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"Auge um Auge, Zahn um Zahn": Ursprung und Bedeutung

Auge um Auge, Zahn um Zahn: Zwei Frauen schauen sich grimmig an
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"Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Wohl jeder von uns hat diesen Spruch schon mal gehört. Doch was steckt eigentlich genau dahinter?

"Auge um Auge, Zahn um Zahn": Beispiele

  • "Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat, Schade um Schade, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er hat einen Menschen verletzt, so soll man ihm wieder tun" (Lutherbibel 1912, 3.Mo 24, 19-20)
  • "Kommt ihr aber ein Schade daraus, so soll er lassen Seele um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule" (Lutherbibel 1912, 2.Mo 21, 23-25)

"Auge um Auge, Zahn um Zahn": Bedeutung

  • Die Redewendung "Auge um Auge, Zahn um Zahn", die sich zugegebenermaßen ziemlich bestialisch liest, drückt aus, dass man andere so behandeln soll, wie man selber behandelt werden möchte.
  • In erster Linie bezieht sie sich, zumindest im deutschen Sprachgebrauch, auf den negativen Fall. Wenn einem jemand einen Schaden zufügt, ist man laut dieser Redewendung berechtigt, Rache zu nehmen und ihm einen Schaden in der derselben Größenordnung zuzufügen.

"Auge um Auge, Zahn um Zahn": Herkunft

Die Redewendung "Auge um Auge, Zahn um Zahn" stammt ursprünglich aus der Bibel und taucht dort an mehreren Stellen, sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament, auf. Dabei lässt sich ihre Bedeutung bzw. ihr Ausmaß durchaus unterschiedlich auslegen und kontrovers diskutieren.

Im Alten Testament im zweiten Buch Mose steht: "Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmahl für Brandmahl, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“ (2. Mose 21,24)

Hier klingt die Redewendung sehr hart und legitimiert quasi die Rache von Angriffen. In erster Linie ist damit jedoch auch eine gewisse Sicherheit gemeint. Schließlich darf lediglich Gleiches mit Gleichem vergolten werden. Andere Leute mit einzubeziehen oder einen unverhältnismäßig hohen Schaden anzurichten, ist nicht erlaubt.

Zudem bezieht sich das Alte Testament vor allem auch auf den rechtlichen Umgang mit Straftätern. Es geht nicht darum, dass Selbstjustiz geübt werden sollte, sondern schafft einen Rahmen, indem die Justiz in Form von Richtern angemessene Strafen verhängen kann. Zudem dient der Satz auch der Abschreckung von potenziellen Verbrechern, da diese mit Sicherheit ihre faire Strafe erhalten.

Im Neuen Testament erwähnt Jesus den Satz in seiner Bergpredigt, als er zu Matthäus spricht: "Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ (Mt 5, 38f.)

Jesus korrigiert damit die falschen Ansichten für Vergeltung, die insbesondere für Christen nicht gelten. Der Grundgedanke von Gott ist Liebe und niemals Rache. Man muss also differenzieren zwischen dem Umgang von Christen und den Gesetzmäßigkeiten des weltlichen Lebens, bei dem es unter anderem um richterliche Strafen von Verbrechern geht.

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