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Glücklich auf dem Mittelweg Was wäre ein Leben ohne Kompromisse?

Glücklich auf dem Mittelweg: Zufriedene Frau sieht sich im Spiegel an
© fizkes / Shutterstock
Selbstoptimierung begleitet unser Leben wie ein Schatten, der uns immer einen Schritt voraus ist. Der ständige Vergleich bringt uns dazu, von morgen an alles besser machen zu wollen: Nur noch gesundes Essen, täglich Sport und nie wieder Alkohol und Zigaretten. Die Umsetzung schieben wir auf – aber bei jedem Tag der vergeht, wächst das schlechte Gewissen. Doch es gibt einen Weg aus diesem Kreislauf. 

Nichts wiegt schwerer, als die eigene Unzufriedenheit. In einer Zeit der allgegenwärtigen "perfekten" Leben in Fotos werden wir ständig an Ideale erinnert. Und auch wenn wir genau wissen, dass in der Wirklichkeit nicht alle Bäuche flach und Launen froh sind, macht es etwas mit uns. "Ganz oder gar nicht", denken wir uns. Also wird alles umgekrempelt: Wir stehen um 6 Uhr auf, das Frühstück lassen wir gleich weg, weil: Das spart schon mal Kalorien. Mittags am besten kein Fleisch, wir essen jetzt gesund. Nach der Arbeit gleich zum Sport. Ach! Das fühlt sich so gut an! Abends lieber ein Buch, weil: Der Fernseher verblödet doch nur. Und beim Einschlafen denken wir uns: "Heute hab ich's geschafft! Jetzt bin ich ein erfolgreicher Mensch!" 

Wie lange halten wir durch?

Wer diesen Lebensstil durchhält – Respekt! Für all die anderen: War doch klar, oder? Von den 100 Prozent ist nach ein paar Wochen nicht mehr viel übrig geblieben. Jetzt fühlen wir uns schlecht, sind enttäuscht darüber, schwach geworden zu sein. Und bei jedem Bissen Burger schwelgen wir in Erinnerungen an damals, als wir uns noch so gut und erfolgreich gefühlt haben. Doch wann wird uns klar, dass es immer zu viel Zeit und Kraft kosten wird, "perfekt" zu sein?

Nicht der Burger selbst, die Zigarette oder der Wein macht uns unglücklich, nein. Das Gefühl, schwach zu werden, löst die Enttäuschung aus. Doch das können wir beeinflussen. Seien wir mal ehrlich: All unsere Laster aufzugeben wird langfristig nicht funktionieren. Wir sollten lieber eine gesunde Einstellung zu den Dingen finden, die wir nicht aufgeben können und wollen. Denn zwischen 0 und 100 Prozent gibt es nun mal 99 weitere Zahlen, die nicht vernachlässigt werden wollen. Anstatt Richtung Optimum zu eifern, sollten wir lieber den Mittelweg wertschätzen. 

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Glücklich auf dem Mittelweg

Wenn ihr vegan leben wollt, aber einfach nicht auf Feta-Käse und Schnitzel verzichten könnt, dann tut es nicht. Esst im Biergarten das Schnitzel und genießt Zuhause den Salat mit Feta. Ist der Rest eurer Ernährung vegan, könnt ihr trotzdem stolz darauf sein! Das gleiche gilt fürs Rauchen: Wenn es euch zu schwer fällt, ganz damit aufzuhören, dann reduziert euch auf die Zigaretten, die euch wirklich schmecken. Oder steigt auf Alternativen wie Tabakerhitzer um (zum Beispiel von IQOS). Da wird Tabak erhitzt und nicht verbrannt, also gibt es zumindest schon mal keine Asche, keinen Rauchgeruch und weniger Schadstoffe als beim herkömmlichen Schmöken – kleine Schritte eben. Ihr müsst auch nicht immer auf Alkohol verzichten – genießt das Bier und den Wein (Apropos: Was wäre ein Leben ohne die perfekten Wein-Käse-Kombinationen? Roquefort & Portwein oder Gruyère & Fendant... ) mit Freunden, aber ändert eure Gewohnheiten zuhause vor dem Fernseher. Wieso die spaßigen und schönen Dinge eliminieren, wenn man sie bewusster genießen kann? 

Der Weg zum Glück führt selten über die Autobahn. Wenn ihr Stück für Stück die Gewohnheiten des alltäglichen Lebens an euer Ziel anpasst, nehmt ihr den Verzicht irgendwann nicht mehr als solchen wahr. Es dauert im Durchschnitt 60 Tage, bis man eine Gewohnheit etabliert – 60 Tage, an denen ihr nur eine Kleinigkeit ändern müsst, die euch wahrscheinlich nicht einmal schwer fällt. Viel mehr Überwindung kostet es, den großen Haufen an "Laster" auf einmal über Bord werfen zu wollen. Es sind die Kleinigkeiten, die euch langfristig zufriedener machen – nicht das Abhaken von irgendwelchen Optimierungspunkten.

Brigitte

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