Wer war Sylvia Plath?

Unvereinbare Träume - eine kleine Biografie der Dichterin Sylvia Plath.

Sylvia Plath

Die Dichterin Sylvia Plath, am 27. Oktober 1932 in Jamaica Plain bei Boston geboren, war eine Frau voller Sehnsüchte, die immer alles auf einmal wollte. Auf der einen Seite träumte sie davon, ein Leben für ihren Beruf führen zu können, das Schreiben. Andererseits sehnte sie sich nach dem bürgerlichen Glück, mit ihr als perfekter Mutter, die ihren beiden Kindern den selbstgebackenen Kuchen in den Garten bringt. Glücklich wurde sie nicht - sie rieb sich auf zwischen diesen unvereinbaren Träumen und nahm sich mit nur 30 Jahren das Leben.

Schon als 18-Jährige hatte Sylvia Plath das Gefühl, sich hinter einer Maske verstecken zu müssen, wie sie damals in einem Gedicht schrieb. Es war eine Maske aus Lächeln, gutem Aussehen und - für sie am wichtigsten - beruflichem Erfolg, der durch zahlreiche Preise und Stipendien unterstrichen wurde. Doch immer wieder überschatteten psychische Zusammenbrüche ihr Leben. 1953 unternahm sie einen Selbstmordversuch. Sie verkroch sich im Keller und schluckte eine große Anzahl Schlaftabletten. Erst drei Tage später wurde sie entdeckt und ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie sich einer intensiven Behandlung aus Psychotherapie und Elektroschocks unterzog. Die Therapie nahm sie wenige Jahre später heimlich wieder auf.

Doch zunächst machte sie 1954 ihren Abschluss summa cum laude am Smith College in Northampton, Massachusetts, und ging danach, ausgerüstet mit einem Stipendium, ans Newham College in Cambridge. Dort lernte sie 1956 den englischen Dichter Ted Hughes kennen, kurze Zeit später heirateten sie. 1957 siedelte das Schriftsteller-Paar nach Amerika über, wo Sylvia Plath eine Stelle an ihrem altem College annahm und Ted Hughes seinen literarischen Erfolg weiter ausbauen konnte.

Zwei Jahre später kehrten sie nach England zurück, und am 1. April 1960 kam Tochter Frida auf die Welt. Im gleichen Jahr erschien Sylvia Plaths erster Gedichtband "The Colossus".

Eine Fehlgeburt führte 1961 dazu, dass sich Sylvias depressive Stimmungen verstärkten. Ted und sie entfremdeten sich immer mehr. Daran konnte auch das zweite gemeinsame Kind - Sohn Nicholas kam am 17. Januar 1962 auf die Welt - nichts ändern. Im Juli 1962 fand Sylvia heraus, dass ihr Mann ein Verhältnis hatte. Nach sechs Jahren war die Ehe mit Ted Hughes gescheitert.

Die letzten Monate ihres Lebens verbrachte Sylvia Plath mit den Kindern in London. Es waren ihre produktivsten, doch gleichzeitig vereinsamte sie, wurde immer verzweifelter und depressiver. Am 11. Februar 1963 nahm sie sich das Leben, indem sie in ihrer Küche den Kopf in den Gasofen steckte.

Seit ihrem Tod streitet die Nachwelt über Sylvia Plath: Als feministische Gallionsfigur, die wie kaum eine andere die Frustration der Frauen zwischen Beruf und Familie beschrieb, sehen sie die einen. Als psychisch Kranke, gegen deren Depression alle machtlos waren, wird sie von Ted Hughes und einigen früheren Freunden dargestellt.

Wir haben glücklicherweise die Möglichkeit, uns anhand von Sylvias Werken und ihren Tagebüchern ein eigenes Bild zu machen - wenn auch Ted Hughes ihre letzten beiden Tagebücher vernichtet hat. Geblieben sind neben Briefen und Tagebüchern vor allem der Gedichtband "Ariel", die Erzählungen in "Bibel der Träume" und die "Glasglocke", Sylvias einziger Roman. Mit der Heldin der "Glasglocke", Esther Greenwood, schuf Sylvia Plath eine Art weiblichen Holden Caudfield aus Salingers "Der Fänger im Roggen".

Zumindest über ihr Werk ist sich die Nachwelt einig: Sylvia Plath zählt heute zu den bedeutendsten Vertreterinnen moderner, amerikanischer Lyrik.

Die Tagebücher

Sylvia Plaths private Aufzeichnungen beginnen 1950 und enden im Mai 1962. Sie ermöglichen einen unverstellten Blick auf ihre komplizierte psychische Lebens- und Schaffenssituation. (Frankfurter Verlagsanstalt, 500 Seiten, 28 Euro)

Die Glasglocke

"Die Glasglocke", Sylvias Plaths einziger Roman, erschien 1963 kurz nach ihrem Tod. Das Buch schildert den schwierigen Prozess des Erwachsenwerdens im prüden Amerika der 1950er Jahre und ist stark autobiographisch geprägt. (Wagenbach, 160 Seiten, 8,90 Euro)

Die Bibel der Träume

Auch Sylvia Plaths Erzählband "Die Bibel der Träume" basiert auf persönlichen Erfahrungen. Sie verarbeitet in dem Buch Erinnerungen an ihre Kindheit im Haus ihrer Großeltern und erzählt von einer Angestellten im Krankenhaus, die die Alpträume der Patienten aus der psychiatrischen Abteilung sammelt - bis sie schließlich selbst in den Mühlen der Psychiatrie landet. (Piper, 256 Seiten, 8,90 Euro)

Ariel

Die Gedichtsammlung "Ariel" verfasste Sylvia Plath nur wenige Wochen vor ihrem Tod. Ihr Mann Ted Hughes brachte die Gedichte, aus denen Sylvias Selbstmordabsichten deutlich hervorgehen, 1965 heraus. 1982 wurde Sylvia Plath für "Ariel" postum der Pulitzer-Preis verliehen. (Suhrkamp, 176 Seiten, 14,80 Euro)

Ted Hughes' Birthday Letters

Nach Sylvias Tod weigerte sich Ted Hughes lange Jahre über seine Frau zu sprechen, erst recht, nachdem er in den siebziger Jahren von einigen Leuten für ihren Selbstmord verantwortlich gemacht wurde. 1998 brach er sein Schweigen, indem er den Gedichtband "Birthday Letters" herausgab. Die 88 Gedichte beziehen sich auf Ereignisse in der Beziehung des Dichter-Paares. Im Oktober 1998 starb Ted Hughes an Krebs. (Frankfurter Verlagsanstalt, 210 Seiten, 19,50 Euro)

Christina Schneider/kw
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