Niels Ruf - der Berufspöbler ist zurück

Lange war von dem einstigen Viva-2-Star und "Kamikaze"-Moderator nichts mehr im Free-TV zu sehen. Doch jetzt kehrt Niels Ruf zurück. Mit der RTL-Comedy-Serie" Herzog". Ein eher schlechtes als rechtes Comeback

Wumms! Mit voller Wucht und mitten in der Fußgängerzone haut dieser Typ mit dem dunklen Anzug Simon Herzog eine runter - und geht weiter, einfach so. Das heißt einfach so verpasst man diesem Herzog mit Sicherheit keine Ohrfeige. Irgendeinen Grund wird es schon geben. Simon C. Herzog, von Berufs wegen Scheidungsanwalt, ist ein Typ, dem man permanent und mit wachsender Freude das Mundwerk stopfen möchte, notfalls, wie in diesem Fall, eben auch mit Gewalt. Sexistisch, unverschämt, politisch höchst unkorrekt sind nur einige einer ganzen Reihe von Negativ-Adjektiven, die den Anwalt äußerst treffend beschreiben. Und mit diesem Superekel will RTL sein Freitagabendprogramm in Stile von Pro Siebens "Stromberg" aufhübschen, denn Herzog ist der Hauptdarsteller einer neuen Comedy-Serie des Privatsenders und die Ohrfeigen-Szene in der Fußgängerzone ihr gebührender Auftakt am vergangenen Freitag.

"TV-Ferkel der Nation"

Mit EX-Viva-2-Moderator Niels Ruf wurde die Rolle des Scheidungsanwalts optimal besetzt. Deklarierte ihn doch die "Bild"-Zeitung einst nicht zu Unrecht zum "TV-Ferkel der Nation". Jahrelang pöbelte sich Ruf durch die Medien. Mal in der DSF-Show "Niels' Ruf", die nach neun Folgen wegen "Blasphemie" abgesetzt wurde. Mal in der legendären VIVA-2-Show "Kamikaze", in der er sämtliche Grenze der Political Correctness brachial niederriss. Ruf zog durch den Kakao, was das Randgruppenrepertoire hergab. Homosexuelle, Behinderte - Ruf machte Witze über alles und jeden. Sein Steckenpferd, die sexistisch Zote, fand in seiner Show gar in personifizierter Form statt, als Kamikätzchen, einer leicht bekleideten Frau, die sich mit angestecktem Puschelschwänzchen im Studio auf einer Matte räkeln durfte.

Das ging so lange gut, bis ihm einer seiner geschmacklosen Witze zum Verhängnis und er gefeuert wurde. Ruf gestand, dass er im Scherz ein paar Jahre zuvor zu einer an Hautkrebs erkrankten Kollegin gesagt habe, dass bei noch weiteren Melanom-Entfernungen bald ein ganzer Mantel zusammenkäme. Dafür habe er sich entschuldigt, versicherte er. Doch die "Bild"-Zeitung grub die Geschichte aus und machte sie publik. Für "Kamikaze" bedeutete das das Aus. Ruf verlegte sich kurz darauf aufs Schreiben, veröffentlichte Kolumnen in der "Zeit', "Maxim" und "Visions". Seit 2006 hat er wieder eine wöchentliche Late-Night-Show. Größenteils unbemerkt von der Öffentlichkeit findet "Die Niels Ruf Show" allerdings fernab der breiten Öffentlichkeit auf dem Digitalsender Sat1-Comedy statt.

Beleidigen ist sein Hobby

Doch jetzt ist der Berufspöbler zurück im Free-TV und tut das, was er am besten kann: motzen, meckern, Zoten reißen. Feuer frei für Niels Ruf! Ununterbrochen schießt er: Gegen die katholische Kirche, dieser "durchgeknallten Sekte" und gegen "Schwuchtel", "die sogar heiraten dürfen". Er haut Frauen auf den Hintern und berichtet im Beichtstuhl von seiner Unzucht. Und dann wäre da noch die Sache mit den "Negern". "Die riechen eben einfach irgendwie anders", ist sich Simons bester Kumpel Bernd sicher. Grund Genug für den unverschämten Anwalt am nächsten Farbigen zu schnüffeln, der ihm über den Weg läuft.

Political Correctness mit der Brechstange

Doch so ganz trauen sich die Drehbuchautoren nicht, dieses Niveau 30 Minuten durchzuhalten. Ganz offensichtlich um nicht in die rassistische Ecke gestellt zu werden, lassen sie prophylaktisch zum Schluss der ersten Folge zwei Farbige an einem zwischen Müllbeuteln liegenden Herzog vorbeigehen. Ihr Kommentar: "Ich hab's dir doch gleich gesagt. Die Weißen Stinken. Und sie haben einen sehr kleinen Penis." Puh! Damit wäre die Poitical Correctness am Ende doch noch mit der Brechstange ein Stück weit wieder hergestellt.

Die Brechstange ist überhaupt ein beliebtes Hilfsmittel in der neuen Comedy-Serie. Ruf mangelt es schlicht an schauspielerischem Talent. Was in seinen Shows noch einen gewissen Reiz hatte, also die kompromisslos an den Tag gelegte Ich-scheiß-auf-Eure-PC-Haltung, will in der Serie einfach nicht rüberkommen. Das festgeschnürte Korsett eines Drehbuchs, scheint Ruf irgendwie die Luft dafür abzuschnüren, lässt den festen Vorsatz zu provozieren einfach nicht raus. Da hilft nur noch besagte Brechstange. Und viele dreckige Sprüche allein machen eben noch keine gute Serie aus. Aber vielleicht wird ja heute abend um 21:45 Uhr bei der zweiten Folge alles besser.

Text Britta Hesener
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