Katherine Heigl - Ein liebenswerter Star

Auf den ersten Blick müsste man sie hassen, denn sie hat scheinbar alles: das gute Aussehen, die Vorzeige-Karriere, und jetzt auch noch einen Popstar als Mann. Kaum ein Cover, auf dem sie in den letzten Monaten nicht war. Und doch strahlt Katherine Heigl etwas aus, das den Beißreflex bei anderen Frauen hemmt

Katherine Heigl auf der 27 Dresses Premiere in Los Angeles vom 7. Januar 2008

Das für eine Hollywood-Karriere als neue Königin der "Romantic Comedies" auch unerlässlich, denn was nutzt die beste Schauspielerin, wenn die Zuschauerinnen sie aus Neid boykottieren? Katherine Heigl hat wie Julia Roberts und Meg Ryan das Zeug zur romantischen Hollywood-Heldin, weil Männer sie sexy finden und Frauen sich selbst in ihr erkennen.

Wie das kommt? Heigl ist kein perfektes Püppchen. Sie bemüht sich auch in der Öffentlichkeit um ein Image mit Ecken und Kanten. So zelebriert Heigl ihr Laster, das Rauchen, regelmäßig vor Paparazzi-Kameras und bezeichnet einen Film im Nachhinein auch schon mal als "ein bisschen sexistisch"...

Früh übt sich...

Kaum jemand weiß, dass sie bereits mit vierzehn Jahren an der Seite von Gérard Dépardieu gedreht hat ("Schrecklich! Sie steckten mich in einen Tanga und die ganze Highschool sah meinen Hintern!") und sich in Hollywood lange mit Serien-Jobs über Wasser hielt. Diese Beharrlichkeit brachte ihr letztlich den Erfolg: als Assistenzärztin Izzy bei "Grey's Anatomy" spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer. "Ein Traum ist wahr geworden" hauchte sie atemlos ins Mikrofon, als sie 2007 dafür den Emmy erhielt und holte tief Luft, "aber ich habe mir dafür auch siebzehn Jahre lang den Arsch abgearbeitet". Für diese klaren Worte ist Heigl bekannt. Eine Romanze zwischen Izzy und einem verheirateten Kollegen bei "Grey's Anatomy" bezeichnet sie selbst als unglaubwürdig und unterstellt den Serienmachern ökonomische Motive für diese Maßnahme. Im letzten Jahr erreichte Heigl eine Erhöhung ihrer Gage, indem sie mit den Medien darüber sprach, dass sie sich von ihrem Sender benachteiligt fühle.

Katherine unrated

Heigl lässt sich ihre Sätze nicht von einem PR-Team diktieren. An ihrem letzten Film "Beim ersten Mal" kritisierte sie öffentlich, dass Frauen nur als humorlose Spielverderberinnen dargestellt würden. Die grobe Komödie, in der sie eine ungewollt schwangere Karrierefrau spielt, gilt in Hollywood als ihr Durchbruch. "Ich denke, dass viele Frauen immer allen gefallen wollen. Ich bin seit Anfang zwanzig darüber hinweg" gestand sie bei einer Vorstellung von "27 Dresses" in Beverly Hills. "Wenn du zu oft nicht sagst, was du wirklich denkst, dann bist du nicht mehr ehrlich zu dir selbst." Bei der üblichen Promo-Tour für ihren neuen Film "27 Dresses" besuchte sie im Januar auch Dave Letterman's "Late Show". Unter schallendem Gelächter gab sie zu, den Film noch gar nicht gesehen zu haben. Sie würde dafür auch niemals Geld ausgeben. Ungewohnte Klänge für Hollywoods Studiobosse, die ihr wahrscheinlich am liebsten einen Maulkorb verpassen würden.

Einmal Mormone, immer Mormone

Katherine Heigl in einer Szene im Film 27 Dresses

Aufgewachsen ist Heigl in einer Mormonen-Familie in Conneticut: strenge Regeln und Disziplin spielen bis heute eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Die Familie fand nach dem tödlichen Unfall von Heigls Bruder, der starb als sie sieben Jahre alt war, Halt in der Religion. Zwar praktiziert sie das Mormonentum nicht mehr, seit sie mit zwanzig nach Los Angeles gezogen ist, beachtet doch noch so manche Regel. So wollte sie vor der Hochzeit auf keinen Fall mit ihrem Verlobten Josh Kelley zusammen ziehen: "Manche Dinge müssen einem eben noch heilig sein." Jenseits dessen raucht und trinkt sie aber zu gern, um die Grundsätze der Mormonen zu befolgen. "Außerdem wäre die Auswahl an Filmrollen sehr begrenzt, wenn ich mich streng an die Regeln der Mormonen halten würde" so Heigl.

Starke Frauen

Schon früh wurde Heigl von ihrer Tante als Kindermodel vermarktet und trat in mehreren Werbespots auf. Später zog sie mit ihrer Mutter, die bis heute ihre Managerin ist, nach Los Angeles. Zu ihr hat Heigl eine sehr enge Beziehung. "Ich hatte immer das Gefühl, ich müsse die Beziehung zu meiner Mutter entschuldigen" sagte sie zu "Vanity Fair". Ihr frischgebackener Ehemann Josh Kelley sei damit von Anfang an "sehr reif" umgegangen. Zusammen mit ihrer Mutter gründete Heigl vor kurzem auch eine eigene Produktionsfirma, denn sie sieht das Filmbusiness realistisch: "Eines Tages wird mich keiner mehr sehen wollen, und dann möchte ich immer noch im Geschäft sein" gestand sie in einem Interview. Danach möchte sie mit ihrem Mann und Kindern das Leben genießen.

Ein Star zum Anfassen

Wenn man Heigl auf der Leinwand sieht, hat man nicht das Gefühl, einen perfekten Star zu sehen, sondern eine Frau mit normalen Makeln. "Sie ist hübsch, aber nicht auf eine kalte Art" meint Elizabeth Gabler, Präsidentin der Produktionsgesellschaft von "27 Dresses". Um ihre Augen bilden sich deutlich Fältchen, wenn sie lacht (sie wird in diesem Jahr dreißig), ihre Oberarme sind etwas kräftiger und ihre Beine sind keine Stöcke. Heigl hasst Diäten und findet: "Es gibt nichts Langweiligeres als Sport". Das Starlet umgibt sich gerne mit bodenständigen Menschen: so könne sie gar nicht anfangen, richtig abzuheben, "selbst wenn ich wollte". Ihre Umzugskisten schleppte sie unlängst selbst ins neue Haus und beim Streik der Drehbuchautoren in Hollywood war Katherine in der ersten Reihe dabei. Dennoch gleicht sie in ihrer zeitlosen Schönheit selbst in Ugg-Boots und Jogginghose noch mehr einem Star als perfekt gestylte und getrimmte Kolleginnen. Heigl erinnert mit ihrem Stil an Kim Novak, die in den fünfziger Jahren mit ihrer unkonventionellen Art Hollywood eroberte. Heigls Kleiderwahl ist von einer entspannten Stilsicherheit geprägt: mutig kombiniert sie Primp-Sportswear zur Kelly-Bag und sieht dabei immer gut aus.

What's next?

Heigl ist am Höhepunkt ihres Erfolges angekommen und scheint es sehr zu genießen. Gerade wurde sie vom Männerportal "Askmen.com" zur begehrenswertesten Frau der Welt gewählt und "27 Dresses" spielte bereits am Starwochenende das Doppelte der erwarteten Einnahmen ein. Paparazzi begleiten inzwischen jeden Schritt von ihr. Im Internet kann man Heigl beim Brunch mit Freunden, beim Möbelkauf und beim Einzug in das neue Haus beobachten. Stets ist sie freundlich und scheint Spaß daran zu haben, sich selbst in Szene zu setzen. Während viele ihrer Kollegen jeden Rest ihrer Privatsphäre argwöhnisch beschützen, gibt sie den Fotografen offen Auskunft darüber, was sie gerade tut. Heigl hat lange auf diesen Moment gewartet. Daher kennt sie auch die Fallstricke des Erfolges und schätzt ihre Perspektive realistisch ein: "Ich gebe mir zehn Jahre" sagt sie in einem Interview. Dann möchte sie gerne "Stricken, Rotwein trinken, Bücher lesen" ...und sich endlich das Rauchen abgewöhnen.

Bilder Twentieth Century Fox
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