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Psychologie 4 Fragen, die zu besseren Konversationen führen

Zwei junge Frauen sitzen glücklich nebeneinander und unterhalten sich
© diignat / Adobe Stock
Gefühle und Gedanken haben einen großen Einfluss auf die Qualität unserer Gespräche. Welche 4 Fragen wir uns stellen können, um unsere Konversationen zu optimieren, erfährst du hier. 

Hirnforscher:innen zufolge rasen pro Tag zwischen 60 und 80 Tausend Gedanken durch unseren Kopf. Der Großteil davon sind negativer Natur. In Gesprächen nehmen unsere Gedanken eine wichtige Rolle ein. Obgleich unser Gegenüber sie nicht direkt hört oder sieht und wir davon ausgehen, dass sie im Verborgenen bleiben, können Denkmuster uns in den Gesprächen entweder behindern oder helfen. Letzteres will aber gelernt sein.

Oft befinden wir uns während Gesprächen im Autopiloten, ohne uns große Gedanken über unsere Gesprächsmuster zu machen. Schließlich haben wir in Konversationen auch genug zu tun. Wir müssen zuhören, Antworten geben und dafür sorgen, dass das Gespräch immer schön spannend bleibt und bloß keine unangenehme Stille entsteht – so glauben wir zumindest. Zudem treten wir in Gesprächen oft sehr subjektiv auf. Wir lassen uns von unseren Gefühlen und Emotionen leiten und riskieren damit unangenehme Situationen. Damit es gar nicht so weit kommt, erweist es sich als ratsam, unsere Denkmuster in Gesprächen zu hinterfragen und eine objektive Rolle einzunehmen. So reduzieren wir nicht nur negative Urteile über uns selbst, sondern auch über andere. Wie aber gelangt man in diese objektive Beobachter-Rolle?

4 Fragen für eine bessere Konversation

Um die Denkmuster aufzudecken, die uns im Gespräch helfen oder behindern, können wir uns vier Fragen stellen. Jede Frage gibt einen Einblick in die Gesprächsdynamik und -muster, sodass wir verwirrende oder schwierige Interaktionen besser steuern können.

1. Welche Rolle nehme ich in Interaktionen ein?

Gespräche haben unterbewusst mit Machtdynamiken zu tun. Das ist manchmal gut, kann oft aber auch Gesprächsverläufe zerstören. Selbst wenn wir in einer "mächtigeren" Position sind, weil wir vielleicht im Job eine Führungsposition einnehmen, sollten wir immer einen respektvollen Umgang miteinander pflegen. Dabei hilft es sich Fragen zu stellen wie: Komme ich als Chef:in arrogant oder bescheiden rüber? Trete ich respektvoll oder wertend auf? Bin ich als Freund:in kritisch oder unterstützend?

Das bedeutet: Beobachten wir unsere Rolle in unseren Interaktionen und üben wir, uns wahrzunehmen, ohne uns selbst zu verurteilen, können wir uns aus diesen nicht hilfreichen Mustern lösen und unsere Tonalität sowie Vorgehensweise bewusst ändern.

2. Was ist meine Geschichte und wie bringe ich sie in Konversationen ein?

Es sind die Geschichten, Erinnerungen, Traumata und Erfahrungen, die uns zu der Person machen, die wir sind. Darüber hinaus können sie Verbindungen erleichtern. Wenn wir Geschichten hören, die mit unseren Denkmustern übereinstimmen, schalten sich unsere Gehirne ein. Wir erleben eine neuronale Kopplung, einen Dopaminschub und eine positive gemeinsame Erfahrung. Ganz gleich, welche Rolle wir spielen – Mutter, Vater, Geschwister, Führungskraft oder Freund:in – jede Interaktion ist eine komplexe Sammlung von Geschichten und potenziellen Verbindungen. Das Negative an der ganzen Sache ist, dass uns diverse Geschichten auch in Angst, Sorgen und ungelösten Konflikten gefangen halten können. Wenn sich unseren Überzeugungen also jemand widersetzt, reagieren wir emotional und im Autopiloten. Wir müssen unsere Geschichten deshalb aber nicht aufgeben. Wir müssen uns nur ihrer bewusst sein, sie erkennen und diejenigen auswählen, die uns helfen, und solche zurückweisen, die uns nicht helfen.

Das bedeutet: Wenn wir auf unsere Geschichten und darauf, wie sie sich auf andere auswirken, Acht geben und diese nicht als die einzige Wahrheit akzeptieren, können sich unser Denken und unsere Gefühle ändern.

3. Was ist Fakt und was ist Fiktion?

Wie schon in Punkt zwei angedeutet, können unsere Geschichten uns manchmal in die Irre führen. Das Gute aber ist: Wir können sie untersuchen und verändern.

Fakten sind unbestreitbar und bestätigend. Sie sind wichtig, um eine gemeinsame Basis zu schaffen, auf der wir unsere Gespräche aufbauen und abstimmen können. Meinungen hingegen ergeben sich aus der Sammlung von Überzeugungen, die wir im Laufe unseres Lebens vertreten. Im Gegensatz zu Fakten sind unsere Meinungen komplex, persönlich und unsicher. Unser Ego, unsere Rollen und unsere Persönlichkeiten fühlen sich sehr wohl mit unseren Annahmen, die einen großen Teil unserer Gedanken ausmachen. Wir verteidigen sie bereitwillig, weil wir uns so sehr mit ihnen identifizieren. Wenn wir jedoch unsere Meinungen untersuchen, lösen wir uns langsam von ihnen und legen unsere tieferen – oft unbewussten – Gedanken offen.

Das bedeutet: Frage dich in schwierigen Gesprächen stets, welche Bedürfnisse und Wünsche eine Rolle spielen, welche Machtfragen, Sorgen und Gedanken dich beeinflussen und nach welchen Maßstäben du dein Urteil fällst.

4. Wie kann ich andere besser verstehen?

Unbewusst treten wir für unsere Positionen ein und verteidigen sie, weil wir darauf trainiert sind, "die Antwort zu haben". Wir müssen nicht gleich unsere Meinung aufgeben, um gute Gespräche zu führen. Doch wir sollten auch nicht versuchen, andere von unserem Standpunkt zu überzeugen und ihnen unsere vermeintlich richtige Antwort aufzubürden. Stattdessen können wir das Denken unter der Oberfläche unserer Überzeugungen mit unserem Gegenüber teilen und so ein tiefes Verständnis füreinander schaffen. Gute Fragen öffnen Verstand und Herz. Wenn wir uns nach den Wünschen, Sorgen, Machtfragen und Normen anderer erkundigen, laden wir sie zu einer kooperativen, kreativen Interaktion ein.  

Das bedeutet: Beobachte, wie du für dich und andere für sich in Gesprächen eintreten. Und setze auf Nachfragen anstatt auf Abblocken oder Befürworten.

Verwendete Quellen: psychologytoday.com; The Art of Conscious Conversations: Transforming How We Talk, Listen, and Interact von Chuck Wisner

Brigitte

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