"Ich sing für dich, wenn deine Lieder traurig sind"

Diese Stimme geht unter die Haut: Die Berliner Sängerin Maya Saban hat mit "Hautnah" eine emotionale Soul-Platte vorgelegt. Im BYM.de-Interview erzählt Maya, warum sie nicht Englisch singt, und warum ihre erste Single-Auskopplung ein ganz besonderer Song für sie ist -

"Schreiben wie im Ferienlager"

BYM.de: Maya, du hast eineinhalb Jahre an deinem neuen Album "Hautnah" gearbeitet. Warum so lange?

Maya Saban: So lange finde ich das gar nicht - wir hätten uns sogar noch mehr Zeit nehmen können. Nach der Promophase zu meinem ersten Album "Mit jedem Ton" vor eineinhalb Jahren habe ich außerdem erstmal in Thailand an dem Charityprojekt "Home" teilgenommen: Wir haben vor Ort mit Kindern aus einem Waisendorf ein Album aufgenommen. Mittlerweile haben wir es geschafft, mit Spenden ein zweites Dorf zu eröffnen, dort leben 120 Kinder. Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt. Danach habe ich viele Songs mit Freunden in Dortmund, Berlin und Hamburg geschrieben - das Ganze hatte fast Ferienlagercharakter. Wir haben immer bei irgendeinem geschlafen, haben uns abends im Wohnzimmer zum Essen getroffen, eine Flasche Wein aufgemacht und über das Leben, die Liebe und Ängste philosophiert. Dabei sind ganz viele Songs entstanden. Meistens bin ich mit am Klavier komponierten Ideen von Zuhause gekommen, habe meine Themen angesprochen - so kamen die Songs zustande.

BYM.de: Welche Themen waren das?

Maya Saban: In der Zeit stand ich an einem Wendepunkt. Ich habe ich mein Leben noch mal überdacht, meine Beziehungen, meine Freundschaften, was ich will vom Leben - darüber habe ich total viel geschrieben.

BYM.de: Dein 30. Geburtstag rückt unaufhaltsam näher...

Maya Saban: Eigentlich habe ich keine Angst vor dem Älterwerden. Es geht eher darum, mir Träume zu erfüllen. In diese Richtung gingen meine Gedanken: Was möchte ich jetzt? Wie mache ich das? Wo möchte ich hin? Solche Fragen muss man sich stellen, damit man seinen Weg vor Augen hat.

"Ich liebe es, meine Geschichte zu erzählen"

BYM.de: Hat dein Album eine Botschaft?

Maya Saban: Was ich in meiner Bio so gerne mag, ist der Satz: "Ich sing für dich, wenn deine Lieder traurig sind" - das drückt für mich Folgendes aus: Das ist meine Platte und das sind meine Gefühle, meine Gefühlswelt steckt dort drin. Ich glaube, ein Songwriter ist Geschichtenerzähler und ich liebe es, meine Geschichten zu erzählen und Leuten damit Denkanstöße zu geben. Mir gefällt der Gedanke, dass ich vielleicht sogar eine Art Sprachrohr für andere bin. Mir geht es selbst genau so. Ich liebe die Platte von India Arie. Wenn sie singt "I'm ready for love", dann ist das nicht sie, das bin ich, sie singt über mich. Dieses Gefühl hatte ich immer und dasselbe wollte ich mit meiner Platte auch schaffen. Dass ich über mich spreche, aber dass sich jeder in meinen Texten wiederfindet.

BYM.de: Hast du bestimmte Leute vor Augen, wenn du Lieder singst oder schreibst?

Maya Saban: Ja klar. Ich "ernähre" mich quasi von meiner Außenwelt, ich denke viel über meine zwischenmenschlichen Beziehungen nach und habe viel über tiefe, jahrelange Freundschaften und meine Partner geschrieben. In denke an mich, an die Situation, in der ich mich befinde und schreibe dann darüber.

"Ich träume in Deutsch, also singe ich in Deutsch"

BYM.de: Es ist sicher ein schönes Gefühl, wenn man nach eineinhalb Jahren ein Album fertig hat und präsentieren darf. Da ist man doch sicher unglaublich stolz, oder?

Maya Saban: Total. Ich war den ganzen Februar mit Sasha auf Tour und da kannte noch niemand meine neuen Songs. Das Album da zu präsentieren war sehr aufregend und schön, denn das Sasha-Publikum ist sehr herzlich und hat uns toll aufgenommen. Nach dem dritten oder vierten Konzert haben die Leute meine Lieder mitgesungen, das war echt super.

BYM.de: Warum singst du auf Deutsch und nicht auf Englisch?

Maya Saban: Ich denke und ich träume auf Deutsch. Und wenn ich mich streite, wütend bin oder jemandem eine Liebeserklärung mache, dann mache ich das auf Deutsch! Englisch ist einfach nicht meine Sprache.

"Früher wollte ich berühmt und toll geschminkt werden"

BYM.de: Wolltest du schon immer Sängerin werden? Immerhin hast du schon mit 16 einen Plattenvertrag unterschrieben.

Maya Saban: Ich stand mit sieben Jahren das erste Mal auf der Bühne und habe in die leuchtenden Augen meines Vaters geschaut, für den ich ein Lied gesungen habe. In dem Moment war mir klar, dass ich singen muss und will. Richtig, bei meinem ersten Plattenvertrag war ich 16 und habe mit meiner besten Freundin eine Band gehabt - damals ging es uns allerdings noch ums Berühmtwerden, wir wollten singen und toll geschminkt werden! Später habe ich dann gemerkt, dass dazu mehr gehört: Künstlerin auf der Bühne zu sein bedeutet, dass die Bühne dein Zuhause ist und dass Leute kommen, um dich zu besuchen. Du bist Gastgeber und möchtest dich von deiner besten Seite zeigen, aber auch von dir erzählen. Mir hat es irgendwann nicht mehr gereicht, Songs zu singen, die ich nicht selbst schreibe, die mich nicht ausdrücken.

BYM.de: Wie würdest du Menschen, die deine Musik nicht kennen, erklären, wie sich "Maya Saban" anhört?

Maya Saban: Meine Musik ist Folk-Pop oder Euro-Soul mit etwas Chanson gemischt. Obwohl sie melancholisch und traurig ist, ist sie doch verständlich, so dass man sich hoffentlich in die Gefühle, die ich ausdrücke, hineinversetzen kann. Wenn ich es schaffe, von mir zu erzählen und dadurch den Leuten aus dem Herzen zu sprechen - dann habe ich alles erreicht.

BYM.de: Ist "Hautnah" eine CD zum Autofahren oder eher passend für ein Candle-Light-Dinner?

Maya Saban: Beides! Ich liebe es, das Album beim Autofahren zu hören. Aber ich freue mich auch, wenn man sich bei schönem Wetter auf eine Wiese setzt, ein Picknick macht und sich "Hautnah" anhört. Klar ist die Platte nachdenklich, aber eigentlich bin ich ein positiver Mensch und ich versuche, die Dinge nicht übermäßig dramatisch darzustellen. Ich bin jemand, der nach vorne guckt.

"Ich liebe die Supremes!"

BYM.de: Gibt es Bands, die dich stark geprägt haben?

Maya Saban: Ich liebe die Supremes! Cool and the Gang fand ich früher super. Heute liebe ich Kooks, Phoenix und Stevie Wonder, auch Alicia Keys ist super. Irgendwann einmal so wie sie Klavierspielen zu können wäre klasse. Generell inspirieren mich Künstler, die verstanden haben, dass der Weg zur Platte auch schwer sein kann, aber man den Glauben an sich selbst nicht verlieren darf. Dann kommt man irgendwann auch an sein Ziel.

BYM.de: Was ist denn dein Ziel?

Maya Saban: Mit der zweiten Platte habe ich schon ein großes Ziel erreicht. Ich würde gerne immer spielen, immer auftreten können und mit meinen Fans im Austausch bleiben. Ich würde gerne alt und weise werden, in meinem Schaukelstuhl sitzen und das Gefühl haben, alles, was ich gemacht habe, war richtig und gut. Materielle Ziele habe ich nicht. Ich möchte mir immer treu bleiben und das machen, was mir mein Herz sagt.

"Ein Duett mit Herbert Grönemeyer wäre großartig"

BYM.de: Wie wichtig ist dir die Meinung deiner Freunde und Familie zu neuen Songs?

Maya Saban: Die Meinung der anderen ist mir ziemlich wichtig. Mit meinen ersten Demos bin ich zu meinem Bruder und meinen Freunden gegangen wollte wissen, ob sie meine Songs fühlen können. Mit deren Kritik kann ich gut umgehen, denn diese Menschen kennen mich am besten. Und wenn ich es schaffe, sie zu überzeugen, dann schaffe ich es auch mit dem Rest der Welt.

BYM.de: Gibt es einen Künstler, mit dem du gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Maya Saban: Herbert Grönemeyer wäre großartig, Nina Hagen wäre super! Ich habe schon mit Cosmo Klein, Schiller, Xavier Naidoo und Sabrina Setlur zusammengearbeitet - das war alles schon großartig. Ich liebe Duette, liebe es, wenn Künstler zusammenarbeiten. Im Moment konzentriere ich mich zwar auf mein Album, bin für solche Dinge aber immer offen.

BYM.de: Warum ist "Hautnah" deine erste Single geworden?

Maya Saban: "Ich sing für dich, wenn deine Lieder traurig sind" ist mein Leitsatz, der über dem ganzen Album, aber besonders über "Hautnah" steht. Der Song gibt mir viel Halt und Kraft und ich hoffe, dass er auch für andere Halt und Sicherheit bedeutet. Meine neue Single "Klare Liebe" vermittelt auch dieses Gefühl von "Alles wird gut."

"Hautnah - nur nackt"

BYM.de: Dein Video ist sehr ästhetisch geworden. War es denn komisch, sich nackt zu zeigen?

Maya Saban: Für mich war relativ schnell klar, dass wir den Song nur mit nackter Haut visualisieren können. Zunächst wollten wir nur den Text auf die Körper projizieren, doch dann hat Regisseur Oliver Sommer vorgeschlagen, dass wir alle nackt zusammensitzen und den Song singen. Das war schon ein toller Moment, denn das war das erste Mal seit eineinhalb Jahren, dass Leute meine Lieder mitgesungen haben und dass ich mit einem Song an die Öffentlichkeit gegangen bin.

BYM.de: Wann können dich deine Fans sehen?

Maya Saban: Da ich gerade erst mit Sasha auf Tour war, ist in näherer Zukunft keine Tournee geplant. Wir versuchen allerdings, im Sommer so viel wie möglich auf Festivals zu spielen. Alle Daten gibt es auf meiner Homepage.

BYM.de: Welche CD hast du gerade auf deinem iPod?

Maya Saban: "Ayo" und "Undiscovered" von James Morrison

"Ich bin ziemlich diplomatisch und ehrgeizig"

BYM.de: Wenn du dich beschreiben müsstest - wer oder wie ist Maya?

Maya Saban: Das ist schwer zu beantworten, denn ich befinde mich gerade in einer Phase, in der ich mich selbst finde. Ich würde mich als ziemlich diplomatisch und ehrgeizig beschreiben, etwas ungeduldig. Außerdem denke ich zu viel nach und müsste schneller auf den Punkt kommen. Im Großen und Ganzen versuche ich aber, mir selbst und meinem Weg treu zu bleiben.

BYM.de: Du lebst in Berlin, hast du dort einen Lieblingsplatz?

Maya Saban: : Ich mag das Café am neuen See und Schloss Charlottenburg. Auch die Bergmannstraße in Berlin ist toll, da gibt es viele gemütliche Cafés. Ich mag es auch, einfach durch die Stadt zu laufen und mir die Sehenswürdigkeiten anzugucken - und bei meiner Oma auf dem Balkon zu sitzen!

BYM.de: Vielen Dank, Maya!

Hörproben

Maya Saban - "Hautnah" (WIN)Maya Saban - "Hautnah" (REAL)
Bildmaterial Emi
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