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Online-Scheidung Einfach per Klick geschieden?

Online-Scheidung: Schere zerschneidet Familienband
© wk1003mike / Shutterstock
Die Online-Scheidung verspricht ein schnelles und unkompliziertes Verfahren. Was wirklich dahintersteckt, erfährst du hier.

Was steckt dahinter?

Bei der Scheidung online handelt es sich nicht, wie viele denken, um ein vom Gericht anerkanntes Verfahren, mit dem Scheidungen auch online durchgeführt werden können. Soweit sind wir im Jahr 2020 noch nicht.

Im Grunde genommen beschreibt die Online-Scheidung nur die Wahrnehmung der heutigen digitalen Möglichkeiten. Im Unterschied zum persönlichen Kontakt in einer Kanzlei findet die Beratung und Abwicklung der Scheidung über Kontaktformulare, E-Mails (online) oder auch per Telefon statt.

Ablauf der Online-Scheidung

Bei einer einvernehmlichen Scheidung genügt es, wenn sich ein Partner einen Scheidungsanwalt nimmt und dieser die Scheidung beim Familiengericht einreicht. Dieser Scheidungsanwalt kann im Falle einer Online-Scheidung per E-Mail oder Kontaktformular über das Internet kontaktiert werden.

Sofern jedoch Streitpunkte über Themen wie Zugewinnausgleich, Unterhalt, Hausrat und Co. bestehen, sollte eine Scheidungsfolgenvereinbarung getroffen werden. So kann die Scheidung unkompliziert und getrennt von den offenen Themen von statten gehen.

Eine Scheidung geht jedoch nie ausschließlich online über die Bühne. Zum Gerichtstermin haben die Beteiligten persönlich zu erscheinen. Nur in wenigen Ausnahmefällen (z.B. Wohnort im Ausland) kann das Gericht von einer Anwesenheitspflicht absehen.

Vorteile

  • Zeit sparen mit der Vorbereitung der Scheidung (Scheidungsantrag online erstellen lassen)
  • Kosten der Scheidung geringhalten
  • Unkomplizierter Ablauf (online)
  • Behandelt das emotionale und private Thema Scheidung relativ anonym.
  • Bei einigen Anbietern trotzdem jederzeit Anwalt per Telefon oder E-Mail erreichbar.

Nachteile

  • Kaum oder kein persönlicher Kontakt mit dem Scheidungsanwalt (meist online).
  • Bei kompliziertem Scheidungsverfahren mit Streitpunkten nicht zielführend.

Mit der Online-Scheidung Geld sparen?

Auf den Seiten der Online-Anbieter bekommt man schnell den Eindruck, dass man mit der Online-Scheidung massiv Geld sparen könne. Doch in Wahrheit sind die Kosten für die anwaltlichen Tätigkeiten bei einer Scheidung an das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) gekoppelt.

Jeder Anwalt hat sich folglich an die Gebührensätze zu halten. Es ist zumindest nicht erlaubt, unter diesen zu liegen. Anwälte können höhere Kosten für Anreisen oder beispielsweise Tagegelder verlangen. Im Endeffekt sind also die Gebühren für einen Anwalt überall relativ ähnlich.

Sofern sich die Kosten bei der Online-Scheidung an den Mindestsätzen orientieren, stimmt zumindest die Aussage, dass eine Online-Scheidung zu den preiswertesten Möglichkeiten für eine Scheidung zählt. Wichtig ist, darauf zu achten, dass keine versteckten Kosten auf dich zukommen und von Anfang an offen die Kosten kommuniziert werden.

Zudem sparst du bei der Online-Scheidung potenzielle Kosten für die Anfahrt zu Anwaltsterminen und hast oftmals eine kostenlose Erstberatung inklusive.

Wenn du ein geringes Einkommen hast und unsicher bist, ob du die Scheidung bezahlen kannst, ergibt oft die Beantragung von Verfahrenskostenhilfe Sinn. Dann übernimmt der Staat die Kosten der Scheidung für dich. Die Beantragung ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem ein mehrseitiges Formular ausgefüllt und viele Nachweise eingereicht werden müssen. Es gibt vereinzelt Anbieter, die dich kostenlos bei der Beantragung der Verfahrenskostenhilfe unterstützen, indem der Antrag unkompliziert und schnell online ausgefüllt werden kann.

Fachanwalt für Familienrecht Frank Riedel (Geschäftsführer des BRIGITTE-Kooperationspartners, der Legalbird Rechtsanwalts UG): "Das Formular für Verfahrenskostenhilfe ist sehr lang und wird oft nicht verstanden. Welche Nachweise nötig sind, ist auch nur schwer nachzuvollziehen. Das kann dazu führen, dass der Antrag abgelehnt wird und die Kosten nicht übernommen werden. Wir haben daher einen Assistenten entwickelt, der es möglich macht, das Formular ganz einfach online auszufüllen. Der Assistent erkennt aufgrund der Angaben, welche Nachweise nötig sind. Diese Nachweise können dann ganz einfach mit dem Handy abfotografiert und hochgeladen werden.“ 

Online-Scheidung: Für wen lohnt sich diese Form der Scheidung?

  • Die sogenannte Online-Scheidung ergibt in erster Linie bei einer einvernehmlichen Scheidung Sinn. Die Eheleute einigen sich darauf, dass lediglich ein Anwalt benötigt wird. Hier kann mit der Online-Scheidung ein schneller und effizienter Weg gewählt werden. Zudem kommt diese Form berufsbedingt oder anderweitig stark eingespannten Menschen mit wenig Zeit entgegen. Der Scheidungsantrag wird unkompliziert über die online von dir bereitgestellten Informationen erstellt.
  • Sollte jedoch ein Ehegatte gar nicht an der Scheidung interessiert sein (keine einvernehmliche Scheidung) oder Folgesachen streitig machen, dann ist es ratsam, dass sich beide Parteien einen Anwalt suchen und sich auch intensiv und persönlich mit diesem austauschen.
  • Auch wenn ein Ehepartner kaum Deutsch spricht oder die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eheleute eine große Diskrepanz aufweisen, kann es ratsam sein, sich einen eigenen Anwalt zu suchen, um beim Scheidungstermin nicht benachteiligt zu werden. 
  • Insbesondere bei einem geringen Einkommen, empfiehlt es sich einen Anbieter zu wählen, der die Beantragung von Verfahrenskostenhilfe online anbietet und dich so auch kostengünstig bestmöglich unterstützt. Ein Beispiel von verschiedenen Online-Anbietern ist der BRIGITTE-Kooperationspartner Legalbird.             

Wie finde ich den richtigen Online-Anwalt?

Auch wenn du bei einer Scheidung online den Kontakt mit dem Anwalt auf ein Minimum reduzierst, die Auswahl einer dich gut beratenden Kanzlei sollte trotzdem nicht unterschätzt werden. Schließlich kann es jederzeit passieren, dass sich Sachverhalte ändern oder weitere Fragen deinerseits aufkommen.

Bei der Auswahl sollte daher auf folgende Punkte geachtet werden:

  • Besteht die Möglichkeit für ein kurzes, kostenloses Telefonat mit dem Anwalt vor der Auftragserteilung?
  • Bekommst du zeitnah eine Antwort auf deine Anfrage?
  • Ist das Auftreten im telefonischen oder elektronischen Kontakt informativ, professionell und sympathisch?
  • Handelt es sich um einen Anwalt mit dem Schwerpunkt Familienrecht?

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