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Neu im Kino: XXY


Lucìa Puenzos einfühlsames Melodrama über die Identitätsfindung eines intersexuellen Jugendlichen wurde bereits vielfach ausgezeichnet und ist der Gewinnerfilm der Semaine de la Critique von Cannes
Neu im Kino: XXY
© KOOL Filmdistribution

In ihrem Zimmer stehen Puppen mit gebastelten Penissen. Alex (Inés Efron) ist 15 und wie ihre Puppen beides: Junge und Mädchen. Sie ist eines von etwa 2000 Kindern, die zweigeschlechtlich zur Welt kommen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fällen, haben ihre Eltern (Ricardo Darín, Valerie Bertuccelli) sich dagegen entschieden, dieser Entwicklung operativ entgegenzuwirken.

Doch je älter sie wird, desto mehr Probleme entstehen. Um dem Geschwätz der Leute zu entfliehen, ziehen ihre Eltern mit ihr aus Buenos Aires nach Uruguay ans Meer. Schnell tauchen hier dieselben Probleme auf. Ihre Mutter lädt einen befreundeten Chirurg und seine Familie ein. Die Frage steht ständig im Raum: Sollte man vielleicht doch? Alex will das alles nicht. Sie wünscht sich einfach normal zu leben, keine Operationen, kein Gerede mehr. Als sie und der Sohn des Chirurgen, Alvaro (Martín Piroyansky), sich näher kommen, wird alles noch komplizierter.

Entweder oder

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© KOOL Filmdistribution

Lucìa Puenzo thematisiert in ihrem mehrfach ausgezeichneten Film nicht nur das sexuelle Erwachen eines Intersexuellen, er handelt vom Anderssein, von Identitätsfindung, Selbstbestimmung, Menschlichkeit und von Toleranz. Es geht um die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen. Oder auch die Freiheit, keine Entscheidung treffen zu müssen. In einer Gesellschaft, die nur entweder oder akzeptiert, sieht sich Alex immer wieder mit Anfeindungen konfrontiert, die sie verstören. "Wenn ich so etwas Besonderes bin, warum darf ich dann keinem davon erzählen?", fragt sie ihren Vater.

Inés Efron spielt die Rolle der verunsicherten Alex sehr eindringlich. Sie kommt ganz ohne große Worte oder Gesten aus, um dem Zuschauer die Komplexität ihrer Person näher zu bringen.

Die melancholische Stimmung des Filmes wird von den Bildern und der Musik noch unterstrichen. Eine raue, wolkenverhangene Küstenlandschaft mit kargen Böden und stürmischer See ist die Kulisse des Melodramas.

Fazit

Neu im Kino: XXY
© KOOL Filmdistribution

Eine bewegende Studie über ein Thema, das immer noch totgeschwiegen wird. Glaubhaft und eindringlich umgesetzt.

Text Gudrun Möller

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