirklich? Dann tut es mir Leid, dass sie so wenig Humor hat. Mein Roman soll keine Reflexion des wahren Lebens sein. Ich bin Autorin. Ich bin keine Park-Avenue-Prinzessin. Ich sitze jeden Tag zu Hause und arbeite - mittlerweile an meinem nächsten Buch.

BRIGITTE: Wenn Sie nicht gerade in Donald Trumps Privatjet sitzen.

Plum Sykes: Ach, diese Geschichte. Meine Schwester, die auch hier in New York als Moderedakteurin arbeitet, und ich wollten zu einer Verlobungsparty nach Palm Beach. Als wir keinen Flug mehr bekamen, meinte sie, Donald würde uns jederzeit irgendwohin bringen. Also haben wir ihn angerufen. Er hat uns dann den ganzen Flug über Witze erzählt. Aber wenn er nur witzig und intelligent wäre und nicht reich - ich glaube nicht, dass ihn ein tschechisches Model heiraten würde.

BRIGITTE: Der Mann ist reich, die Frau ist schön. Ein klassisches Tauschgeschäft. Ist Schönheit die wichtigste Waffe einer Frau?

Plum Sykes: In Kombination mit Charme. Man muss sich nur Kate Moss anschauen. Der Grund, warum sie immer noch so erfolgreich ist: Sie hat mehr Charme in ihrem kleinen Finger als alle anderen Supermodels zusammen.

BRIGITTE: Angeblich sind Sie nicht nur mit Kate Moss, sondern auch mit Gwyneth Paltrow befreundet, seit Sie einmal ein Interview mit ihr geführt haben.

Plum Sykes: Na ja, ich habe Kate Moss und Gwyneth Paltrow vielleicht jeweils dreimal getroffen. Das ist mehr eine Arbeitsbeziehung.

BRIGITTE: Die beiden scheinen selbst so viel Geld zu verdienen, dass sie sich mit weniger finanzkräftigen Exemplaren wie Musikern und anderen Szenetypen abgeben.

Plum Sykes: Früher habe ich auch solche komplizierten Typen gehabt. Aber diese Phase liegt zum Glück hinter mir.

Plum Sykes: "Park Avenue Prinzessinnen" (352 S., 7,95 Euro, Goldmann Taschenbuch)

Victoria (Plum) Sykes wurde als eines von sechs Geschwistern in der englischen Mittelklasse geboren. Nach New York kam sie 1997, wo die Oxford-Absolventin als Protegé ihrer Arbeitgeberin, der mächtigen "Vogue"-Chefredakteurin Anna Wintour, und als Verlobte des angesagten Künstlers Damian Loeb zum Liebling der Gesellschaft avancierte. Die dramatische Auflösung der Verlobung, eine Affäre mit Bryan Adams und ihre Kontakte zu Stars wie Kate Moss oder Gwyneth Paltrow haben Sykes endgültig zu einem Mitglied jener Kreise gemacht, die sie in ihrem Buch "Park Avenue Prinzessinnen" gewitzt beschreibt. Aus der Perspektive der Erzählerin Moi gewährt Sykes Einblick in das Leben der Kaufhaus-Erbin und Mega-Bitch Julie Bergdorf und ihrer Freundinnen, die - obwohl selbst außerordentlich wohlhabend - nicht mehr wollen als einen protzigen Verlobungsring am Finger.

Interview: Anne Petersen BRIGITTE 11/2005

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