Musik-Tipps im Februar

Bodenständiges von Sheryl Crow, Abgedrehtes von Los Campesinos und Pathetisches von Ruben Cossani - in Sachen Musik bietet der angebrochene März für jeden Geschmack etwas. Sogar Nick Cave lässt mal wieder von sich hören -

Sheryl Crow - "Detours"

Es ist viel passiert im Leben von Sheryl Crow, seitdem sie im September 2005 ihr letztes Album "Wildflower" herausbrachte. Erst verlobte sie sich mit Radprofi Lance Armstrong, um im Februar 2006 die Trennung zu verkünden. Dann wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert und sie muss sich operieren lassen. Wieder gesund adoptierte sie schließlich im Sommer 2007 Sohn Waytt. Ja, es hat sich einiges bei Sängerin. Doch es gab auch eine Konstante: ihre Musik. Die bleibt auch auf ihrer neuen Platte wie sie ist: Eingängig, aufs Wesentlichste, also Gitarre und Crows Stimme, reduziert. Wer auf musikalische Überraschungen hoffte, sollte "Detours" im Platteladen lieber stehen lassen. Anhänger des altbewährten Crowschen Folkpop-Sound dürfen dagegen beherzt zugreifen - und sich auch auf kleine Experimente freuen. Zum Beispiel bei "Peace Be Upon Us". Das Duett mit dem arabischen Sänger Ahmed Al Hirmi ist ein kleiner Ausflug Richtung Weltmusik. Ein wenig reifer und politischer ist Crow auch noch geworden. Sie macht sich lustig über die Öl-Politik ("Gasoline") und die Regierung ihres Landes ("God Bless This Mess"). Und es steht ihr gut, das politische. Da verzeiht man ihr auch eher nervig Nummern wie das Kirchen-Kinderlied ähnliche "Out of Our Heads".

Unbedingt anhören: * Lullaby For Wyatt * Love Is All There Is * Shine Over Babylon

VÖ: 22.02.

Los Campesinos - "Hold On Now Youngster"

Eine walisische Band mit einem spanischen Namen? Los Campesinos, zu Deutsch die Bauern, haben sich gerade nicht The Farmers oder The Peasants genannt und damit dem "The"-Hype eine deutliche Absage erteilt. Offensichtlich wollten sie nicht die nächsten in der Reihe sein: The Kooks, The Hives, The Strokes,... Man kann zwar nicht behaupten, dass Los Campesinos gar nichts mehr gemeinsam hätten mit ihren Kollegen aus der "The"-Reihe, doch frischer, unverbrauchter und origineller hören sie sich allemal an. Kinderchöre, Glockenspiel und Violine räumen auf mit eingefahrenen Indie-Gitarren-Rock-Strukturen und haben eine euphorisierend Wirkung, der man sich kaum entziehen kann. Nett auch das Zusammenspiel von Sänger Gareths rotziger Stimme und der sanften von Sängerin Aleks. Fast werden Erinnerungen an die legendären Pixies wach - fast. Ähnlich abgedreht sind Los Cammpesinos aber mit Sicherheit. Wie sonst kommt man darauf, einen Song "This Is How You Spell 'Hahaha, We Destroyed The Hopes And Dreams Of A Generation Of Faux-Romantics" zu nennen.

Unbedingt anhören:

* Knee Deep at ATP * We Are All Accelerated Readers * Sweet Dreams, Sweet Cheeks

VÖ: 22.02.

The National Bank - "Come On Over to The Other Side"

Für The National Bank tat sich bereits vor vier Jahren die Créme de la Créme der norwegischen Indieszene zusammen - mit durchschlagendem Erfolg. Gleich mit ihrem Debütalbum wurden die Norweger in ihrem Heimatland zur "Band des Jahres" gekrönt. Selbst für die Erfolgsverwöhnten Mitglieder eine Überraschung. Die Mitglieder, das sind der Singer/Songwriter Thomas Dybdahl, die Brüder Martin und Lars Horntveth von "Jaga Jazzist" an Gitarre und Schlagzeug, Bassist Nikolai Eilertsen von der Rockband Big Bang und den Keyboarder Morten Qvenild von The Shining. Nachdem die fünf für ihr Debüt mit Preisen überhäuft wurden, melden sie sich jetzt mit ihrem zweiten Album "Come On Over to The Other Side" zurück. Elektronische Experimentierfreudigkeit mischt sich darauf mit einer ordentlichen Portion Jazz zu einem nicht immer ganz eingängigen Pop. "Wir gehen musikalisch nie auf Nummer sicher. Wir experimentieren. Wir spielen. Es gibt keine Formel.", sagen die Norweger selbst über ihre Musik und treffen damit exakt den Punkt. Es gibt keine Formel. "Come on over to the Other Side" hat vor allem viele elektronische Unbekannte. Im Hintergrund der meisten Tracks fiept's, blubbert's, quietscht's - undefinierbare Geräusche, die sich mit Gitarre und Schlagzeug zu einem Ganzen fügen. Und darüber legt Thomas Dybdahls seine samtig-weiche Stimme wie eine dicke Schicht Zuckerwatte.

Unbedingt anhören: * Home * Taste of Me * Something New

VÖ: 22.02.

Ruben Cossani - "Tägliche Landschaft"

Mit Michel van Dyke hat die Hamburger Band Ruben Cossani so etwas wie einen Erfolgsgaranten mit an Bord. Bisher ausschließlich solo als Songschreiber und Produzent unterwegs wagt van Dyke jetzt den Schritt in ein festes Bandgefüge. Zusammen mit Konrad Wissmann und Leonard Valentin Lazar hat der gebürtige Niederländer und Wahl-Hamburger das Album "Tägliche Landschaft" aufgenommen. Das Ergebnis: 15 deutsche Popsongs, die einen deutlich heraushörbaren van-Dyke-Stempel tragen. Wer mit Michel van Dyke wenig in Verbindung bringen kann, erinnert sich sicherlich noch an Echt, jener Band um Sänger Kim Frank, die den Sprung von der ewig unterschätzten Teenieband zur ernst genommenen Erfolgskapelle schaffte. Für Echt komponierte van Dyke zwei ihrer größten Hits: "Wo bist Du jetzt?" und "Du trägst keine Liebe" in Dir. Große Gefühle stehen, den beiden Echt-Hits nicht unähnlich, auch auf "Tägliche Landschaft" deutlich im Vordergrund. Textlich wie musikalisch neigt das Album zum Pathos, manchmals zum Kitsch. Wer's mag....

Unbedingt anhören: * Haut * Besser jetzt * Zwillingsbruder

VÖ: 29.02.

Nick Cave & The Bad Seeds - "Dig, Lazarus, Dig"

Himmel, was ist denn mit Nick Cave los? Der Altmeister der Grabesstimme trägt neuerdings Schnubi. Was auch immer er mit dem handbesenartigen Gestrüpp über seiner Oberlippe sagen will, schöner macht's den 50-Jährigen nicht. Aber Schwamm drüber, was interessieren modische Experimente, wenn gerade sein neues Album erschienen ist. Das ist weniger experimentell als seine Gesichtstracht und größtenteils das, was man von ihm erwartet - vorausgesetzt man ist ein eingefleischter Fan. Diejenigen, die bei Nick Cave lediglich an sein Duett mit Kylie Minogue oder schwermütige Balladen denken, sollten sich auf lautere, schnellere Töne einstellen. "Einen Blutsturz aus Worten und Ideen", beschreibt er selbst sein jüngstes Werk. Keine schlechte Beschreibung. Refrains wie die von "Dig, Lazarus, Dig" und "We Call Upon The Author" sprudeln in der Tat blutsturzartig aus den Lautsprechern. Und dominierte auf den letzten Platten noch das Klavier, sind auf dem neuen Album raue Gitarren tonangebend. Überhaupt ist Nick Cave etwas ruppiger unterwegs. Nach insgesamt 13 Alben eine gute Entscheidung.

Unbedingt anhören: * Dig, Larzarus, Dig * We Call Upon The Author * Jesus of The Moon

VÖ: 29.02.

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