Colbie Caillat - very bubbly!

Die süße Colbie Caillat lässt uns träumen, Jennifer Lopez tanzen und José González relaxen. Außerdem gibt es Neues von den Stereophonics, Pohlmann und Siouxsie

Colbie Caillat - "Coco"

Ihr liebt Jack Johnson? Dann dürfte euch das Debüt von Colbie Caillat sicher auch gefallen. Die Kalifornierin, die mit ihrem Ohrwurm-Song "Bubbly" im Moment aus den Playlists der Radiostationen nicht mehr wegzudenken ist, scheint die Gelassenheit gepachtet zu haben. Dank einfacher Melodien und einer sanften warmen Stimme singt sich die Frau, deren Songs auf ihrer MySpace-Seite rund zehn Millionen Mal abgespielt wurden, ziemlich entspannt durch ihr Album. Bei "Tied Down" versucht sich Colbie sogar an hawaiianischem Reggae, was wunderbar charmant klingt. Auch wenn das Album sehr gefällt, Wandlungsfähigkeit und überraschende Einfälle darf man nicht erwarten. Colbie hält ihren Stil ohne Ausnahme durch, selbst deutliche Tempowechsel gibt es nicht. Was ja nicht schlecht ist, manchmal braucht man eben 43 Minuten unaufgeregte Entspannung.

Unbedingt anhören: * Bubbly * The little thing * Tied Down

VÖ: 24.07.

Stereophonics - "Pull the pin"

Liebe Stereophonics-Fans, jetzt bitte ganz stark bleiben: Die Band aus Wales liefert mit ihrem neuen Album "Pull the pin" - immerhin schon das sechste - nur noch ein mittelmäßiges Werk ab, bei dem gilt: Stark gestartet, stark nachgelassen. Die meisten der zwölf Songs sind so monoton, dass man nach der Hälfte leicht genervt zum nächsten Track weiterswitchen will. Sicherlich rockt die Stimme von Sänger Kelly Jones ungemein, doch vermag sie nicht einen Song ohne Entwicklung zu tragen. Sehr viel besser passt das Reibeisen zu Balladen - das haben die Stereophonics 2003 mit ihrem Ohrwurm "Maybe Tomorrow" bewiesen. Auch auf der neuen Platte stechen langsamere Tracks wie "Bride Red Star" hervor, bei dem Jones nur von einer Akustikgitarre begleitet wird - ein Gänsehaut-Highlight der Platte. Ein Ausnahmesong ist auch "Stone", der sich nach verhaltenem Anfang kontinuierlich steigert und am Ende ziemlich rockt. Das tut auch das vergleichsweise harte "Soldiers make good targets" - so muss ein düsterer, dreckiger und verruchter 70ies-Rock-Song sein. Also doch nicht alles schlecht. Aber unbedingt ausbaufähig.

Unbedingt anhören: * Daisy Lane * Bride Red Star * Stone

VÖ: 12.10.


Pohlmann - "Fliegende Fische"

Eines vorneweg: Ingo Pohlmann kann singen. Sehr gut sogar. Es macht Spaß, sich auf sein Stimmorgan einzulassen und einfach nur zuzuhören. Und auch seine Texte sind so eingängig, dass es meist nur ein oder zwei Durchläufe braucht, um die Lieder mitzusingen. Das ist ihm schon bei "Wenn jetzt Sommer wär" gelungen und das schafft Pohlmann auch bei "Wenn es scheint, dass nichts gelingt". Allerdings, ein Poet ist an dem gelernten Maurer nicht verloren gegangen, ein wenig tiefgründigere Zeilen hätten "Fliegende Fische" schon gut getan. Und auf Dauer wird der Gitarrensound ein wenig langweilig, da hätten wir uns ein wenig mehr Abwechslung gewünscht. Nichtsdestotrotz sind Lieder wie "Mädchen und Rabauken", "Fliegende Fische" und besonders "Mördersong" gelungene Tracks, die Lust auf Tanzen, Singen und mehr machen. Ach ja, wenn jetzt Sommer wär...

Unbedingt anhören: * Wenn es scheint, dass nichts gelingt * Mädchen und Rabauken * Fliegende Fische

VÖ: 21.09.

José González - "In our nature"

Erinnert ihr euch an das Akustik-Lied, das in einem Spot für einen Fernseher lauter bunte hüpfende Bälle begleitete? Dann wisst ihr ungefähr, wie José González klingt: zurückgenommen und sehr entspannt. Der Schwede mit argentinischen Wurzeln wurde mit dieser Werbespoteinbindung schlagartig bekannt, sein Album "Veneers" verkaufte sich zahlreich. Wer das Erstlingswerk schon gut fand, wird von "In our nature" begeistert sein. González hat diesmal von verklärter Liebe Abstand genommen und widmet sich lieber der Evolution und ihren Folgen. Und das ist wirklich schön. Im Opener "How low" braucht er nur wenige Worte und Akkorde, um eine schaurig-schöne Atmosphäre zu erzeugen. Das Massive Attack-Cover "Teardrop" steht dem Original in nichts nach. Auch "Killing for love" und "Fold" sind wunderschöne Lieder, González lullt uns mit seinem tranceartigen Akustiksound herrlich ein, der sich durch das gesamte Album zieht. Vielschichtig, ernst und sehr ruhig kommt der Schwede daher - das gefällt uns ohne Ausnahme.

Unbedingt anhören: * Down the line * Killing for love * In our nature

VÖ: 28.09.


Jennifer Loprez - "Brave"

Na also, Frau Lopez, es geht doch! Endlich hat die Sängerin, Schauspielerin, Designerin und Vielleicht-Mama das Flehen ihrer Fans erhört und ist zu ihren Sound-Wurzeln zurückgekehrt. Nach den Flops "Rebirth" und "Como ama una mujer" setzt die Lopez nun wieder auf HipHop-, Dance- und Pop-Grooves und streicht langweilige und vor Schmalz triefende Balladen und glatte RnB-Liedchen aus ihrem Repertoire. Mit der Hilfe von Knöpfchendreher wie J.R. Rootem (The Game, Snoop Dogg) und Dirty Swift und Bruce Waynne (50 Cent, Kanye West) ist "Brave" modern, poppig und vor allem ziemlich tanzbar geworden, die erste Single "Do it well" ist ein gutes Beispiel hierfür. Eine echte Überraschung ist "Wrong when you're gone" - die Lopez, die eigentlich keine Stimme dafür hat, kann Balladen singen! Auch textlich lässt uns die Diva endlich mit Einblicken in private Liebesgeschichtchen in Ruhe, von denen wir eigentlich gar nichts wissen wollen. Es geht um Spaß am Leben, baby! Das scheint auch "The Butt" endlich eingesehen zu haben.

Unbedingt anhören: * Stay together * Forever * Wrong when you're gone

VÖ: 05.10.

Katie Melua - "Pictures"

Die letzten Jahre haben viele Singer/Songwriterinnen hervorgebracht, aber keine wurde von dieser Welle so hochgespült wie Katie Melua. Die Engländerin mit georgischem Hintergrund hat mit ihren ersten beiden Alben "Call of the search" und "Piece by piece" einen Durchbruch wie er im Buche steht hingelegt. Die zarte, immer ein wenig entrückt klingende Stimme und die ohne Frage große optische Anziehungskraft brachten die mittlerweile 23-Jährige innerhalb kürzester Zeit in Radiostationen und auf Magazin-Cover. Auch das neue Werk "Pictures" wird den Ritt auf der Erfolgswelle nicht beenden, in gewohnter Manier singt sich Katie durch die zwölf Songs. Immer anschmiegsam und doch ein wenig distanziert, die Stimme mit ein wenig Hall aufgepumpt und mit dezenter Hintergrundmusik. Schön ist das und immer sehr entspannt. Gute Laune macht "Spellbound", sentimental "If you were a sailboat". Eine Weiterentwicklung bzw. Erweiterung des Repertoires findet in "Ghost town" statt, Katie greift hier zu Reggae-Klängen. Zu ganz relaxten Klängen versteht sich. Aber das passt ja am besten zu Katie Melua.

Unbedingt anhören: * Mary Pickford * Scary Films * Ghost Town

VÖ: 28.09.


Kanye West - "Graduation"

Hier macht einer auf ganz dicke Hose. Selbstverliebt, selbstbeweihräuchernd, protzig, mit hochgestelltem Kragen und mit ziemlich stolz geschwellter Brust lobt sich da einer ohne Unterbrechung. Warum man Kanye West das aber nicht übel nimmt? Die Antwort ist einfach: Der Mann tut dies auf einem grandiosen Album, das durchweg Spaß macht. West, der 2004 mit "College Dropout" und ein Jahr später mit "Late Registration" die HipHop-Welt wie im Sturm eroberte, mehrere Grammys abräumte und John Legend entdeckte, schießt uns mit "Graduation" 13 Songs in die Gehörgänge, die einfach Stil haben. Schon mit der Singleauskopplung "Stronger", in dem er einen Track von Daft Punk sampelte, mixte West auf geniale und stimmige Weise HipHop und Dancemusik. Immer wieder bedient sich der Rapper an alten Songs und gibt ihnen seine eigene Handschrift. Echte Perlen sind "The Glory" und "Homecoming". Ein richtiger Sunshine-Track ist "Good Life", bei dem West von T-Pain gefeaturt wird. Dass für West auch Balladen kein Hindernis sind, zeigt "Everything I am" - wunderschön. Ganz klar, dieser Mann kann es sich leisten, selbstbewusst zu sein.

Unbedingt anhören: * Champion * Stronger * Everything I am

VÖ: 07.09.

Sono - "Panoramic view"

Tanzen? Tanzen. Tanzen! Der Wunsch, die Beine zu bewegen, auf und ab zu hüpfen und die Arme ekstatisch durch die Luft zu wirbeln, stellt sich beim Genuss von "Panoramic view" fast augenblicklich ein. Schon der zweite Track, "All those city lights", bleibt sofort im Gedächtnis und die Vorstellung, wie es wohl bei einem Live-Gig von Sono abgehen muss, ist berauschend. Nach "Solid State" und "Off" ist dies nun der dritte Streich der Band um Sänger Lennart Salomon, denn die zwei anderen Mitglieder Florian Sikorski und Martin Weiland eigentlich nur als Vocalist für eine Single engagiert hatten, ihn danach aber gar nicht mehr gehen lassen wollten. Gut für Sono, denn Salomon passt perfekt zur Gruppe. Seine Stimme fügt sich hervorragend in die Rock-/Pop-/Dance-Tracks ein, die immer wieder auch housig und sehr tanzbar daherkommen. "Too many madmen" ist so ein Stück, das wenig akustische Ausreißer, dafür aber umso mehr Dynamik bietet. Auch "The brightest star" scheint zu schreien: Tanzen, tanzen, tanzen!

Unbedingt anhören: * All those city lights * Someday * The brightest star

VÖ: 05.10.


Will.i.am - "Songs about girls"

Kein Projekt ohne will.i.am - diesen Eindruck erwecken die vielen Platten, bei denen der kreative Kopf der Black Eyed Peas seine Finger mit im Spiel hat. Justin Timberlake, Common oder bald Michael Jackson - will.i.am hat viel Energie und Spaß an seiner Arbeit. Kein Wunder also, dass er mit "Songs about girls" in der Bandpause mal schnell sein mittlerweile drittes Soloalbum aufgenommen hat. Auf diesem gibt es den gewohnten BEP-Sound zu hören, der durch ein paar Fetzen Funk, Pop und House aufgemöbelt wird. Das Tempo der Platte ist überraschend zurückgenommen, Tanzknüller sind nicht zu finden. Unangenehm fällt "The Donque Song" mit Snoop Dogg auf - der Track erinnert nämlich schmerzlich an Eurodance. Das muss doch nicht sein. Viel besser sind dagegen "Fantastic" und "Fly girl" gelungen - funkig, poppig, will.i.am in Höchstform.

Unbedingt anhören: * Over * Fly girl * Make it funky

VÖ: 28.09.

Siouxsie - "Mantaray"

Sie ist Mitbegründerin von Punk und New Wave und auch aus dem Gothic Rock ist sie nicht wegzudenken. Bei den Banshees und den Creatures hatte sie ihre Finger mit im Spiel, doch erst jetzt - nach über dreißigjähriger Karriere - bringt Siouxsie Sioux mit "Mantaray" ihr erstes Soloalbum auf den Markt. Und das muss sich hinter den Band-Platten nicht verstecken, im Gegenteil. Die Songs auf dem Album, vor allem die getrageneren, passen wunderbar zu der brüchigen, rauen Stimme der "Ice Queen". Stücke wie "Sea of tranquility" und "It it doesn't kill you" sind die eindeutigen Highlights von "Mantaray". Siouxsie macht sich alle Stile zu Eigen, Pop, Jazz, Soul, Trance - es passt einfach alles zusammen. Fast alles - die erste Single "Into a swan" ist nämlich ziemlich in die Hose gegangen, der düstere Song ist sperrig und klingt ziemlich öde. Aber auch eine Siouxsie darf mal Fehler machen - wenn der Rest umso besser ist.

Unbedingt anhören: * About to happen * One mile below * Sea of tranquility

VÖ: 14.09.

Le Peuple de l 'Herbe - "Radio Blood Money"

"You never never know how the history goes.." - Das dachten sich vermutlich auch die Jungs von Le Peuple de L ?Herbe, die mit ihrem vierten Album "Radio Blood Money" den atomaren Ernstfall proben. Als Inspirationsquelle für das Konzeptalbum diente den vier Franzosen aus Lyon der Roman "Dr Bloodmoney" des kultigen Science-Fiction-Autors Phillip K. Dick: Nach einem Atomschlag beschließt hier eine Handvoll Widerständler mit ihrem Radioprogramm Hoffnung und Widerstandskraft unter den Überlebenden zu stärken. Wie die Übertragung eines Piratensender klingt dann auch das Ergebnis! Die Band begeistert mit einem wilden Mix aus Hip Hop, Rap, Reggae, Elektro und sogar Rock und lässt sich damit musikalisch gesehen schwer in eine Schublade stecken. Mit vielen Samples und sozialkritischen Lyrics garniert liefern sie so ein groovig, treibendes Werk ab, das trotz stilistischer Vielfalt in sich stimmig ist und vor allem mächtig in die Beine geht.

Unbedingt anhören: *History goes *Judge not *Plastic People

VÖ: 14.09.

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