Max Herre: "Ich glaube an große Liebe"

Max Herre ist zurück! Fünf Jahre nach seinem ersten Soloalbum meldet sich der Freundeskreis-Frontmann mit neuer Platte zurück. Wir haben Max zum Interview gebeten.

Fünf Jahre sind vergangen, seitdem Max Herre sein erstes und bislang letztes Soloalbum veröffentlichte. Fünf Jahre, in denen er Höhen und Tiefen erlebte: Die Jubiläumstour mit seinen Freundeskreis-Kollegen etwa, aber auch die traurige Trennung von Joy Denalane. Kein Wunder also, dass der Vater von zwei Söhnen sein neues Album "Ein Geschenkter Tag" nutzt, um vieles zu verarbeiten, neue Hoffnung zu schöpfen und wieder bei sich selbst anzukommen. Nur die Hip-Hop-Bässe hat er mittlerweile gegen seine Gitarre eingetauscht.

Als wir Max an einem Freitagnachmittag in Hamburg trafen, fielen uns gleich seine traurigen, durchdringenden Augen auf. Und doch schafften wir es, ihm ein großes Lächeln zu entlocken. Bei welcher Gelegenheit? Als wir ihn fragten, ob er noch an große Liebe glaubt.

Ein ehrliches Gespräch über unermüdliche Hoffnungen, glückliche Liebespaare und erbarmungslose Sinnkrisen.

Brigitte Young Miss: Auf deinem neuen Album singst du von Hoffnung, vom Blick nach vorn. Bist du ein Optimist?

Max Herre: Ja, ganz bestimmt. Das sind wir wahrscheinlich alle, vor allem wenn uns keine Wahl bleibt. Als Eltern ist es schwierig, wenn man nicht wenigstens ein bisschen Hoffnung hat, dass sich die Dinge zum Guten wenden können.

Brigitte Young Miss: Wie gehst du mit Niederlagen um?

Max Herre: Ich hab keine bestimmte Strategie. Ich taumel' auch schon mal und muss mich erholen. Aber ich hab ja einen tollen Beruf, der selbst aus Sinnkrisen noch etwas Produktives entstehen lässt.

Brigitte Young Miss: Machen dich Niederlagen denn kreativer?

Max Herre: In der Stunde der Niederlage bin ich nicht kreativ. Aber Niederlagen lehren mich generell bestimmte Dinge und helfen mir, Erfahrungen zu sammeln. Daraus resultiert dann wieder Kreativität.

Brigitte Young Miss: Wenn all diese Erfahrungen in dein Album "Ein Geschenkter Tag" eingeflossen sind, müsste es doch eigentlich dein persönlichstes Album bisher sein...

Max Herre: Auf jeden Fall war ich bei diesem Album sehr mit mir beschäftigt. Ich wollte aber auch allgemeine Gefühle beschreiben, denn jeder hat schon eine Trennung erlebt und kann sich darin wiederfinden. Einen Song wie "Blick nach vorn" etwa kann man in verschiedensten Situationen lesen und als Trennungs-Song verstehen oder einfach generell als einen Rückschlag, mit dem man konfrontiert wird und nachdem man sich schnell wieder aufrappelt und weitergeht.

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Max Herre: "Zusammenzubleiben ist nicht immer der Königsweg"

Brigitte Young Miss: Es muss schwer für dich gewesen zu sein, als über ein so privates Thema wie deine Trennung von Joy öffentlich diskutiert wurde...

Max Herre: Wir haben es über ein halbes Jahr für uns behalten. Als die ersten Zeitungen anfragten, haben wir schließlich beschlossen, eine zweizeilige Pressemitteilung rauszugeben. Glücklicherweise sind die Leute mit uns sehr respektvoll umgegangen und haben verstanden, dass das nichts war, was wir gesucht haben. Wir waren einfach ein öffentliches Paar, weil wir zusammen den Song "Mit Dir" gemacht und uns darüber verliebt haben. Daher war es eigentlich klar, dass die Leute interessiert daran waren, wie es mit uns weiterging.

Brigitte Young Miss: Glaubst du trotzdem noch an die eine große Liebe?

Max Herre: Ich weiß nicht, ob ich an die eine große Liebe glaub, aber ich glaub an große Liebe. Ja, natürlich! Ich bewundere Menschen und Paare, die den Weg so lange gemeinsam gehen und so toll zusammen sind wie Helmut Schmidt und seine Frau. Das wünscht man sich natürlich, wenn man heiratet und Kinder bekommt. Aber manchmal klappt es nicht und letztendlich ist es auch eine Errungenschaft, sich entscheiden zu können. Wir leben heute in einer Zeit, in der man nicht mehr so aufeinander angewiesen ist. Und es gibt einfach Konstellationen, in denen man glücklicher ist, wenn man sich eingesteht: "Du, wir sind einen Weg zusammen gegangen und jetzt ist vielleicht etwas anderes für uns besser". Gerade auch, wenn Kinder involviert sind. Es ist nicht immer der Königsweg zu sagen, wir bleiben auf Biegen und Brechen zusammen. Kinder spüren, ob man zusammen zufrieden ist oder nicht.

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Max Herre: Griechischer Wein

Brigitte Young Miss: Gibt es Menschen, auf denen zurzeit deine Hoffnung ruht?

Max Herre: Auf meinen Kindern natürlich. Und auf jungen Leuten, die engagiert sind. Aber ich glaub nicht an diese eine Person, diesen einen Messias, dem alle nachlaufen. Barack Obama zum Beispiel ist ein toller Mann. Aber am Ende ist natürlich auch er eingebunden in eine bestimmte Systematik und muss in einer bestimmten Logik funktionieren. Insofern glaube ich nicht, dass es den einen Menschen geben kann, der das Heil über die Welt bringt.

Brigitte Young Miss: Findest du es trotzdem wichtig, wählen zu gehen?

Max Herre: Ja, man sollte schon seine Stimme wahrnehmen, die man in einer Demokratie hat. Ich finde es aber auch okay, wenn man hingeht, den Wahlzettel durchstreicht und sagt: "Ihr seid alle nicht das, was ich mir vorstelle". Die Behauptung, "Wer nicht zur Wahl geht, ist apolitisch", finde ich zu kurz gedacht, denn viele Leute haben einfach den Glauben an die Parteien und Institutionen verloren und denken nicht, dass sich mit der Wahlstimme, die sie abgeben, irgendetwas ändert. Das kann ich nachvollziehen. Es gibt viele Leute, die sich auf außerparlamentarischer Ebene engagieren, in Bürgerinitiativen oder im Ehrenamt, und die sind unter Umständen viel politischer als Menschen, die einmal in vier Jahren ihre Stimme abgeben.

Brigitte Young Miss: Dein Album heißt "Ein Geschenkter Tag". Was würdest du mit einem geschenkten Tag machen?

Max Herre: Die Menschen um mich scharen, die ich gern hab und auf einer griechischen Insel ein Fest feiern. Das Tolle an einem geschenkten Tag ist ja, dass jeder ihn so gestalten kann, wie er will.

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