Neu im Kino: "There Will Be Blood"

Ihr habt Daniel Day-Lewis als Bill "The Butcher" Cuttings in Martin Scorseses Meisterwerk "Gangs of New York" geliebt? Dann solltet ihr euch unbedingt auch "There Will Be Blood" angucken. Daniel Day-Lewis läuft in dem Epos über einen Öl-Tycoon zur Höchstform auf.

Karge Hügel, von verdorrtem Gras überzogen, reihen sich zu einer öden Landschaft aneinander. Keine Menschenseele scheint sich jemals hierher, in den tiefsten Westen der Vereinigten Staaten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, zu verirren. Doch die Hügel verheißen Glück für jeden, der sich in ihr dunkles Innerstes wagt und die Schätze zutage fördert, die sie in sich hüten. Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) ist so jemand. Auf der Suche nach Gold und Silber kämpft er mutterseelenallein Tag um Tag mit seiner Spitzhacke gegen die Erde an, gräbt sich immer tiefer in sie hinein. Und am Ende stößt er tatsächlich auf das erhoffte Glück. Er entdeckt eine Ölquelle. Ruhm und Reichtum sind zum Greifen nah. Doch das Geschäft mit dem schwarzen Gold kehrt auch die schmierig-schmutzige Seiten in Plainview nach außen.

Neu im Kino: "There Will Be Blood"

Es ist der klassische American Dream, dem Regisseur Paul Thomas Anderson mit "There will Be Blood" ein Denkmal setzt: Daniel Plainview schafft es vom Goldgräber zum Öl-Tycoon. Das allein würde das auf Upton Sinclairs Roman "Oil!" basierende Mammut-Werk allerdings nicht zu dem machen, was es ist: ein absolut beeindruckendes und oscarwürdiges Epos. Nein, der Film wird vor allem durch Daniel Day-Lewis meisterhaftes Schauspiel zu einem Streifen, der in jeder seiner fast 160 Minuten sehenswert bleibt. Wobei sehenswert über Strecken sehr wörtlich zu verstehen ist. So fällt etwa in den ersten 15 bis 20 Minuten außer einem "Nein" nicht ein Wort. Alles ist auf den Kampf Mann gegen Natur reduziert. Doch dann holt Day-Lewis alles aus sich heraus, was seine Zuschauer bereits in seiner Rolle des Bill Cuttings in Scorseses "Gangs of New York" faszinierte. Und das ist neben seiner unschlagbaren Bösewicht-Mimik vor allem seine Stimme: rauchig, eindringlich, geprägt von einer ordentlich Portion Größenwahn.

Liebevoller Vater oder knallharter Oilman

Bill Cuttings nicht unähnlich hat aber auch Plainview eine sanfte Seite. Er nimmt sich H. W.s, dem Sohn eines bei einem Grubenunfall ums Leben gekommenen Mitarbeiters, an, lässt ihn im Glauben aufwachsen, dass er sein Vater wäre. H. W. wird zu einer Art Verkaufsargument für Plainview. Immer dann, wenn es darum geht, neues Land aufzukaufen, um riesige Bohrtürme darauf zu pflanzen, ist H. W. an seiner Seite. Doch auch für Plainview selbst scheint der wortkarge Ziehson eine Art Rückversicherung zu sein, eine Garantie für seine Menschlichkeit, denn diese, scheint ihm mit jedem neuen Öl-Coup immer mehr verloren zu gehen. Plainview ist hin und her gerissen zwischen seinem Dasein als Vater und knallhartem Oilman. Eine Paraderolle für Day-Lewis.

Neben Day-Lewis brilliert ein weiteres Schauspieltalent in "There Will Be Blood!": Paul Dano. Zuletzt als Nietzsche schmökernder Bruder in "Little Miss Sunshine" zu sehen, schlüpft er diesmal in die Rolle des fanatischen Predigers Eli Sunday, Plainviews Gegenspieler. Die beiden liefern sich verbale Gefechte, die sich gewaschen haben. Eine Wonne, ihnen dabei zuzuschauen. Und zur Krönung wird das Ganze noch untermalt von einer Filmmusik aus den Händen des Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood.

Fazit

"There Will Be Blood" ist vor allem dank Daniel Day-Lewis' und Paul Danos schauspielerischer Leistung ein Muss für jeden Liebhaber großer Kino-Epen.

Text: Britta Hesener Fotos: X-Verleih

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