Neue Kinofilme im November

Diesen Monat neu im Kino: In "Liebe Mauer" dreht sich alles um den Mauerfall. Außerdem: Michael Moore meldet sich zurück. Und der deutsche Film "Ganz nah bei dir" begeistert die Kritiker

Im Kino: KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE

Neues aus der Feder des streitbaren Dokumentarfilm-Meisters Michael Moore. Diesmal kehrt der "Anwalt des kleinen Mannes" zu seinen Wurzeln, der Kapitalismus-Kritik, zurück. Den Auftakt bildet ein Rückblick ins antike Rom, dorthin, wo das Kapital von einer kleinen elitären Gruppe regiert und die breite Masse mit plumpen Unterhaltungsmethoden abgelenkt wurde. Die Brücke zur Gegenwart ist der Wink mit dem Zaunpfahl.

Danach folgt die Solidarisierung mit dem gebeutelten amerikanischen Volk. Tränenreich und schonungslos werden die zahlungsunfähigen ehemaligen Grundbesitzer vor ihren einstigen Häusern und dem in der Vergangenheit liegenden Glück gezeigt. Der weitere Verlauf trägt die bekannte und unterhaltsame Mooresche Handschrift. Der etwas gealterte, aber immer noch mit Basecap ausgestattete Mann sucht die Schuldigen der weltweiten Wirtschaftskrise - und findet sie auch: Sie sitzen in den Aufsichtsräten und Vorständen der großen Banken und Konzerne.

Moore schleppt sich behäbig, aber mit Leidenschaft zu den Bossen, sperrt die Wallstreet als Tatort ab und versucht mittels Geldtransporter die verschwendeten Steuergelder zurückzuholen. Aber Moore findet auch Antworten, Lösungen und sogar einen strahlenden Helden im sonst etwas diffusen Handlungsgeschehen.

Neue Kinofilme im November

Wer Michael Moore kennt, weiß worauf er sich einlässt. Allen anderen sei gesagt: "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" wirft einen doch bedeutend einseitigen Blick auf das Geschehen. Natürlich wirken die soliden Schwarz-Weiß-Malereien mitreißend und unterhaltend. Gnadenlose Manipulation ist eben das Spezialgebiet des Filmemachers. Leider sind die weltweite Wirtschaftskrise und der Kapitalismus ein wenig komplexer als die zuvor von Moore porträtierten Missstände, wie etwa die amerikanische Waffenlobby in "Bowling for Columbine". Moore verliert sich in "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" und irrt etwas orientierungslos umher. Die Zeiten waren augenscheinlich einfacher, als sein klarer Feind, George W. Bush, ihm Halt gab.

Für Freunde von: "Bowling for Columbine", "Fahrenheit 9/11", "Supersize Me"

"Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" läuft ab dem 12. November im Kino.

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Im Kino: LIEBE MAUER

"Kalter Krieg und heiße Herzen - das gibt Schmerzen"

Es ist der Herbst 1989. Franzi (Felicitas Woll) zieht mit nicht viel mehr als einem Rucksack nach Westberlin, um dort ihr Studium zu beginnen. Ihre Tante Jutta hat ihr eine günstige Wohnung besorgt - direkt an der Mauer. Eines Tages lernt sie den Ostberliner Sascha (Maxim Mehmet) kennen. Er arbeitet als DDR-Grenzsoldat wider Willen: Um einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, musste er sich für drei Jahre bei der Volksarmee verpflichten.

Es kommt wie es kommen muss: Franzi und Sascha verlieben sich ineinander. Doch die Rendezvous zwischen der BRD-Bürgerin und dem DDR-Soldaten werden auf beiden Seiten der Mauer nicht gern gesehen. Glücklicherweise sieht Saschas Jugendfreundin Uschi (Anna Fischer) Franzi verdammt ähnlich. Schnell tauschen die beiden Frauen ihre Ost-West-Identitäten. Doch damit geht der ganze Schlamassel erst los, denn auf einmal werden sowohl die Stasi als auch die CIA auf den Plan gerufen, um das junge Glück zu beobachten. Und dann fällt plötzlich die Mauer...

Pünktlich zum 20. Jubiläum des Mauerfalls versucht Regisseur Peter Timm mit "Liebe Mauer" den Spagat zwischen geschichtlicher Aufarbeitung und romantischer Verwechslungskomödie. Das gelingt ihm leider nur partiell. Die Geschichte rutscht ein ums andere Mal ins Lächerliche ab und verharmlost die Stasi-Methoden. Als Symbol für die leider nicht bis zum Ende gedachte Story stehen die Jeanshosen, die zwischen Uschi, Franzi und Sascha munter hin- und hergetauscht werden - ganz egal, ob alle drei Protagonisten völlig unterschiedliche Figuren haben. Das ist zwar nur ein kleiner Detailaspekt, fasst aber die Denkfehler von "Liebe Mauer" ganz gut zusammen.

Wer also sehen möchte, wie man den Mauerfall wirklich witzig in einem Film aufgreifen kann, sollte statt ins Kino vielleicht doch lieber in die Videothek gehen und sich "Herr Lehmann" ausleihen.

Für Freunde von: "Go Trabi Go"

"Liebe Mauer" startet am 19. November in den Kinos.

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Im Kino: GANZ NAH BEI DIR

Dank Lina (Katharina Schüttler) schafft es Philip (Bastian Trost), seine Sozialphobie zu überwinden.

So blind kann doch keiner sein!"

Der verschrobene Philip (Bastian Trost) lebt mit Schildkröte Paul und ausgeprägter Sozialphobie zurückgezogen in einer kleinen Wohnung. Jeden Morgen wird er von seiner sprechenden Bügelmaschine geweckt und macht sich dann auf zur Arbeit: in die Zentralbank, wo er Geldscheine auf ihre Echtheit überprüft. Den Kontakt mit Menschen meidet er, so gut wie es geht. Nur abends zieht es ihn gern noch raus, an die Bar, wo er sich allein einen Feierabend-Drink genehmigt.

Eines Tages stolpert dort die blinde Cellistin Lina (Katharina Schüttler) gegen seinen Tisch und in sein Leben. Philip ist begeistert von der jungen Frau, die so selbständig und wagemutig ihren Alltag meistert. Und trotzdem kann er sich nicht auf sie einlassen, nicht seine sozialen Hemmungen überwinden. Doch dann wird plötzlich Philips Wohnung ausgeräumt und Schildkröte Paul gestohlen. Und Philip merkt, dass er sich dem wahren Leben nun nicht länger verweigern kann...

Tagsüber untersucht Philip Geldscheine in der Zentralbank auf ihre Echtheit

"Lichtblick in der deutschen Komödienlandschaft" - so urteilte der Tagesspiegel euphorisch über "Ganz nah bei dir". Tatsächlich machen der feine Humor, die schrägen Charaktere und die ungewöhnlichen Szenenabschnitte den Film aus und heben ihn so von anderen, typisch deutschen Komödien ab. Doch der Zuschauer muss schon viel Geduld haben, sich auf diesen Film einzulassen, der weitaus weniger auf Handlung als auf starke Schauspieler setzt. Und die sind brilliant: Katharina Schüttler und Bastian Trost verkörpern ihre Rollen so eindrucksvoll, dass es eine wahre Freude ist, ihnen beim Suchen und Finden der Liebe zuzusehen.

Für Freunde von: "Lars und die Frauen" und "Muxmäuschenstill"

"Ganz nah bei dir" kommt am 12. November in die Kinos.

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