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Selbstgespräche


Wer sind eigentlich diese Leute, die uns ständig anrufen und uns irgendwas verkaufen wollen? Regisseur André Erkau weiß es und hat einen Film daraus gemacht. Über eine Welt, in der ständig kommuniziert wird und zwischenmenschliche Beziehungen trotzdem auf der Strecke bleiben
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© Filmlichter

Eigentlich ist es für alle nur eine Übergangslösung. Bis das kommt, was man wirklich will. Und kann. In Saschas (Maximilian Brückner) Fall wäre das eine Karriere als Fernsehmoderator. Die alleinerziehende Marie (Antje Widdra) hofft auf einen Job als Architektin. Nur Adrian (Johannes Allmayer) geht in dem Job als Callcenter-Agent voll auf. Das schüchterne Muttersöhnchen ist das beste Pferd im Callcenter-Stall und verkauft eine Superflatrate nach der anderen. Am Telefon beherrscht er nämlich das, was er im echten Leben nicht kann: Kommunikation.

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Angetrieben wird das Team von Sprücheklopfer Richard Harms (August Zirner). Verbale Auseinandersetzungen bereiten ihm überhaupt keine Mühe. Das Retten seiner in Trümmern liegenden Ehe dagegen umso mehr. Ein gutgemeinter Tanzkurs zur Auffrischung der Leidenschaft geht total nach hinten los. "Supi", wie Marie ihrem Ex-Mann mit jeder Menge Ironie ihren Gemütszustand beschreibt, geht es niemandem. Sascha hadert mit der ungeplanten Schwangerschaft seiner Freundin, Marie ist frustriert über den Lauf ihres Lebens, und Adrian überfordert jegliches Sozialverhalten. Zu allem Übel droht nun auch noch die Schließung der Abteilung. Eine digitale Anzeigentafel dokumentiert die Quote. Steigen die Verkaufszahlen in vier Wochen nicht um mindestens fünf Prozent, hat es sich ausgequatscht. Schicht im Flatrate-Schacht.

Auf der nächsten Seite könnt ihr euch den Trailer anschauen.

"Smile and the world smiles with you"

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Der Regisseur André Erkau war selbst mal jung und brauchte das Geld. Während seines Regiestudiums verdiente er sich sein Geld im Callcenter. Er weiß also wovon er spricht und das ist es wohl auch, was sein Spielfilmdebüt so authentisch macht. Die Protagonisten verkörpern vier unterschiedliche, gescheiterte Existenzen, die alle versuchen, das Beste aus ihrer Lage zu machen. Frei nach Harms Motivations-Motto: "Smile and the world smiles with you". Die schonungslos tragische Realität wird mit einer komödiantischen Leichtigkeit und jeder Menge schwarzem Humor beschrieben.

Fazit

Für Fans von Stromberg genau die richtige Mischung aus Tragik und Komik. Das Schauspieler-Ensemble ist durchweg überzeugend, vor allem Herr Harms alias August Zirner mimt den Abteilungs-Chef sehr amüsant. Teilweise hätte man sich allerdings etwas mehr Biss gewünscht, besonders das Ende ist etwas zu versöhnlich, schließlich geht's doch ums wahre Leben. Und da gibt es ja bekanntlich auch nicht immer ein Happyend.

Text Gudrun Möller

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