The Happening

Was passiert, wenn der wichtigste Instinkt des Menschen, der Überlebenswille, auf einmal außer Kraft gesetzt wird? Wenn die Natur zum größten und unberechenbarsten Feind des Menschen überhaupt wird? Dieses Horror-Szenario hat Grusel-Regisseur Shyamalan in seinem neuen Film verarbeitet und schafft Paranoia-Kino par excellence

Unsichtbare Bedrohung

Erst reden sie wirres Zeug, dann verlieren sie die Orientierung und schließlich bringen sie sich selbst um. Alles innerhalb von Sekunden. Es beginnt im New Yorker Central Park. Wie von fremder Hand gesteuert beginnt ein unheimliches Massensterben. Mit dem leisen Wind kommt der Tod. Ein paar Blocks entfernt geht der Horror weiter: Bauarbeiter stürzen sich von den Hochhäusern Manhattans auf die Straßen. Die Suizid-Epidemie nimmt ihren Lauf. Highschool-Lehrer Elliot Moore (Mark Wahlberg) aus dem 160 km entfernten Philadelphia erfährt von den mysteriösen Geschehnissen während des Unterrichts. Alle Schüler werden nach Hause geschickt, bis die Gefahr vorbei ist. Worum es sich bei der Gefahr handelt, weiß keiner. Was anfangs wie ein Terror-Anschlag anmutet, entzieht sich später jeglicher logischer Erklärung. Elliot begibt sich zusammen mit Freund und Kollege Julian (John Leguizamo), dessen Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) und seiner Ehefrau Alma (Zooey Deschanel) auf die Flucht. Das Ziel, ein kleines Dorf, wo Julian's Mutter lebt, erreichen sie nie. Viel zu schnell greift der Psycho-Tod um sich und rottet einen Teil des Nordostens der USA beinahe komplett aus.

Ausbleibender "Aha-Effekt"

Der König des Mystery-Thrillers mit dem außergewöhnlichen und unaussprechlichen Namen M. Night Shyamalan, macht in dem Film mal wieder das, was er am besten kann: Angst. Nach Erfolgen wie "The Sixth Sense", "The Unbreakable" oder "The Village" wissen wir bereits, dass er das kann. An die Qualität seines Erfolgsdebüts "The Sixth Sense", das ihm sechs Oscar-Nominierungen einbrachte, kam er bisher allerdings nicht heran. Auch "The Happening" schafft das nicht. Der so genannte "Killer Twist", eine überraschende Wendung in der Handlung, die Shyamalan's Filme oftmals den großen Aha-Effekt im Finale bescherten und zum Erfolg der Filme führte, fehlt hier. Im Gegenteil: Es bleiben alle Fragen offen. Der indisch-stämmige Filmemacher schürt auf perfide Weise aktuelle Ängste über Umwelt- und Klimakatastrophen ohne eine Lösung zu liefern. Kurz: der komplette Kontrollverlust. Der Mensch scheint der Böse zu sein, der von der Natur jetzt endlich heimgezahlt bekommt, was er ihm Jahrtausende lang angetan hat.

Plastischer Horror

Wie die Handlung, bleiben leider auch die Charaktere an der Oberfläche. Von Elliot erwartet man, zum Helden der Story zu werden. Er als Naturwissenschaftler scheint jedes Problem durch den Einsatz von Variablen lösen zu können. Aber sämtliche seiner Erklärungsansätze schlagen fehl. Die zerrüttete Beziehung zu seiner Frau Alma bleibt gänzlich ungeklärt. Und so kommt auch das "happy ever after" Ende (zumindest was die Beziehung der beiden betrifft) viel zu amerikanisch daher. Auch bei anderen Rollen, bleiben die Funktionen der Charaktere unklar und sind wenig glaubwürdig. Es ist nicht zu übersehen, dass Shyalaman die Atmosphäre des Films wichtiger ist, als tiefgehende Dialoge oder menschliche Beziehungen. Er schafft es, Horror und bedrohliche Ohnmacht plastisch darzustellen. Ganz im Sinne von Alfred Hitchcock, der als sein großes Vorbild gilt.

Fazit

Auch wenn der Film die große Erwartungshaltung am Ende nicht einhalten kann, ist er spannend und wird Freunde von Mystery und Science-Fiction mit neunzig Minuten Hochspannung und herrlichen Schock-Momenten beglücken. Was der Film außerdem zu bieten hat, sind einige lustige Momente. Teilweise fragt man sich allerdings, ob diese von dem Regisseur überhaupt als "Witze" eingeplant waren.

Text Gudrun Möller
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