Pet Shop Boys: Zwei komische Jungs

"Du musst nicht schön sein, aber es hilft": Noch nie haben die Pet Shop Boys so offen und witzig von sich erzählt wie in diesem Interview.

BRIGITTE: Was für eine Enttäuschung! Ihr neues Album heißt "Yes". In unserem letzten Interview schwärmten Sie vom Handarbeiten, und Sie sagten, dass Ihr nächstes Album "Embroidery", Stickerei, heißen würde ...

Neil Tennant: Mensch, warum haben Sie uns nicht daran erinnert? Wir haben es garantiert zwei Minuten später vergessen. Dabei wäre es ein großartiger Titel.

Chris Lowe: Wo ich mir doch so gern im Fernsehen den Stickerei-Sender ansehe: "Handarbeiten mit Jane Asher". Vor allem die Nahaufnahmen, die sind spannend.

Neil Tennant: Wir haben beide in der Grundschule gestickt.

Chris Lowe: Ich hab vor allem den Kreuzstich geliebt. Der sieht so ordentlich aus.

Neil Tennant: Ja, Sticken war ein großer Spaß. Vor allem, nachdem ich als Kind die Geschichte von einem General im Ersten Weltkrieg gehört hatte, der wunderbar sticken konnte. Er war übrigens nicht schwul. Heutzutage stopfen die Menschen ja nicht mal ihre Socken selbst.

BRIGITTE: Sie sind ja richtige Experten.

Neil Tennant: Klar. Also: "Embroidery" kommt nächstes Mal. Das Bonusalbum mit den Remixes heißt dann "Knitting" - Stricken. Meine Mutter hat uns Kindern immer Pullis gestrickt. Zuerst den Kragen und die Bündchen von Hand und den Rest dann mit der Strickmaschine. Da spannte sie ein Stück Wolle ein, und dann ging die Maschine auf und ab. Diese Arbeit hat auch oft mein Vater übernommen. Die beiden waren ein nettes Team, wie in einer kleinen Künstlerwerkstatt.

BRIGITTE: Ihr neues Album heißt jetzt "Yes".

Neil Tennant: Das steht für "Ja, die Pet Shop Boys sind zurück". Viele der neuen Songs klingen sehr positiv und lebensbejahend.

BRIGITTE: Wie kommt das? Macht die Finanzkrise Sie fröhlich?

Chris Lowe: Die hat uns richtig gute Laune gemacht. Nein, die Finanzkrise hatte noch nicht angefangen, als wir diese Songs schrieben. Aber sie müssten jetzt sehr gut ankommen. Während die Leute in guten Zeiten eher traurige, nachdenkliche Musik mit Nabelschautendenz hören, lieben sie in Krisenzeiten fröhliche Songs, die die Stimmung heben und sie ihre Sorgen vergessen lassen. Insofern ist es eine gute Zeit für diese Musik. Für Eskapismus.

Neil Tennant: Die neuen Songs entstanden übrigens teilweise an einem schaurigen, aber historisch interessanten Ort. Wir arbeiteten mit dem Produzenten-Team Xenomenia, in deren Studio auf dem Land. Dort hat Alice Liddell gelebt, Vorbild für Lewis Carrolls "Alice im Wunderland". Sie ist in dem Raum gestorben,in dem heute die Musik abgemischt wird. Gibt es nicht eine Supermarktkette in Deutschland, die Liddell heißt?

BRIGITTE: Sie meinen Lidl?

Chris Lowe: Ist der Supermarkt nach ihr benannt?

Neil Tennant: Ich war mal in so einem Lidl. Ich fand es deprimierend. Kaiser's gefällt mir besser. Ich bin eher ein Kaiser's-Typ als ein Lidl-Typ. Die haben eine bessere Auswahl an Brot. Ich war ziemlich beeindruckt. Zu Hause kauf ich am liebsten im Safeway ein oder in unserem Dorfladen. Da kann ich wunderbar mit den Hausfrauen ein Schwätzchen halten. Und ich pack immer dasselbe in den Einkaufswagen: einen Laib Vollkornbrot, Apfelsaft, Naturjoghurt.

BRIGITTE: Sehr übersichtlich und bescheiden.

Chris Lowe: Ich geh am liebsten in die Bond Street und kaufe Kaviar und Champagner. All die teuren Sachen.

Neil Tennant: Champagner mag ich auch. Und guten Rotwein. Burgunder. Ich hatte eine Zeit lang eine Sommelière beschäftigt. Sie stellte mir den ganzen Keller voll mit Wein und legte mir Zettelchen auf die Kisten, auf denen dann zum Beispiel stand: "Dieser Wein sollte eine halbe Stunde vor Genuss geöffnet werden." Meine Lieblingsnotiz lautete: "Dieser Wein ist so sanft und so leicht, dass du ihn zu jeder Tageszeit trinken kannst. Sogar zum Frühstück." Gute Idee eigentlich.

BRIGITTE: Sie beschäftigen sich gern mit Handarbeiten, Styling, Einkaufen - das waren in Ihrer Kindheit die typischen Frauendomänen. Denken Sie auch an Frauen, wenn Sie Ihre Songs schreiben?

Neil Tennant: Ich denk an beide, an Männer und Frauen. Ich singe auf diesem Album oft Songs aus der Warte von jemand anderem. In "Beautiful People" geht es um eine Frau, die an einem regnerischen Tag in London an einer Bushaltestelle steht. Sie sieht sich die Magazincover am Zeitungsstand neben der Haltestelle an und denkt, dass sie gern ein Leben führen würde wie die Promis, die auf den Glamour-Zeitschriften abgebildet sind. In "Vulnerable" geht es um eine Frau, die ihre Verwundbarkeit hinter Härte versteckt.

BRIGITTE: Etwas, das Sie auch kennen?

Neil Tennant: Klar, das habe ich auch erlebt. Im Song "Pandemonium" gehe ich weiter. Da versetze ich mich in Mann und Frau und singe über die Beziehung von Kate Moss und Pete Doherty. Eine völlig verrückte Beziehung. Etwas, das ich auch schon durchgemacht habe.

"Heutzutage stopfen die Menschen ja nicht mal ihre Socken selbst"

BRIGITTE: Das passiert Ihnen nicht mehr?

Neil Tennant: Nein, inzwischen kenne ich das Muster und weiß, wie ich solche Dinge vermeiden kann.

BRIGITTE: Fühlen Sie sich lieber in eine Frau ein als in einen Mann?

Neil Tennant: In beide. Man engt sich selbst ein, wenn man die Welt nur durch die eigenen Augen sieht. Also stelle ich mir oft vor, was andere Menschen denken. Das fällt mir nicht schwer. Ich hab das schon als Kind gespielt. Das Fantasiespiel.

BRIGITTE: Eine gute Voraussetzung, wenn man Popstar werden will.

Neil Tennant: Wenn man so lange in einer Popgruppe ist, braucht man eine blühende Fantasie. Man muss ja auch die Rolle des Popstars konsequent durchziehen. Sonst fällt das ganze Ding auseinander. Als wir vor über 25 Jahren anfingen, war das nur eine Art Hobby für uns. Wir stellten uns vor: "Wir werden eine Popgruppe und haben Erfolg." Und das passierte dann tatsächlich. Da fühlte sich die Realität auf eine Art mehr wie ein Traum an als der Traum selbst. Plötzlich waren wir Nummer eins in Amerika. Das kommt mir heute noch verrückt vor.

BRIGITTE: Immerhin haben Sie Ihre Träume wahr werden lassen.

Neil Tennant: Das fing schon früh an. Schon als Student sah ich nicht ein, dass ich mir wie meine Kommilitonen bei den üblichen knochenharten Sommerjobs in der Fabrik die Hände schmutzig machen sollte. Ich interessierte mich für Geschichte und träumte von einem Job im Museum. Also rief ich beim British Museum an. Ich pickte mir wahllos eine der vielen Nummern dort raus und landete bei der Manuskript-Abteilung. Ich sagte: "Guten Tag. Ich bin Student. Ich hätte gern einen Sommerjob." Und sie antworteten: "Witzig, wir hatten uns gerade überlegt, dass wir auch mal Studenten anheuern könnten. Am besten kommen Sie gleich vorbei." 24 Stunden später hatte ich einen Job im Britischen Museum. Als Bibliothekar in der Manuskript- Abteilung.

BRIGITTE: Und - war's wirklich der Traumjob?

Neil Tennant: Es war großartig. Die Bibliothek ist ja inzwischen aus dem Britischen Museum ausgezogen. Aber damals lagen hinter den Ausstellungsräumen noch diese ellenlangen Korridore mit Büchern und Schriftstücken. Das war wie eine ganz andere Welt. Ich zog dort immer mit meinem Wägelchen voller Manuskripte durch die Gänge, vorbei an dem alten Mann, der tagein, tagaus Ledereinbände reparierte. Er hatte noch mehr Bisse von den Bücherläusen an den Handgelenken als ich.

Chris Lowe: Ich dachte, Bücherläuse fressen Bücher ...

Neil Tennant: Nein, die Läuse fressen nur die Ledereinbände. Deshalb fallen die ja auch auseinander. Ich bekam unglaubliche Papiere in die Hand, zum Beispiel das Notenblatt von Händels "Messias". Ich erinnere mich auch, dass ich mal ganz oben auf der Leiter stand und George Bernard Shaws Adressbuch durchblätterte. Ich fand das unendlich faszinierend. Und dann die Abteilung mit den gedruckten Büchern! Die war die spannendste.

BRIGITTE: Warum?

Neil Tennant: Immer wieder wurden Leute dabei erwischt, wie sie zwischen den riesigen Bücherregalen Sex hatten.

BRIGITTE: Sie auch?

Neil Tennant: Leider nicht. Aber in der Kantine erzählten sich die Leute aus der Bücherabteilung immer die neuesten Sexgeschichten. Mit den Storys war dann leider Schluss, als sie die Kantine schlossen, weil jemand an Lebensmittelvergiftung gestorben war.

Chris Lowe: Klingt nach einem sexy Job.

Neil Tennant: Die Erinnerung an die Arbeit dort hat mich auf eine Idee für einen Song gebracht, den ich demnächst schreiben will: "Die Geschichte der Welt aus der Vogelperspektive". Zum Beispiel der Vogelblick auf den Zweiten Weltkrieg.

BRIGITTE: Wie kommen Sie denn darauf?

Neil Tennant: Auf dem Dach der Säulenhalle des Britischen Museums trieben sich immer massenhaft Tauben herum. Und weil die so viel Dreck machten, ließ die Verwaltung einen Kleber auf dem Dach verteilen. Dadurch wurde vielen Tauben ein Bein abgerissen. Aber sie ließen sich nicht stören. Sie hatten trotzdem weiterhin ungebremst Sex auf dem Dach, nur eben einbeinig.

Chris Lowe: Grotesk.

Neil Tennant: Ziemlich, ja, irgendwann werde ich auch mal ein Album über das Britische Museum machen.

Chris Lowe: Einen Song aus der Sicht einer einbeinigen Taube.

BRIGITTE: Haben Sie aus dieser Zeit noch eine Vorliebe für einen bestimmten Autoren?

Chris Lowe: Also, ich lese gerade Enid Blyton, "Fünf Freunde auf der Felseninsel".

BRIGITTE: Das ist ein Kinderbuch.

Chris Lowe: Ja, ihr da draußen, damit ihr's wisst: Ich entwickle mich rückwärts.

Neil Tennant: Lesen Sie in Deutschland auch Enid Blyton?

BRIGITTE: Sie ist nach wie vor bei den deutschen Kindern beliebt.

Neil Tennant: So machen sich die Deutschen also ihr Bild von England.

Chris Lowe: Na ja. Bei Enid scheint immer die Sonne.

BRIGITTE: Ist Blytons Bild von England so falsch?

Neil Tennant: In den Enid-Blyton-Büchern erkenne ich einen Teil meiner Kindheit wieder. Deshalb mochten britische Mittelklassekinder ihre Bücher so. Ich war zwar nicht so weit oben, sondern eher untere Mittelklasse. Aber die Picknicks und das Essen und die Ingwerbrause und die sonnigen Tage: Das gab es bei mir auch.

Bester Freund, das klingt nach Spielplatz.

BRIGITTE: Was lesen Sie noch, abgesehen von Enid Blyton?

Neil Tennant: Ein Buch, das wir Anfang der 70er Jahre in englischer Literatur durchgenommen haben. "Der große Gatsby" von Francis Scott Fitzgerald. Es spielt im New York der 20er Jahre. Als ich es jetzt wieder las, war ich doch erstaunt, dass man den Jungs an einem katholischen Gymnasium so etwas vorsetzt - ein Buch über Ehebruch mit einem gewaltsamen Tod als Ausgang. Ich meine, es ist ein sehr schönes und auf eine Art auch trauriges und inspirierendes Werk. Mir gefällt, dass die Hauptperson so rätselhaft ist. Ich lese übrigens auch gern deutschsprachige Autoren. Stefan Zweig zum Beispiel, "Die Ungeduld des Herzens", oder Joseph Roths "Radetzkymarsch".

BRIGITTE: Warum?

Neil Tennant: Die österreichisch-ungarische Monarchie hat mich schon immer fasziniert. Auch während meines Geschichtsstudiums. Da habe ich mal eine Arbeit darüber geschrieben, dass es ein Fehler war, dass das österreichisch-ungarische Reich auseinandergebrochen ist. Damals dachten natürlich alle, ich sei völlig verrückt geworden. Aber die Geschichte hat doch bewiesen, dass es unmöglich ist, den Nationalismus als Lösung für alle mitteleuropäischen und südeuropäischen Länder zu sehen.

BRIGITTE: Ihre Geschichtsbesessenheit leben Sie auch im neuen Song "King of Rome" aus. Da singen Sie von der Einsamkeit, unter der Napoleons Sohn litt. Um ein ähnliches Thema scheint es auch in dem Song "Building a Wall" zu gehen.

Neil Tennant: Als ich "Building a Wall" schrieb, dachte ich dabei an eine innere Mauer, die ich aufbaue. Nicht um jemanden draußen zu halten, sondern um mich selbst drinnen zu halten. Der Titel bezieht sich auch auf die Berliner Mauer und die römische Mauer in Nordengland. Außerdem habe ich gerade im Garten meines Landhauses eine Mauer errichten lassen. Aber in Wirklichkeit geht es um mich.

BRIGITTE: Sie wollen eine bestimmte Person nicht näher an sich ranlassen?

Neil Tennant: Es ist eher eine Art Warnung an mich selbst, dass ich nicht eine innere Mauer aufbauen sollte. Denn je älter man wird, umso mehr ist man mit sich selbst beschäftigt. Man isoliert sich.

BRIGITTE: Das scheint besonders unter Promis ein Problem zu sein. Sind Ihre besten Freunde eher VIPs oder eher Unbekannte?

Neil Tennant: Die meisten sind eher nicht so bekannt. Bester Freund, das klingt nach Spielplatz. Mein bester Freund ist Chris. Er ist mein engster Freund.

Chris Lowe: (lacht) Mein bestester Freund. Aber Sie haben recht. Viele Promis tun sich mit anderen Promis zusammen. Sie fühlen sich unwohl, wenn sie nicht mit anderen wichtigen Menschen zusammen sind.

Neil Tennant: Vielleicht, weil Nicht-Promis annehmen, dass es einfach ist, ein berühmter Mensch zu sein.

Chris Lowe: Wussten Sie, dass Liz Hurley die Nobodys Zivilisten nennt?

Neil Tennant: Stimmt. (Blasiert:) "Es macht mir nichts aus, neben Zivilisten zu sitzen." Das ist ein Witz, aber ein ernster Witz. Na ja, es wundert mich nicht. Wenn du so berühmt bist wie sie, wirst du dauernd beobachtet und musst damit rechnen, dass du fotografiert wirst.

Chris Lowe: Du musst immerzu fabelhaft aussehen. Und deshalb tun sich wahrscheinlich berühmte Leute mit anderen berühmten Leuten zusammen. Weil sie wissen, was im Leben des anderen abgeht.

Neil Tennant: Nehmen Sie Liza Minnelli. Als Kind war sie mit Yul Brynners Sohn befreundet. Beide wuchsen in Hollywood auf. Liza tat sich hauptsächlich mit Leuten mit demselben Hintergrund zusammen, weil die ihre Nöte verstanden. Während der Rest der Welt dachte, ihr Leben sei glamourös und ein bisschen skurril. Liza hat mal gesagt, es sei so, als würden sich all diese Leute sofort erkennen, weil sie in derselben Industrie arbeiten. In diesem Fall in der Filmindustrie. Das ist wahrscheinlich ein bisschen so, als würden Sie in Wolfsburg leben, und Ihr Vater arbeitet bei VW.

Chris Lowe: Wir sind Außenseiter. Jemand hat uns als Insider-Außenseiter bezeichnet.

BRIGITTE: Und - stimmt das?

Chris Lowe: Wir sind die Schlangen im Gras.

BRIGITTE: Sie verstecken sich?

Neil Tennant: Nein, das tun wir nicht. Aber wir sorgen manchmal dafür, dass sich die Leute unwohl fühlen, wenn wir auf VIPVeranstaltungen auftauchen. Vielleicht weil wir diese Partys eigentlich hassen und sie im besten Falle komisch finden. Die Leute haben deshalb das Gefühl, wir würden mit höhnischem Lachen auf sie herabblicken. Aber das stimmt nicht. Wir fühlen uns nur fehl am Platz auf diesen Promi-Versammlungen.

BRIGITTE: Und warum ist das so?

Neil Tennant: Weil dort eine leicht künstliche Atmosphäre herrscht. Berühmte Menschen denken immer, dass sie einander kennen. Weil sie selbst auch berühmt sind.

BRIGITTE: Und das stimmt natürlich nicht.

Neil Tennant: Das stimmt nicht. "Oh, mein Lieber, wie geht es dir? Ich liiiebe dein neues Album." Diese Art von Unterhaltung, die zugegebenermaßen manchmal ja auch richtig nett gemeint ist. Maler oder Fotografen sprechen nie miteinander über ihre Arbeit. Musiker immer.

BRIGITTE: Aber der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans, der vor sieben Jahren das Video zu Ihrem Song "Home And Dry" drehte, hat sich mit Ihnen doch auch über seine Arbeit unterhalten.

Neil Tennant: Ja, schon. Wolfgang ist anders. Er redet aber am liebsten über Musik, wenn wir uns treffen. Er hat einen unserer Albumtitel vorgeschlagen, "Release". Außerdem sammelt er Eighties-Euro-Dance-Maxi- Singles. Darüber unterhält er sich gern. Ich hoffe, es macht ihm nichts aus, dass ich das hier verrate. Wolfgang weiß mindestens so viel über Musik wie wir.

BRIGITTE: Für Prominente ist das attraktive Äußere besonders wichtig. Spielt Schönheit auch eine Rolle, was Ihren Partner betrifft oder Ihre Freunde?

Neil Tennant: Schönheit ist wichtig. Ich finde, dass Schönheit sehr bewegend sein kann. So wie ich im Song "Love Etc." singe: "Du musst nicht schön sein. Aber es hilft." Ich glaube wirklich, dass es hilft.

BRIGITTE: Sie selbst helfen nach, indem Sie sich verkleiden.

Neil Tennant: Ich habe schon früh schöne Gewänder und dramatische Auftritte geliebt. Ich war mal ganz kurz Messdiener. Ich wär gern Priester geworden. Nicht wegen der Religion, sondern weil es da so tolle Klamotten und Räucherstäbchen gab. Das ist wie in einer guten Show. Ich kannte mal einen Priester, der hatte eine Garderobe, die war größer als ein Doppelbett. Voll mit Roben. Er war Armee-Kaplan in Asien gewesen. Und er hatte Gewänder mit chinesischen Madonnen drauf.

Chris Lowe: Hast du die Gewänder auch anprobiert?

Neil Tennant: Leider nicht.

BRIGITTE: Apropos Aussehen. Was macht Ihr Bauch?

Neil Tennant: Warum?

BRIGITTE: Vor einiger Zeit sagten Sie, dass Sie daran arbeiten, einen so straffen Bauch wie Madonna zu kriegen.

Chris Lowe: Das war doch wegen dieses Yogalehrers ...

Neil Tennant: Ach ja, also - ich hatte eine befreundete Künstlerin in ihrem Garten in einer dieser komischen Yoga-Verrenkungen erwischt. Sie stellte mir ihren Lehrer vor, der damals auch Geri Halliwell trainierte. Ich ging mit ihm zu Geris Konzert, er zeigte auf ihren straffen Körper und sagte stolz: "Das ist alles meine Kreation." Deshalb fing ich damit an.

Chris Lowe: Leider durfte ich nie zugucken. Ich hätte mich sicher nass gemacht vor Lachen.

BRIGITTE: Und - wie steht's mit Ihrer Figur?

Neil Tennant: Der Yogalehrer brannte mit einem Multimillionär durch. Inzwischen habe ich das Interesse an Yoga verloren. Ich kann Ihnen aber eine neue Art verraten, wie man einen festen Bauch kriegt.

BRIGITTE: Oh, bitte.

Neil Tennant: Sehen Sie sich Grace Jones live an. Ich habe sie kürzlich in London gesehen. Sie war großartig. Sie singt "Slave to the Rhythm" und lässt dazu ihren Bauch mit einem Hula-Hoop-Reifen kreisen. Und danach stellt sie ihre Band vor. Und dabei kreist sie immer noch mit dem Hula-Hoop-Reifen. Die Frau ist 60, und ich sage Ihnen, sie hat einen fantastischen Bauch.

BRIGITTE: Haben Sie auch schon einen Hula-Hoop-Reifen?

Neil Tennant: Ich denke daran, mir einen zu kaufen. Aber ich weiß nicht, ob ich so beweglich in den Hüften bin wie diese Frau.

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Interview: Christiane Rebmann Ein Artikel aus der BRIGITTE 09/09
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