Zeitumstellung: Wer hat an der Uhr gedreht?

Jedes Jahr im Oktober wirft die Zeitumstellung wieder die gleiche Frage auf: "Wird die Uhr jetzt vor- oder zurückgestellt?" Und die kurzfristig denkenden Zeitgenossen unter uns jubeln verzückt: "Au ja, eine Stunde länger schlafen!"

Um es gleich klar zu stellen: Die Uhr wird in der Nacht zum 25. Oktober um eine Stunde zurückgestellt. Was also am 24. Oktober noch 18 Uhr war, ist ab dem 25. Oktober 17 Uhr. Im Klartext heißt das: Wenn es am 24. Oktober um 19 Uhr dunkel wurde, wird es am 25. Oktober schon um 18 Uhr dunkel.

Die Freude über die Zeitumstellung ist daher unverzeihlich kurzsichtig. Denn der Luxus, ein einziges Mal eine Stunde länger schlafen zu können, rächt sich mit unverhältnismäßiger Härte: mit langen sechs Monaten oder mehr als 180 Tagen Lichtmangel. Statt um 17.30 Uhr wird es im Winter um 16.30 Uhr dunkel, statt um 17 Uhr um 16 Uhr. Tritt man nach Feierabend vor die Tür, ist es - dunkel. Nacht. Man wird zum Nachtmenschen, ohne Licht, ohne Lust. Außerdem: Was soll dieses "Au ja, länger schlafen!" eigentlich? Schließlich wird die Uhr am Wochenende umgestellt. Und da kann ohnehin (fast) jeder so lange schlafen wie er will.

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Die Fragen angesichts des synchronen Uhrenverdrehens müssten viel mehr lauten: "Muss das sein?" und "Was soll das?". Zur Erinnerung: Die Winterzeit ist die "normale" Mitteleuropäische Zeit (MEZ), die es schon immer gab. Die Sommerzeit wurde in vielen Ländern eingeführt, um durch eine längere Nutzung des Tageslichts Energie zu sparen. In Deutschland wurde sie mit dem "Zeitgesetz vom 25. Juli 1978" festgelegt und 1980 eingeführt. Dort steht zum Beispiel, dass die doppelte Stunde am Übergang zur Winterzeit mit 2 A und 2 B bezeichnet wird. Die öffentlichen Uhren werden per Funk von den Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig umgestellt. Übrigens: In Deutschland gab es schon früher Zeitumstellungen. 1947 wurde gleich drei Mal an der Uhr gedreht, als es neben der Sommerzeit auch eine Hochsommerzeit gab.

Inzwischen weiß man längst, dass durch die Sommerzeit keine Energie gespart wird. Zwar wird weniger Lichtenergie verbraucht, aber im März, April und Oktober wird morgens dafür mehr geheizt. Außerdem leiden viele - gerade ältere - Menschen unter der Zeitumstellung, und am ersten Morgen der Sommerzeit passieren mehr Unfälle als an anderen Tagen.

Trotzdem finden wir: Schafft die Winterzeit und nicht die Sommerzeit ab! So hätten wir das ganze Jahr über gefühlt längere Tage und die leidigen, halbjährlichen Diskussionen darüber, ob die Uhren nun vor- oder zurückgestellt werden, hätten auch ein Ende. Der Satz "Wir leben in der Sommerzeit" klingt außerdem viel charmanter als "Wir leben in der Winterzeit".

Susanne Arndt

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