Gottschalk geht zu Bohlen: Mach mal Pause, Thommy!

Thomas Gottschalk wird demnächst mit Dieter Bohlen die RTL-Show "Das Supertalent" moderieren. Hat er das wirklich nötig? Ein offener Brief von BRIGITTE.de-Redakteur Henning Hönicke.

Lieber Thomas,

ich bin ja echt froh, dass du jetzt als Arbeitsloser nicht gleich in eine lange Depression verfallen bist und gleich wieder neue Projekte ankurbelst. Aber kann ich dich in deinem berufsjugendlichen Eifer kurz bremsen und was Wichtiges sagen? MACH MAL PAUSE!

Das fällt dir bestimmt nicht leicht, ich kann das verstehen. Wenn man sein ganzes Leben dauerhaft im Fernsehen ist, kann man vermutlich nicht einfach in der kalifornischen Villa rumsitzen und die Enten im Pool füttern wie andere Rentner. Aber: Du bist ein Sonderfall, Thomas!

Auch, wenn wir dich in den letzten Jahren nicht mehr ganz so cool fanden (und uns gegenseitig erzählten, dass du das Top-Google-Ergebnis für "Fremdschämen" bist): Keiner würde ernsthaft daran zweifeln, dass du unser letzter, großer Showmaster bist. Das liegt daran, dass es "große Showmaster" einfach nicht mehr gibt. Du warst der letzte, der uns tatsächlich noch alle vor den Fernseher gekriegt hat, um dir beim Witzeln mit Wettkandidaten zuzusehen. Und auch, wenn wir das nicht immer komisch fanden: Keiner würde dich in einen Topf mit Kai Pflaume, Oliver Geißen, Jörg Pilawa und den ganzen anderen Ersatzbank-Moderatoren werfen (Hallo Herr Lanz!).

Aber: Genau in dem Topf machst du es dir jetzt bequem. Reserverad im Dieter-Bohlen-Panel? Echt jetzt?

Wenn du nach "Wetten Dass?" einfach Schluss gemacht hättest, wärst du, ohne Übertreibung, ganz Deutschland als lebende, überragende Moderations-Legende in Erinnerung geblieben. Angesammelte Peinlichkeiten hätten wir nach spätestens zehn Jahren verdrängt, oder fänden sie dann drollig. Durch deine ARD-Bauchlandung hat dein Show-Titanen-Status einen kleinen Kratzer bekommen, aber den nimmt dir langfristig niemand übel. Du bist nicht auf Nummer sicher gegangen, und hast dich was völlig Neues getraut. Hat nicht geklappt, aber einen Versuch war's wert.

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Aber das "Supertalent"? Was um alles in der Welt kannst du dir nur davon versprechen? Geld hast du doch genug. Es kann dir nur darum gehen, weiter ein Publikum zu haben und relevant zu bleiben. Aber: Damit erreichst du eher das Gegenteil. "Moderations-Assistenz von Dieter Bohlen" ist der erste Schritt des klassischen Promi-Abstiegs, der irgendwann mit "perfektem Dinner" und "Dschungelcamp" endet. Und da wollen wir dich doch echt nicht sehen (auch, wenn die Zwischenphasen "Der Bachelor - Gottschalk-Edition" und "Promi-Frauentausch" gewiss sehr unterhaltsam wären).

Du musst ja nicht gleich in den Ruhestand gehen! Nimm dir einfach ein paar Jahre Pause und schau zu, wie die Sender versuchen, ohne dich klarzukommen. Und dann, wenn genug Leute dich wirklich vermissen, dann kannst du mit einer fantastischen, neuen Idee zurückkommen (solange es kein neuer Film mit Mike Krüger ist). Selbst wenn die kein Hit werden sollte - niemand hat dann das Gefühl, dass du dich unnötig verramscht hättest.

Es sei denn, das ist genau deine Absicht. Falls du es alles satt hast und vorsätzlich an deinem Denkmal-Sockel sägen möchtest, ist deine Entscheidung natürlich superb. In dem Fall kann ich nur sagen: Viel Spaß, und tob dich aus! Ein "scheißegal, ich hab nichts mehr zu verlieren"-Gottschalk wäre vielleicht sogar wieder das, was wir vor dreißig Jahren mal toll fanden: ein wirklich witziger, unangepasster Moderator, der sich im Gegensatz zu den braven Kollegen endlich mal was traut. Doch, für ein patziges "Ihr könnt mich alle mal"-Comeback ist das "Supertalent" natürlich eine gute Wahl! In dem Fall: Vollgas, Thomas! It's better to burn out than to fade away!

Es könnte allerdings passieren, dass dir dabei dann keiner mehr zusehen möchte.

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