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"Gang nach Canossa": Ursprung und Bedeutung

Gang nach Canossa: Berge von Canossa
© D-VISIONS / Shutterstock
Der Gang nach Canossa ist nicht gerade eine Vergnügungsreise. Was hinter der Redewendung steckt und woher sie stammt, liest du hier.

"Gang nach Canossa": Beispiele

  • Johanna hat ein paar Tage in der Schule gefehlt, da sie eine Erkältung auskurieren musste. In der Zwischenzeit gab es in ihrer Klasse die Deutsch-Klausur zurück, inklusive intensiver Besprechung der Lösungen. Wenn Johanna also morgen wieder zur Schule geht, dann wird sie sich die Klausur im Lehrerzimmer persönlich abholen, da sie sonst eine Woche warten müsste. Aufgrund der Tatsache, dass sie jedoch wenig gelernt hatte, befürchtet sie ein schlechtes Ergebnis und der Weg zum Lehrerzimmer wird ihr Gang nach Canossa.
  • Rüdiger war damit vertraut, die Blumen seiner Eltern zu gießen, da diese im Urlaub sind. Doch weil er eher der verpeilte Typ Mensch ist, hat er es natürlich gleich über zwei Wochen vergessen. Eine Blume, die eh schon etwas am verwelken war, ging dadurch völlig den Bach hinunter. Einen grünen Daumen hat Rüdiger schon mal nicht. Dafür droht ihm der Gang nach Canossa, wenn er seinen Eltern das Missgeschick erklären muss.
  • Nachdem sich ein Ehepaar mal wieder ausgiebig wegen einer Kleinigkeit gestritten hatte, herrschte einige Tage Funkstille. Der Ehemann überlegte sich eine Überraschung, um von seiner Seite um Entschuldigung zu bitten. So kaufte er extra einen Blumenstrauß und schrieb seiner Frau ein romantisches Gedicht. Da seine Frau jedoch immer sehr nachtragend ist, war ihm etwas unwohl bei dem Gedanken, sich bei ihr zu entschuldigen. Der Weg zur Vergebung erschien ihm wie der Gang nach Canossa.

"Gang nach Canossa": Bedeutung

Beim Gang nach Canossa handelt es sich um eine Redewendung, die einen sehr beschwerlichen Weg zu einer Person beschreibt, da man etwas zu beichten hat beziehungsweise seine Reue zeigen möchte.

"Gang nach Canossa": Herkunft

Mit dem Gang nach Canossa wird in der Geschichte der Bitt- und Bußgang des Königs Heinrich IV. von Dezember 1076 bis Januar 1077 zum Papst Gregor VII. auf die Burg Canossa tituliert.

Der Papst lebte als Gast der Markgräfin Mathilde von Tuszien auf der Burg und sollte dem König seine verlorengegangene Handlungsfähigkeit zurückgeben. König Heinrich IV. war nämlich aufgrund eines Investiturstreits exkommuniziert worden.

Die Legende besagt, dass der König ganze drei Tage kniend vor der Burg um Einlass gefleht haben soll. Die Situation war folglich unheimlich erniedrigend und unangenehm. Des Weiteren kam schon der lange Weg zur Burg einem Spießrutenlauf gleich. 

Die Herzöge versperrten dem König den Alpenübergang nach Italien, sodass nur ein gefährlicher Umweg über Burgund sowie den Mont Cenis in Frage kam.

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