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Giftige Freundschaft Hast du auch einen Frenemy?

Ein Frenemy wirkt nur auf den ersten Blick freundlich
Ein Frenemy wirkt nur auf den ersten Blick freundlich
© Piscine26 / Adobe Stock
Was ist eigentlich ein Frenemy? Woran erkennt man solche Leute? Und warum hat man überhaupt noch was mit ihnen zu tun?

"Du bist immer so freundlich, aber manchmal habe ich das Gefühl, man kann alles mit dir machen" – diese und ähnliche "Komplimente" kennen manche von uns vielleicht. Solche passiv-aggressiven Verhaltensweisen können unter anderem von Menschen kommen, die Teil unseres sozialen Umfelds sind. Wir sehen sie relativ regelmäßig, sprechen mit ihnen, arbeiten vielleicht auch noch mit ihnen zusammen. Auf den ersten Blick könnte man sogar sagen, dass sie unsere Freund:innen sind.

Nur, dass sie das eben nicht sind. Wir würden ihnen nie ein Geheimnis anvertrauen, weil wir wissen, dass sie das entweder gegen uns verwenden oder allen möglichen Menschen verraten würden. Gute Nachrichten aus unserem Leben erzählen wir ihnen besser auch nicht, denn sie neigen dazu, alles schlecht zu reden, was uns wichtig ist. Wir können ihnen auch nicht so recht glauben, was sie uns erzählen, weil wir wissen – oder mindestens stark davon ausgehen –, dass sie uns ohnehin nur anlügen. Kurzum: Sie sind unsere "Frenemies" (zusammengesetzt aus den englischen Begriffen "friend", also "Freund:in" und "enemy", also "Feind:in").

Die meisten von uns dürften mindestens eine Person in ihrem Umfeld nennen, auf die die oben genannten Beschreibungen zutreffen. Aber woran erkennt man eigentlich sonst so einen Frenemy? Und die viel wichtigere Frage: Warum haben wir so toxische Personen eigentlich in unserem nahen Umfeld und brechen den Kontakt zu ihnen nicht sofort ab?

5 Anzeichen für einen Frenemy in deinem Leben

Es ist kein Geheimnis, dass nicht nur romantische, sondern auch platonische Beziehungen ziemlich toxisch sein können. Es kann schwierig sein, sich durch eine solche Beziehung zu navigieren, da du nie wirklich weißt, wie du dich der Person gegenüber verhalten sollst. Zunächst ist es sicherlich hilfreich zu wissen, welche Zeichen dafür sprechen, dass ihr beide Frenemies seid.

1. Sie sind nur vordergründig nett zu dir

Wenn eine Person dir gegenüber sehr freundlich ist, hinter deinem Rücken allerdings nur gemeine Dinge über dich sagt, ist das schon ein ziemlich sicheres Zeichen, dass es mit eurer "Freund:innenschaft" nicht weit her ist. Ehrlichkeit ist der Grundfeiler jeder Form von Beziehung und es muss allen Parteien möglich sein, ihre Probleme von Angesicht zu Angesicht miteinander zu besprechen. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass alle Parteien das Gefühl haben müssen, dass Kritik und "unangenehme" Gespräche miteinander möglich sind.

Toxische Freundschaft

2. Sie geben zweideutige Komplimente

"Interessantes Kleid, das würde sich nicht jede:r trauen, anzuziehen", "Wow, du hast wirklich was im Leben erreicht, gerade wenn man bedenkt, wie schlecht du immer in der Schule warst" – nur zwei von vielen Beispielen eines zweideutigen Kompliments, das nur auf den ersten Blick wie eine Nettigkeit wirkt, aber eigentlich als Angriff gemeint ist. 

Wahre Freund:innen können sich über deine Erfolge freuen und dürften wohl kaum davon überrascht sein – toxische Frenemies hingegen halten von dir als Person nicht viel.

3. Sie machen und halten dich klein

Weil Frenemies dich auf einer menschlichen Ebene nicht respektieren, geben sie auch nicht viel auf deine Ansichten und Meinungen zu unterschiedlichen Themen. Egal zu welcher Gelegenheit – sie werden kaum eine Möglichkeit auslassen, um dich kleinzureden und dir das Gefühl zu vermitteln, dass du nicht viel wert bist.

4. Du möchtest keine guten Nachrichten mit ihnen teilen

Ein wirkliches Alarmsignal ist, wenn du nicht das Gefühl hast, dass du eine gute Nachricht aus deinem Leben mit der Person teilen möchtest – weil du fürchtest, dass sie es dir schlecht redet. Natürlich fällt es uns auch manchmal bei guten Freund:innen schwer, ihnen tolle Entwicklungen in unserem Leben mitzuteilen, weil es in ihrem eigenen gerade nicht so gut läuft. Aber gute Freund:innen werden das eine von dem anderen trennen und sich trotz alledem für uns freuen können – anders als Frenemies.

5. Es gibt immer ein "Aber"

"Tolle Wohnung hast du, aber die Küche ist ja ziemlich winzig", "Schönes Kleid, aber die Farbe geht leider so gar nicht" – Dr. Jared DeFife, Psychologe aus Atlanta, bezeichnet solche Form von Kritik in einem Gespräch mit "Reader's Digest" als "ein langsames, aber stetiges Gift für jede Beziehung". Allerdings gelte dies genauso für den Versuch, "sich selbst zu verbiegen, um ständig die Anerkennung anderer zu gewinnen".

Warum haben wir überhaupt Kontakt zu solchen Menschen?

Wenn man sich die Liste der Anzeichen für so eine toxische Beziehung anschaut, ist die Frage angebracht, wer sich eine solche Art von Bekanntschaft überhaupt freiwillig antut – und vor allem: warum. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es noch nicht viele Studien, die sich mit Frenemies auseinandersetzen. In einer der wenigen Studien wurden 72 Studierende in einer Online-Umfrage nach möglichen Gründen befragt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frenemies tatsächlich eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen darstellen und man dazu neigt, die – sicherlich oftmals sehr anstrengende – Beziehung mit solchen Personen aufrechtzuerhalten, weil man sich Vorteile aus der Beziehung verspricht (z.B. Aufrechterhalten sozialer Netzwerke oder potenzieller instrumenteller Verbindungen) oder sogar die negativen Folgen der Beendigung der Beziehung die des Umgangs damit überwiegen.

Die Forscher:innen schlagen aufgrund der Ergebnisse vor, "Frenemyship" als "unharmonische Beziehung" zu definieren, "in der eine oder beide Parteien herzliche Interaktion pflegen, während sie die jeweils andere Partei gleichzeitig misstrauisch, unfreundlich oder sogar feindselig bewerten".

Verwendete Quellen: researchgate.net, idiva.com, rd.com

cs Brigitte

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