Mando Diao: "Unsere Musik ist sexy"


Ob bei "Rock im Park" oder "Rock am See" - Mando Diao rocken den Festival-Sommer. Im Interview verriet uns Sänger Björn Dixgård, was er als Frau alles anstellen würde. Und warum Mando Diao so viele weibliche Fans haben
Schicke Schweden von links nach rechts: Carl-Johan, Mats, Samuel, Björn und Gustaf.
Schicke Schweden von links nach rechts: Carl-Johan, Mats, Samuel, Björn und Gustaf.
© Baldur Bragason

Diese fünf Schweden machen nicht nur tolle Musik. Sie sehen auch noch unverschämt gut aus dabei. Mando Diao haben sich in den letzten Jahren vom Indie-Geheimtipp zu echten Rock'n'Roll-Stars entwickelt. Im Interview spricht Sänger Björn Dixgård über den Hit "Dance With Somebody", Whitney Houston und tolle Brüste.

Mando Diao: "Unsere Musik ist sexy"

Unsere Musik ist sexy

Brigitte Young Miss: Ihr habt sehr viele weibliche Fans. Macht ihr Musik für Mädchen?

Björn Dixgård: Nein, nicht bewusst. Aber Frauen scheinen unsere Musik zu mögen. Bei den Beatles oder Elvis Presley war es genauso. Die Mädels stehen in der ersten Reihe und kreischen. Die Jungs sieht man nicht auf den ersten Blick, weil sie weiter hinten stehen. Obwohl - bei uns sind es schon mehr Frauen. Unsere Musik ist halt sehr sexy.

Brigitte Young Miss: Aha. Was gefällt den Frauen denn so an euerer Musik?

Björn Dixgård: Ich denke, sie mögen unsere Songs und unsere Auftritte. Und natürlich, wie wir dabei aussehen.

Brigitte Young Miss: Legt ihr großen Wert aufs Aussehen?

Björn Dixgård: Ja, aber wir verbiegen uns nicht. Die Frisuren sind sehr wichtig. Und wir ziehen immer schwarze Klamotten an, das ist unsere einzige Fashion-Regel.

Brigitte Young Miss: Auch wenn du nur mal schnell zum Supermarkt gehst?

Björn Dixgård: Das meiste in meinem Kleiderschrank ist schwarz. Das ist praktisch, ich muss mir nie Gedanken darüber machen, was zusammenpasst. Johnny Cash trug auch immer Schwarz, für ihn war jeder Tag wie ein Begräbnis. Das finde ich ziemlich cool.

Brigitte Young Miss: Wenn du einen Tag lang eine Frau sein könntest, was würdest du tun?

Björn Dixgård: Wahrscheinlich würde ich probieren, Sex mit einem Mann zu haben. Außerdem würde ich mich betrinken und versuchen zu singen. Das stelle ich mir interessant vor: Mando Diao in der weiblichen Version.

Björn über super Brüste und prügelnde Frauen

Wir wollen, dass die Leute tanzen

Brigitte Young Miss: In High Heels, einem eurer neuen Songs, geht es darum, wie scharf eine Frau in hohen Schuhen aussieht. Was findest du sonst noch attraktiv?

Björn Dixgård: Sie muss nicht perfekt sein. Manchmal ist es eine Kleinigkeit, die mich umhaut. Zum Beispiel tolle Beine, eine schöne Nase, super Brüste. Es kann alles mögliche sein, ich habe einen sehr breit gefächerten Geschmack.

Brigitte Young Miss: Das macht die Sache leichter. Gibt es trotzdem etwas, das dich richtig abtörnt?

Björn Dixgård: Schwer zu sagen. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Ich mag es auf jeden Fall gar nicht, wenn Mädchen gewalttätig sind. Manche haben schon versucht, mich zu schlagen.

Brigitte Young Miss: Ernsthaft, du wurdest von Frauen verprügelt?

Björn Dixgård: Ja, die machen das, um cool zu sein. Sie benehmen sich total daneben und glauben, es sei charmant. Das ist ein großer Abtörner.

Brigitte Young Miss: Lass uns über euer Album sprechen. Ihr habt mal gesagt, dass jede neue CD für euch wie ein neues Kapitel ist. Worum geht es denn auf "Give Me Fire"?

Björn Dixgård: Wir wollen den Leuten einheizen, sie sollen zu dem Album richtig tanzen. Die Texte sind sehr persönlich. Andere schreiben Tagebuch, ich schreibe Songs. Wir machen das nicht nur, um Geld zu verdienen. Es geht auch um die Inhalte.

Brigitte Young Miss: Einige nennen die Platte auch euer "White Album", weil ihr viel experimentiert habt. Nerven diese ewigen Vergleiche mit den Beatles nicht langsam?

Björn Dixgård: Es ist schon interessant, was manche Leute in unsere Musik hineininterpretieren. Wir wollen unsere Songs nicht analysieren, das sollen andere übernehmen. Wenn jemand in uns die Beatles sieht - warum nicht.

Björn über Selbstzweifel und Songwriting

Wir sind unsere größten Kritiker

Mando Diao: "Unsere Musik ist sexy"
© Baldur Bragason

Brigitte Young Miss: Wer ist bei euch der Paul McCartney? Und wer der John Lennon?

Björn Dixgård: Gustaf wäre Paul McCartney, er will immer die Kontrolle behalten und arbeitet sehr konzentriert. Ich bin nicht so fokussiert, und ich glaube, John Lennon war es auch nicht. Er schrieb seine Songs ganz spontan, wenn sie zu ihm kamen.

Brigitte Young Miss: Du bist also eher ein John Lennon?

Björn Dixgård: Das kann ich schlecht beurteilen. Es ist schwierig, sich mit ihm zu vergleichen.

Brigitte Young Miss: Also gut, reden wir über euren Song "Dance With Somebody". Ich habe mit einer Kollegin darüber gesprochen und sie meinte: 'Ach, ist das nicht von Whitney Houston'. Ist der gleiche Titel Zufall?

Björn Dixgård: Ja, ich habe beim Schreiben nicht an das Lied von Whitney gedacht. Obwohl ich sie mag. Aber ich denke nie an jemand anderen, wenn ich meine Songs schreibe. Das ist ein ganz abstrakter Moment. Du bist in einer besonderen Stimmung, da sitzt du nicht rum und kopierst irgendetwas. Du entscheidest auch nicht bewusst, wie der Song klingen soll. Es ist schwer zu erklären. Ich weiß selbst nicht, wie ich die Melodien finde, es passiert einfach.

Brigitte Young Miss: Klingt nach Zauberei.

Björn Dixgård: Ja, auf gewisse Weise ist es Magie. Dabei kommen auch viele schlechte Melodien heraus, die musst du wegschmeißen.

Brigitte Young Miss: Zerbrichst du dir oft den Kopf darüber, ob eure Songs etwas taugen?

Björn Dixgård: Wir sind unsere größten Kritiker. Wenn wir eine neue Platte aufnehmen, kommen in der Mitte des ganzen Prozesses die Zweifel auf. Dann suchen wir uns die besten Songs aus und hoffen, dass auch andere sie mögen werden.

Brigitte Young Miss: Für "Give Me Fire" habt ihr mit einem Hip-Hop-Produzenten gearbeitet, das Ergebnis hört sich entsprechend vielseitig an. Was kommt als nächstes? Werdet ihr irgendwann rappen?

Björn Dixgård: Wer weiß. Es hat so viel Spaß gemacht, mit den Leuten zu arbeiten, weil sie so ein breites Spektrum haben und so viel über Musik wissen. Sie sind total offen, nehmen zum Beispiel ein Reggaeton-Element und packen es in einen Rock’n’Roll-Song. Ich hoffe, dass wir auch beim nächsten Album mit ihnen zusammenarbeiten und diesen Stil weiterentwickeln können.

Brigitte Young Miss: Plant ihr schon das nächste Album?

Björn Dixgård: Klar. Wir schreiben ständig neue Songs. Außerdem haben wir jetzt unser eigenes Studio und können dort aufnehmen, wann immer wir Lust haben. Das neue Album haben wir schon im Hinterkopf.

Interview Julia Müller

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